Von Julius Hochbaum
In den letzten Jahrzehnten hat sich im akademischen Milieu der Vereinigten Staaten eine Disziplin formiert, die unter der รberschrift des ยปAnti-Rassismusยซ operiert und deren primรคres Anliegen darin besteht, alle sozialen Verhรคltnisse der westlichen Industrienationen, die Nicht-Weiรen keine gesonderten Vorteile verschaffen, zu Manifestationen einer allgegenwรคrtigen rassistischen Matrix zu erklรคren und darauf aufbauend die Demontage herrschender Verhรคltnisse zu fordern.
In einer mit extremen Formen des Feminismus vergleichbaren Weise zeichnet der Anti-Rassismus so ein Bild der westlichen Gesellschaften als erbarmungslose Unterdrรผckungsmaschinerien, wobei das feministische Feindbild des Patriarchats hier dem Feindbild der ยปWhitenessยซ weicht, obgleich beide Feindbilder in der Praxis gerne zum Super-Feindbild des ยปweiรen Patriarchatsยซ zusammengelegt werden. Zentral ist dabei immer das Bild einer durch unredliche Privilegien gekennzeichneten ยปweiรen Vorherrschaftยซ, die alle sozialen und kulturellen Verhรคltnisse zum Nachtteil aller Nicht-Weiรen bestimme. Im Falle der Vereinigten Staaten dient diese Parole anti-rassistischen Aktivisten dazu, alle mรถglichen Missstรคnde und Fehlentwicklungen insbesondere innerhalb der afroamerikanischen Bevรถlkerung auf den als allgegenwรคrtig skizzierten Einfluss jener Vorherrschaft zurรผckzufรผhren und so als eigentliches Verschulden der weiรen Mehrheitsgesellschaft umzuinterpretieren, fรผr welches diese nun selbstverstรคndlich Kompensation zu leisten habe.
Da bekanntlich jeder US-amerikanische Trend mit kurzer Verzรถgerung immer auch ein europรคischer Trend wird, hat die Disziplin des Anti-Rassismus auch in hiesigen Diskursrรคumen lรคngst fuรgefasst, sodass auch die europรคischen Gesellschaften sich mittlerweile dem Vorwurf ausgesetzt sehen, ยปzu weiรยซ zu sein. Dabei sollte es an sich kaum verwundern, dass wenn eine bestimmte ethnische Gruppe einen bestimmten Teil der Erde รผber Jahrhunderte oder gar Jahrtausende besiedelt und kultiviert hat, auf diesem folglich auch eine gewisse soziale, kulturelle und รถkonomische Dominanz ausรผbt. Doch nur im Falle der weiรen Erdteile wird diese banale Tatsache zum Skandal erhoben, wรคhrend es nach demselben Schema genauso naheliegend wรคre, von einer gelben Vorherrschaft in Ostasien oder einer semitischen Vorherrschaft in Vorderasien zu sprechen.
Einzig aber den europรคischen Vรถlkern will man das Recht auf ein selbstbestimmtes Dasein innerhalb der eigenen Heimat absprechen. Sie unterliegen also nicht nur dem bereits durch den Multikulturalismus suggerierten Imperativ, ihre Heimatlรคnder fรผr die massenhafte Migration insbesondere aus den farbigen Teilen der Welt zu รถffnen, sondern sollen zudem innerhalb der eigenen Heimat die eigene Identitรคt immer weiter abschleifen, damit jene, die aus freien Stรผcken zu ihnen einwandern, sich durch deren bloรe Gegenwart nicht ยปunterdrรผcktยซ fรผhlen mรผssen. Bisher haben insbesondere bรผrgerlich-konservative Kritiker des Anti-Rassismus es in erster Linie dabei belassen, auf die Unvereinbarkeit seiner Lehrsรคtze mit dem Konzept der ยปFarbenblindheitยซ zu verweisen. Insofern bewegt diese Kritik sich selbst eindeutig im Fahrwasser des Liberalismus, dessen Tendenz zur Verschleierung ethnischer und kultureller Unterschiede in der philanthropischen Utopie der ยปeinen Menschheitยซ ihren wirkmรคchtigsten Ausdruck findet. Der einzelne europรคische Mensch steht im Kontext dieser Debatten letztlich aber immer nur vor der Wahl, in der ethnischen Frage entweder einen explizit anti-weiรen oder einen neutralen Standpunkt einzunehmen, niemals aber wird in diesen scholastischen Scheingefechten die Mรถglichkeit eines explizit pro-weiรen Standpunktes erรถffnet.
Tritt man dem Anti-Rassismus stattdessen aus der Perspektive eines bewussten Anti-Liberalismus gegenรผber, so muss man zunรคchst einmal anerkennend feststellen, dass diese Disziplin ungeachtet aller ihr anhaftenden inneren Widersprรผche sich um die Offenlegung der trรผgerischen Natur liberaler Entpolitisierung geradezu verdient macht. Die liberal motivierte Relativierung der Bedeutung ethnokultureller Unterschiede im Sinne eines bloรen universalistischen Menschseins wird durch die klare anti-weiรe Freund-Feind-Dichotomie des Anti-Rassismus mit schonungsloser Rigorositรคt verworfen. Durch die Radikalitรคt seiner Zuweisungen und Assoziationen stellt er letztlich jeden einzelnen Weiรen vor die Wahl, sich entweder der Forderung nach schamvoller Selbstaufgabe zu beugen, oder sich durch die bloรe Affirmation der eigenen Identitรคt des ยปRassismusยซ schuldig zu machen.
Fรผr diejenigen, die sich dieses Umstandes bewusst sind und denen etwas am Erhalt europรคischer Identitรคt gelegen ist, kann die Lรถsung also nicht in einem Festklammern an den Glaubensparagraphen liberaler Entpolitisierung liegen. Gerade eine unerschrockene rechte Metapolitik sollte es daher nicht versรคumen, die damit einhergehenden Chancen zu erkennen, dass durch das Wirken des Anti-Rassismus die ethnische Frage im รถffentlichen Diskursraum heute neues Gewicht erhรคlt. Anstatt also in behรคbiger Spitzfindigkeit nachweisen zu wollen, dass nun Anti-Rassisten die ยปwahren Rassistenยซ seien, muss vielmehr eine demonstrative Affirmation der hier akut werdenden ethnischen Frage die Vorlage dafรผr sein, der Forderung nach weiรer Selbstaufgabe das entschiedene Bekenntnis zum Lebensrecht europรคischen Volkstums, europรคischer Kultur und europรคischer Identitรคt entgegenzusetzen.
Allzu deutlich zeigt sich in der hier beschriebenen Thematik die Gefahr, zu glauben, man kรถnne sich der Realitรคt existenzieller Gegensรคtze dadurch entziehen, dass man die eigene Identitรคt auf das bloรe Menschsein beschrรคnkt. Solcherlei ist immer nur ein geistiger Etappensieg des Feindes, der davon unbeeindruckt an der eigenen Identitรคt und der eigenen Feindbestimmung festhรคlt.

