Gerard Radnitzky war einer dieser Querköpfe alter Schule, der Freiheitsdrang, Staatsskepsis und anspruchsvolles Denken gekonnt miteinander verband. Und schmerzlich wird mir wieder einmal bewusst, dass ich die genialsten Typen – wie Roland Baader (verstorben 2012) oder Ernst Jünger (verstorben 1998) – knapp verpasst habe.
Gerard Radnitzky starb 2006 in Korlingen, ungefähr 30 Kilometer entfernt von meinem Heimatort. Zu dieser Zeit begann ich gerade, mich mit Politik zu beschäftigen, und merkte nach und nach, dass ich eigentlich ein kleiner Liberaler war. Vom jungen „JuLi“-Freund (und kurzzeitigen Mitglied) bis zu meiner beinahe uneingeschränkten Zustimmung zum vielleicht politisch inkorrektesten Libertären, den ich je gelesen habe, liegen über 10 Jahre. Eine kurze Zeit, wenn man auf Radnitzkys Leben blickt.
Gerard Radnitzky wurde 1921 in Mähren geboren. Die junge Tschechoslowakei feierte gerade ihren dritten Jahrestag, und Radnitzky, dessen Familie seit jeher Teil der k. u. k.-Monarchie gewesen war, wurde österreichisch geprägt und ausgebildet. Den Deutschen innerhalb des neuen Staates wurde anfänglich versprochen, dass sie die gleichen Rechte wie die anderen Ethnien haben sollten. Dem war jedoch nicht so. In den darauffolgenden Jahren kristallisierte sich eine antideutsche Politik der Tschechisierung im Sudetenland heraus. Immer mehr Deutsche verließen die Region, das „Kunstgebilde“ der Tschechoslowakei.
Diese Phase hat Radnitzky maßgeblich geprägt, da er – wie alle Deutschen – offiziell tschechoslowakischer Bürger wurde, ohne etwas dafür getan zu haben, und zugleich mit den Repressalien des Staates konfrontiert wurde. Ähnliches wiederholte sich bei der Vertreibung und Enteignung der verbliebenen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg im Herbst 1945 durch die sogenannten Beneš-Dekrete. Beide Vorfälle prägten Radnitzkys „revisionistisches Denken“ – wie ihm später vorgeworfen wurde –, weil diese völkerrechtlichen Verstöße von der BRD und später der EU hingenommen und niemals aufgearbeitet wurden. Hitler als absoluter Überbösewicht ließ die Verbrechen an den Deutschen in den Hintergrund rücken.
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