Kaum eine politische Verortung wird so angefeindet wie โrechtsโ. Es gibt Konzerte gegen rechts, Omas gegen rechts, Fahrradkorsos gegen rechts, Spendenlรคufe gegen rechts, Fakten gegen rechts und so weiter. So gut wie niemand wรผrde sich heute noch als โRechterโ bezeichnen. Unser Autor hรคlt dagegen und meint: โIch bin rechts und das ist auch gut so.โ Warum?
โRechtsโ โ ein toter Begriff. โRechtsโ โ bis auf die Grundfeste verbrannt. โRechtsโ โ eine Ausgeburt der Hรถlle. Wer bezeichnet sich denn heute noch als rechts? Trotzdem lohnt es sich, an einem โbรถsenโ Begriff festzuhalten. Leider wird heute โrechtsโ mit rechtsradikal, vรถlkisch, nationalistisch oder gar rechtsex trem gleichgesetzt. Was hat ein bรผrgerlicher CDUler mit dem Attentรคter von Neuseeland, Brenton Tarrant, gemein? Gar nichts. Oder zumindest so wenig wie ein dickbรคuchiger Sozialdemokrat mit Gulag-Genosse Stalin. So fair sollte man sein.
Deutschland braucht wieder Rechte. Leute, die sich zum Begriff โrechtsโ bekennen und die Deutungshoheit nicht den akademischen Anbrรคunern รผberlassen. Auch die Distanzeritis im eigenen Lager ist kontraproduktiv. Verzichtet man auf den Begriff โrechtsโ, werden bald die gemรครigten Konservativen die Verleumdungen und Angriffe der Linken zu spรผren bekommen. Es hat schon lรคngst begonnen. Aber was genau ist denn eigentlich rechts? War Hitler rechts? Ist die CDU rechts? Fragen, die gar nicht so leicht zu beantworten sind. โIgitt, er hat โVolkโ gesagt, dieses Schundblatt lese ich nicht mehr weiter.โ Davon wรผrden wir Dir natรผrlich abraten. Man muss als โRechterโ nicht sein Volk in Ehren halten oder sich mit allen Deutschen solidarisieren. Auch die Nation ist nicht zwangslรคufig Mittelpunkt rechten Denkens. Die ersten nationalen Bestrebungen โ Deutschland war jahrhundertelang ein Flickenteppich โ kamen von liberaler und freiheitlicher Seite. Man wollte als Nationalliberale auch endlich die Einigung zur deutschen Nation. Die Reaktionรคre, die Fรผrsten und der berรผhmte Reichskanzler von Metternich im Dienste รsterreichs kรคmpften gegen die deutsche Nation. Man wollte weiter ein Zusammenschluss souverรคner Fรผrstentรผmer bleiben. Was ist jetzt rechts? Reaktionรคre Vertreter eines adligen Prinzips? Oder die Bรผndelung zu einer eigenen Nation? Die Antwort gibt erste Hinweise darauf, dass Nation nicht automatisch โrechtsโ ist, auch wenn sich drei Generationen von Linksradikalen auf die Abschaffung Deutschlands eingeschworen haben. Auch der Bezug zum deutschen Volk ist nicht von politischer Wortsymbolik geprรคgt. Selbst Rassismus โ heute der Inbegriff rechtsextremen Denkens โ รผberschreitet das politische Lagerdenken. Che Guevara โ Ikone der linken Wohlstandsrebellen โ wird folgendes Zitat zugeschrieben: โDer Neger erhielt seine rassische Reinheit durch seine bekannte Gewohnheit, Bรคder zu meiden.โ
Wรคhrend jeder dahergelaufene Aktivist sich auf Immanuel Kants Prinzip der Menschenwรผrde oder seinen kategorischen Imperativ beruft, kennt kaum jemand ein weiteres Buch des Kรถnigsberger Denkers. 1775 schrieb der Philosoph ein Essay mit dem Namen โVon den verschiedenen Rassen der Menschen โ oder Alle Neger stinkenโ. Kant war es, der den Begriff der Rasse erstmals in den deutschsprachigen Diskurs einfรผhrte. Ist Kant jetzt ein Nazi? Natรผrlich nicht. Ist er davon รผberzeugt, dass es zwischen Menschen und Menschengruppen Unterschiede gibt? Natรผrlich! Das macht ihn heute zu einem Rechten, auch wenn der Begriff damals noch keine Verwendung fand. Ob Kants โNegertitelโ heute als beleidigend angesehen wird? Natรผrlich! Frรผher allerdings nicht. Das 21. Jahrhundert und die linken Wortverschiebern haben es geschafft, alles vor ihrem selbstverherrlichenden Moralzeitalter als Nazis darzustellen. Wรผrden sie mehr Bรผcher lesen, wรผrden sie auch Kant verbrennen.
Aber abseits von Volk, Nation und reaktionรคren Fรผrstenbestrebungen gibt es weitere Merkmale, die einen Rechten von einem Linken unterscheiden. Rechte haben heute einen Hang dazu, Dinge jenseits der รkonomie und des Materialismus zu sehen. Das heiรt im Umkehrschluss nicht, dass man Kapitalismus oder Geld als solches ablehnt. Das machen schlieรlich die Sozialisten. Nein, als Rechter ist man davon รผberzeugt, dass es Kategorien braucht, die den Materialismus ergรคnzen, aber ganz und gar nicht messbar sind: Familie, Tradition, Werteerhalt, Anstand, Ehre, Aufopferungsbereitschaft, Pflichtgefรผhl. Diese Normen stehen โjenseits von Angebot und Nachfrageโ, wie Wilhelm Rรถpke, ein deutscher รkonom und Miterfinder der sozialen Marktwirtschaft, sich sicher war. Das heiรt trotzdem, dass die Wirtschaft vom freien Markt freier Menschen ausgehen muss und nicht von staatlichen Planungsstellen, deren Beamte die โfreie Wirtschaftโ nur aus RTL-Fernsehshows kennen. Hier kritisiere ich auch die โrechtenโ Sozialisten: Das sind diejenigen, die zwar Volk und Nation in Ehren halten, aber gleichzeitig fรผr Enteignungen, Erbschaftssteuer und gegen die โGierkapitalistenโ sind. Frรผher wรคren auch sie Linke gewesen.
Und das fรผhrt uns wiederum zum nรคchsten Thema: Braucht der Rechte den Staat? Hier scheiden sich die Geister. Die einen sagen, dass der Staat โ gerade der Rechtsstaat โ ein unabรคnderlicher Faktor im politischen Gefรผge sein muss. Die anderen hingegen sehen im Staat als grรถรtem Gleichmacher ein riesiges Hemmnis fรผr das โWahre, Schรถne und Guteโ. Der Staat verteilt zu den Armen um, was im Gegensatz zu einer natรผrlichen Belohnung der eigenen Leistung steht. Das Leistungsprinzip wird unterdrรผckt, und die Faulen werden belohnt, wรคhrend die Leistungsstarken unter Androhung von Freiheitsentzug einen riesigen Teil ihres Einkommens abgeben mรผssen. Auf einmal klingt der schรถne deutsche Staat, in dem ja โeigentlich alles immer so ganz gut funktioniertโ, gar nicht mehr so โrechtsโ, oder? Wenn ein durchschnittlicher Verdiener โ kein Reicher โ 39,9 Prozent Steuern auf seinen Bruttolohn zahlen muss, dann lรคuft etwas gehรถrig falsch im Staate Deutschland. Nicht mit eingerechnet sind die Sozialabgaben, die Mehrwertsteuer am Konsum, die Rundfunkgebรผhr, die Grundsteuern, die Energiesteuer oder die Mineralรถlsteuer. Damit werden dann Genderstudiengรคnge und andere linksgrรผne Utopien querfinanziert.
Und ein letztes Merkmal der Rechten, das meist vergessen wird, aber vielleicht sogar die grรถรte Aussagekraft hat: Rechte lieben Schรถnheit. Egal ob in der Kunst, der Musik oder im Baustil. Sag mir, was dir gefรคllt, und ich sag dir, wie du tickst. Wรคhrend Linke die sinnentleerte Bรผhnenkunst verherrlichen und nackt schreiend umherlaufen, sich die Haare blau fรคrben oder โmoderne Kunstโ zelebrieren, sucht der Rechte die stillen Zwischentรถne, die ruhige Schรถnheit und die รsthetik. Griechische Sรคulen gefallen dir besser als der Bauhaus-Stil? Lieber Leser, wir mรผssen รผber ein Abo reden! Und zu guter Letzt: Auch ein selbststรคndiger, individueller Mensch mit eigenen รberzeugungen ist in gewisser Weise รคsthetisch.
Niemand verlangt von Dir, es Immanuel Kant gleichzutun, und einen Traktat รผber schwarze Rassen zu schreiben, oder abwertend gegenรผber anderen Leuten zu sein. Was man aber von einem gesunden Menschen verlangen kann, ist, dass er selbstbewusst zu seiner eigenen รberzeugung steht. Es muss wieder normal werden, โIch bin rechtsโ sagen zu kรถnnen, ohne gesellschaftlich ausgegrenzt oder zusammengeschlagen zu werden. Und das รคndert sich nur, wenn mehr und mehr Menschen selbstbewusst sagen: โDann bin ich eben rechts.โ Sollte der Begriff aufgegeben werden, was de facto schon fast รผberall der Fall ist, wird man die blutigen Frรผchte dieses Rรผckzugsgefechtes ernten mรผssen: Die Schrebergarten-Konservativen werden von den linken Meinungsfaschisten angegriffen, die Liberalen werden von der Antifa bedrรคngt, ja sogar die Sozialisten, wie Sahra Wagenknecht, die mit einer Torte beworfen wurde, werden als โNazisโ beschimpft, weil sie so etwas Selbstverstรคndliches wie Grenzkontrollen fordern. โNormaleโ Positionen, die das Grundgesetz festschreibt, wie eben funktionierende Grenzen, die Wertschรคtzung der Familie oder das Belohnen von Leistung, sind bereits heute Nazi. Und das sind sie aus einem Grund: Weil sich niemand mehr traut, zu sagen: โIch bin rechts!โ
