Wahlen โ welch ein Trubel um ein paar Sitze in einer Institution, die bei den meisten Entscheidungen trotz offizieller Gesetzestexte eh keinen Einfluss hat. Es gibt wohl kein grรถรeres Spektakel fรผr den Demokraten da drauรen als das Beobachten verschiedenfarbiger Balken auf einem Bildschirm. Und zugegeben, ich finde das auch ab und zu lustig oder spannend, wohl wissend allerdings, dass sich der reale Einfluss dieses modernen Pseudorituals in Grenzen hรคlt. Im Gegensatz dazu der Demokratiejรผnger, der fast seine Welt zusammenbrechen sieht, wenn der falsche Balken in die Hรถhe schieรt โ ein solches Verhalten wird hoffentlich bald, am Abend des 1. September, zu beobachten sein.
Vergangenen Sonntag durfte man das in Frankreich beobachten. Dort standen die Parlamentswahlen an, die von Macron einberufen worden waren, nachdem seine Partei bei den EU-Wahlen am 9. Juni nicht so glรคnzende Erfolge einfahren konnte wie geplant. Wie รผblich finden die Wahlen im westlichen Nachbarland aufgrund des dortigen Wahlsystems in zwei Wahlgรคngen statt. Wรคhrend im ersten Wahlgang der Rassemblement National (RN) um Jordan Bardella und Marine Le Pen noch vorn lag, konnte jedoch nach dem zweiten Wahlgang der linksradikale Nouveau Front populaire (NFP) die grรถรte Fraktion im Parlament stellen. Gelingen konnte das nur durch das franzรถsische Wahlsystem: In der ersten Wahl, die am 30. Juni stattfand, musste der Kandidat eines Wahlkreises mindestens 50 Prozent der Wรคhlerstimmen und 25 Prozent der Wahlberechtigten hinter sich vereinen.
Gelang dies nicht, kam es zu einer Stichwahl, bei der sich allerdings mehr als zwei Kandidaten qualifizieren konnten, wenn sie entsprechend viele Stimmen hinter sich vereinen konnten โ und besagte Stichwahl fand nun am Sonntag statt. In vielen Wahlkreisen lag eben der rechtspopulistische RN vorn, so dass die Partei Macrons viele ihrer Kandidaten zurรผckzog und dazu aufrief, den NFP zu unterstรผtzen โ so konnte eine Mehrheit gegen die RN-Leute erzielt werden. Auch wenn die Rechten nach wie vor die meisten Stimmen hinter sich vereinten, kรถnnen sie mit ihren Abgeordneten nur die drittstรคrkste Fraktion bilden. Der Preis, den Macron fรผr die Verhinderung einer starken Le-Pen-Fraktion bezahlen musste, war eben, den Status als stรคrkste Fraktion im Parlament an die Linksradikalen abzugeben. Die Enttรคuschung bei den Rechtspopulisten war zu spรผren, die Linken feierten ihren Sieg wie gewohnt โ indem sie ihre Umgebung in Chaos und Dreck versenkten.
Welche Lektion steckt in der Wahl fรผr uns drin? Nun, zuallererst gรถnnt man Marine Le Pen ein wenig den Misserfolg, nachdem sie die AfD und insbesondere Maximilian Krah so angegangen ist. Aber ist der franzรถsische Rechtspopulismus um den RN nun tot? Nein, gewiss noch lange nicht. Zwar ist er nicht die stรคrkste Kraft im Parlament geworden, aber immerhin hat er mehr als ein Drittel der Wรคhlerstimmen hinter sich vereint โ dazu ist die AfD nur im Osten in der Lage. Die Frage stellt sich da eher, ob sich das real nutzen lรคsst, denn man hat ja gesehen: Der Gegner findet Mechanismen im Wahlsystem, die einen den fast sicheren Sieg kosten. Und: ob sich das Weichspรผlen des Wahlprogramms wirklich lohnt. Da kann man sich in Frankreich noch so sehr von der Idee der Remigration distanzieren, die bรผrgerlichen Macron-Wรคhler werden einen dennoch nicht wรคhlen, solange sie keine Banlieue-Verhรคltnisse vor der Haustรผr haben โ so zumindest die Beobachtung aus dem fernen Mitteldeutschland.
Es sieht eher so aus, als wรผrden die Menschen, die den RN wรคhlen, den RN wรคhlen, weil die Zustรคnde in Frankreich, und gerade in den Metropolen, immer unertrรคglicher werden. Die Hochburgen des RN liegen zum Beispiel im Sรผden, wo vermutlich jeder rechte Wรคhler mal Marseille besucht hat und seitdem vom Multikulti-Traum geheilt ist. Sich angesichts dieser Situation von Remigration zu distanzieren, erscheint nahezu wahnsinnig. Es bleibt nur zu hoffen, dass man in Frankreich langsam begreift, sich vom weichgespรผlten Rechtspopulismus zu lรถsen und eine wahre Alternative zu bilden โ auch wenn das bei unserer Alternative ebenfalls nicht immer der Fall zu sein scheint. Das Spiel ist in Frankreich jedenfalls noch nicht vorbei, auch wenn die Linken vorerst gewonnen haben โ aber wie gesagt: vorerst.

Wozu eine faule Meloni wie die Le-Pen-Mรถchtegernrenne wรคhlen wenn man auch die konsequente Ansage Zemmour haben kann?
LePens Umgang mit ihrem Vater als Wegbereiter erinnert doch schon sehr an IM Erika, und wie sie mit ihrer Verwandten Marechal umgegangen ist zeigt noch deutlicher wie diese Person wirklich tickt.