Von Jens Noah
Ich habe ein langweiliges, altbackenes Hobby. Ich sammle Schweizer Mรผnzen. Dabei hat mich mein hobbitartiges Hobby bislang noch keinen mรผden Rappen gekostet. Wie mache ich das?
Ganz einfach: ich schaue beim Mรผnzgeld genauer hin als die meisten Leute und erkenne die alten Jahrgรคnge aus den Sechzigern und frรผher und tausche sie gegen neue Exemplare ein. Dabei habe ich es auf Silbermรผnzen abgesehen, deren Materialwert stets den Nominalwert รผbersteigt. Da wird es schon interessanter. Selbst beim ungรผnstigsten Verhรคltnis, beim sogenannten Fรผnfliber, ist der Preis des Silbers schon mehr als 75% hรถher als die deklarierten fรผnf Franken.
Aber fรผr mich noch interessanter sind die Jahrgรคnge, auf die ich manchmal stoรe.
1913 โ 1929 โ 1944: Schicksalhafte Jahre in der modernen Wirtschaftsgeschichte. 1913 wurde der Federal Reserve Act verabschiedet, um fรผr Stabilitรคt im Bankenwesen zu sorgen, nur 16 Jahre spรคter platzte die erste von der Fed erzeugte Blase, weitere 15 Jahre spรคter wurde die monetรคre Nachkriegsordnung in Bretton Woods festgezurrt, weil das alte System so nicht mehr funktionierte.
Und in meinem Heimatland, im guten, alten, konservativen, soliden Deutschland?
Nach der Reichsgrรผndung 1871 hatte die Goldmark unvorstellbar lange 43 Jahre Bestand. Danach folgten im schnellen Wechsel Papiermark, Rentenmark, Reichsmark und Deutsche Mark, bis 1999/2002 schlieรlich die eine Wรคhrung kam, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden – der Euro.
Das bedeutet also deutsche Stabilitรคt, fรผnf Wรคhrungsreformen in weniger als 90 Jahren โ also fรผnfmal legalisierte Enteignungen der Untertanen (von Ostdeutschland ganz zu schweigen).
Das Einzige, was sich mit dem Euro รคnderte, ist der Umfang des Spiels โ der Ausgang ist leider allzu bekannt.
Auch wenn seit gut fรผnfzig Jahren (offensichtlich nicht vollstรคndig) entmetallisiert, der Schweizer Franken existiert immer noch und seine silbernen Einzelgรคnger bringen mich doch immer wieder zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Was auch immer folgen wird auf die Scheingeld-Druck-Orgien โ unerwartet wird diese Reise fรผr mich sicherlich nicht sein.

