Von A. M. Berger
Ein Dozent an der Universitรคt Zรผrich schreibt auf Twitter: โSeit Anbeginn der Menschheit wurden Menschen schwanger. Frauen gibt es erst etwas mehr als 1000 Jahre.โ
Als ihm dieser Geistesblitz um die Ohren fliegt, kommt das altbekannte Gejammer: Man hรคtte missverstanden was er meinte, bรถse Menschen wollen ihm schaden, der Twitter-Algorithmus fรถrdert den Hass, und, was natรผrlich nicht fehlen darf, irgendwas mit rechts. Dass er vielleicht etwas Schwachsinniges geschrieben habe, fรคllt diesem Herren natรผrlich nicht ein. Wie auch, er ist Akademiker und damit unfehlbar. Was er sagt, gilt.
Das ist das Problem mit den Akademikern. Eigentlich sollten diese Leute geltende Tatsachen erkennen und diese Erkenntnisse wiedergeben. Doch inzwischen sind sie zu den Hรผtern des Dogmas geworden: Sie sagen jetzt an, was die geltenden Tatsachen sind. Und die Realitรคt hat damit wenig zu tun, jegliche รbereinstimmung ist reiner Zufall. Sie predigen aus ihrem Elfenbeinturm, das gemeine Volk hat ihr Evangelium zu akzeptieren.
Akademiker meinen inzwischen, ihr Titel und ihre Position gรคben ihnen die Erhabenheit, die Realitรคt vorzugeben; dass alles was sie sagen richtig ist; und, vor allem, dass kein Normalsterblicher das Recht hat, sie anzuzweifeln. Kein Wunder: Da hat man nun so viel Zeit und Geld und Mรผhe und Schweiss investiert, um sich Prof. Dr., lic. phil. nennen zu dรผrfen, das sollte einem doch zumindest das Anrecht zuschreiben, die Wahrheit fรผr sich zu pachten.

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Es ist eine sehr besorgniserregende Tendenz, dass Manche Personen aufgrund ihres Titels oder ihrer Position sich als Teil eines hรถheren Standes sehen, und entsprechend mit ihren Mitmenschen und mit der Debatte umgehen. Das ist besorgniserregend, weil es wider einem der wichtigsten Werte der Aufklรคrung ist, nรคmlich der Gleichwertigkeit der Menschen. Dies bedeutet nicht, dass alle gleich seien, manche sind sicherlich klรผger, manche sind stรคrker, manche sind schรถner. Manche verdienen mehr Geld, weil sie einer fortgeschritteneren Karriere nachgehen. Gleichzeitig bekommt aber in der Demokratie jeder eine Stimme, egal ob arm oder reich, klug oder einfรคltig.
Vor allem hat keiner das Recht, aufgrund seiner Stellung eine Wahrheit zu diktieren. Auch ein Akademikertitel ist keine Heiligsprechung, welche bedeutet, dass das, was man sagt, ohne Widerrede als Wahrheit akzeptiert werden soll, und dass folglich jeder der diese Idee kritisiert ein rechter Pรถbler sei. Der Titel als Akademiker weist nach, dass man sich mit gewissen Materien auseinandergesetzt hat, und die intellektuelle Kapazitรคt hierfรผr unter Beweis gestellt hat. Will man anschliessend aber eine Idee unterbreiten, so muss man den Gegenรผber trotzdem davon dialektisch รผberzeugen, auch wenn dieser kein Akademiker wรคre, und hat nicht zu erwarten, dass er, weil man ja lic. phil. ist, einfach die Schnauze hรคlt und nickend zustimmt. Das sollten sich diese Herren hinter die Ohren schreiben.
Inzwischen entwickeln wir uns nach und nach zu einer quasi-feudalen Gesellschaft, in welcher eine kleine Gruppe von Eliten meinen, uns vorschreiben zu dรผrfen, wie wir unser Leben zu leben haben, und auch wie und was wir zu denken haben. Umso wichtiger ist es, dass diese Art von Akademikern von ihrem Hรถhenflug des Dogmatismus herunterkommen.

