Die aktuelle Ad-hoc-Empfehlung zur โPandemie und psychischen Gesundheitโ des Deutschen Ethikrates gibt Anlass fรผr eine Abrechnung mit diesem. Der Ethikrat hat sich am 11. April 2008 auf Basis des Ethikratgesetzes konstituiert โ danke, Merkel. Die derzeit 26 Mitglieder haben alle jeweils einen Professorentitel und mindestens einen Doktortitel aus verschiedensten Disziplinen inne. In seinem Selbstverstรคndnis
โverfolgt [er] die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen, sowie die voraussichtlichen Folgen fรผr Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und Entwicklung insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben. Der Deutsche Ethikrat ist in seiner Tรคtigkeit unabhรคngig und nur an den durch das Ethikratgesetzes begrรผndeten Auftrag gebunden.โ
Zunรคchst zur Vorsitzenden: Alena Buyx ist seit 2016 Teil des Ethikrat und seit 2020 deren Vorsitzende. 1997-2004 studierte Buyx Medizin, Philosophie und Soziologie in Mรผnchen, York und London und zweifache Mutter. Ihre Dissertation zum Thema โLateralisierung von Aufmerksamkeit bei gesunden Rechtshรคndern und Linkshรคndernโ war die letzte Verรถffentlichung, zu einem zumindest medizinisch-psychologischen Forschungsthema; danach verรถffentlichte Sie ausschlieรlich zu Themen der Medizinethik, in deren Titeln auffallend oft die Worte โSolidaritรคtโ und โGerechtigkeitโ vorkommen.
Um sich ein Urteil รผber das Agieren des Ethikrates in der โPandemieโ und insbesondere deren Vorsitzenden zu bilden, reicht es folgende Chronik zu kennen:
Am 04.02.2021 erscheint die Ad-hoc Empfehlung โBesondere Regeln fรผr Geimpfte?โ, in welcher eine Diskriminierung Ungeimpfter in Pflegeheimen als opportun eingeschรคtzt wird, obwohl im selben Papier mehrfach erwรคhnt wird, dass noch nicht klar ist, ob und inwieweit eine Impfung einen Fremdschutz bewirkt.
Am 16.02.2021 lehnt Buyx in einem Spiegel-Interview eine allgemeine Impfpflicht ab, betont aber, es gebe eine โmoralische Impfpflichtโ.
Am 11.11.2021 wird dann per Ad-hoc Empfehlung die berufsbezogene Impfpflicht fundiert:
โDer Rat empfiehlt angesichts der gegenwรคrtigen pandemischen Situation nun ohne Gegenstimme bei drei Enthaltungen eine ernsthafte und rasche Prรผfung einer berufsbezogenen Impfpflicht in Bereichen, in denen besonders vulnerable Menschen versorgt werden.โ
Am 22.12.2021 erscheint die Ad-hoc Empfehlung โEthische Orientierung zur Frage einer allgemeinen gesetzlichen Impfpflichtโ, welche Bundeskanzler Scholz zwei Wochen vorher anforderte. In dieser wird sodann eine allgemeine Impfpflicht empfohlen und zwar in Form eines Impfabos:
โSo ist beispielsweise bereits jetzt erkennbar, dass sich eine allgemeine gesetzliche Impfpflicht sinnvollerweise nicht nur auf die einfache oder zweifache Impfung beziehen kannโ.
Am 13.01.2022 kassiert Buyx die Empfehlung in einem Spiegel-Interview mit den Worten: dass man unter der Berรผcksichtigung der Omikronvariante โnormative Einschรคtzungen, wie man sie getroffen hat, noch einmal neu anschauenโ mรผsse und man fรผr โRevisionsoffenheitโ stehe.
Buyx argumentiert in Interviews und Stellungnahmen mechanistisch, es wird auf medizinische Studien referiert, quantitative Betrachtungen angefรผhrt und sogar die auf Umfragen in der Bevรถlkerung verweisen. Die Masse der Texte beschreiben einfach nur trivialste Zusammenhรคnge der Bauart „wenn wir eine Variante mit hรถherer Infektiositรคt bekommen, braucht es eine hรถhere Durchimpfungsrate, um die Pandemie einzudรคmmen“. Offensichtlich hat der Ethikrat nicht realisiert, dass fรผr derlei Betrachtungen Mathematiker und Epidemiologen zustรคndig sind. Aus Sicht des Autors hรคtte der Rat genau eine ethische Fragestellung beantworten mรผssen, nรคmlich, ob es akzeptabel ist auch nur einen Menschen, der sich unter Zwang impfen lieร, durch einen Impfschรคden zu โopfernโ, um damit potentiell anderen das Leben zu retten.

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Was dann seit September 2022 geschah lรคsst sich wohl am besten unter dem Begriff โgeordneter Rรผckzugโ beschreiben. Wohl wissend, dass man selbst im Auge von Normies erratisch agierte (Welt und FAZ haben kritisch รผber den Rat berichtet), musste man Abbitte leisten. So lud man 350 Schรผler zu einem Event ein, um gemeinsam mit diesen die mit Rรผckendeckung vom Ethikrat herbeigefรผhrten Verehrungen am sozialen Kapital dieses Landes zu bedauern. Erwartungsgemรคร wurde das Grundnarrativ, dass man ja das Gesundheitssystem vor dem Kollaps geschรผtzt hรคtte, nicht revidiert.
Auf die Frage eines Schรผlers hin, welche Entscheidung man mit dem Wissen von heute anders getroffen hรคtten, antwortete Ursula Klingmรผller ernsthaft, dass man die Maskenpflicht sofort eingefรผhrt hรคtte. Anstatt Selbstkritik zu รผben beklagt der Rat angebliche โfehlende oder unzureichende psychosozoale, psychoterapeutische und psychatrische Beratungs- und Unterstรผtzungsangeboteโ. Es braucht einen โAusbau sektorรผbergreifender multiprofessioneller Versorgungsnetzeโ.
Stellt sich die Frage durch welche Staatsmaรnahmen neue Kunden fรผr derartige Angebote generiert werden sollen. Der letzte Akt war dann ein Interview mit Buyx in der „Zeit“ aus dem Januar diesen Jahres, in dem Sie eine โvon Rache und Wut getriebene Suche nach Schuldigenโ beklagte.
Abhรคngige Institutionen, wie der Ethikrat oder die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sind hilfreiche Instrumente fรผr die Zementierung des Overton Fenster, da die รถffentliche Meinung eben durch stete Wiederholung der von der Politik ausgegebenen Losungen durch mรถglichst viele autoritรคre Figuren am besten zu beeinflussen ist. Sollte es noch zu einer Geistig-moralischen Wende in diesem Lande kommen, so soll dieser Beitrag als Erinnerung dienen, dass auch diese Institution geschleift werden muss, denn ohne eine Bereinigung des Geflechts aus Politik und angeblich unabhรคngigen Institutionen wird diese Wende nicht nachhaltig sein.

