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Corona und Grippeimpfung

23. Oktober 2020
in 2 min lesen

Die zweite Corona-Welle ist im Anmarsch. Mit mehr als 11.000 positiv gestesten Menschen schlagen die Politiker Alarm, ein zweiter Lockdown kรถnnte bevorstehen. Fรผr die Mainstreampresse und einen GroรŸteil der besorgten Bรผrger (die, die Sorgen vor Grippe haben, nicht vor Masseneinwanderung) ist die Sache klar: Masken, Verbote, Ausgangssperren und auf die Impfung warten.

Momentan kursiert aber die Behauptung im Netz, dass die hohen Corona-Fallzahlen einen ganz anderen Grund haben: Die Grippeimpfung. Seiten wie die โ€žtagesschauโ€œ oder โ€žSWRโ€œ berichten vorsichtshalber bereits รผber โ€žgefรคhrliche Gerรผchteโ€œ und entkrรคften diese, bevor sie รผberhaupt richtig aufkommen. Der โ€žSรผdwestrundfunkโ€œ schreibt selbstbewusst: โ€žWarum es aber keine Kreuzreaktivitรคt zwischen Grippeviren und Coronatests gibt, zeigt ein Blick auf die Verwandtschaftsbeziehungen der beiden Viren: Sie sind ungefรคhr so nahe miteinander verwandt wie Menschen mit Stubenfliegen.โ€œ

โ€žDass ein PCR-Test, bei dem das Erbgut des Virus gesucht wird, also auf ein Grippevirus anspringt, ist so wahrscheinlich, wie die Mรถglichkeit, dass ein Vaterschaftstest zwischen einem Mensch und einer Fliege positiv ausfรคllt.โ€œ

Auch die Tagesschau mit ihrem Faktenfinderstar Patrick Gensing bleibt eindeutig: โ€žZu der Frage, ob Corona-Tests auf Grippeviren reagierten, sagte Stollorz, es sei „ganz klar, dass ein PCR-Test auf Corona, wenn er korrekt durchgefรผhrt wird, nicht auf eine Grippevirus-Infektion reagiert“.

Doch woher kommt die Behauptung, dass Corona und Influenza irgendwie zusammenhรคngen? Jens Spahn hatte sich gegen Grippe impfen lassen und war anschlieรŸend positiv auf Corona getestet worden. Dadurch wรผrden Verschwรถrungstheoretiker annehmen, dass beides zusammenhรคnge. So argumentiert zumindest die Qualitรคtspresse.

Ganz so einfach ist es nicht. In den Weiten des Internets findet man nรคmlich eine Studie, die sach- und fachgerecht die Zusammenhรคnge zwischen einer Influenza-Impfung und einer Sars-CoV-2 Infektion belegen. Ein Hinweis darauf gibt das Forum des ร„rzteblattes https://www.aerzteblatt.de/studieren/forum/134010 . Dort schreibt ein Nutzer: โ€žEine kรผrzlich durchgefรผhrte militรคrische Studie zeigt, dass das evaluierte Militรคrpersonal, das den Grippeimpfstoff erhielt, ein um 36 Prozent erhรถhtes Risiko fรผr das Coronavirus hatte, mit unterschiedlichem Nutzen bei der Prรคvention einiger Grippestรคmme.โ€œ

Er liefert die Quelle sogar mit. Auf einer Seite der US-Veteranen wird es eindeutig. Dort verlinken die Autoren die Ergebnisse der Veteranenstudie, die zufรคlligerweise (hust) im September hinter einer PayWall verschwand, also nicht mehr kostenlos einsehbar ist. Vorher war die Studie wohl frei zugรคnglich.

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Diese Tabelle zeigt, die Wahrscheinlichkeit, positiv auf diverse Krankheiten getestet zu werden, sollte vorher eine Impfung (Vaccinated) oder keine Impfung (Not Vaccinated) durchgefรผhrt werden. Bei den Influenzaviren wurde nachgewiesen, dass eine Grippeimpfung die Quote der Influenzaerkrankungen deutlich reduziert, beispielsweise in der ersten Zeile. Der Wert sinkt durch die Impfung von 44,4 auf 31,3 Prozent. Ganz anders beim Coronavirus. Dort steigt die Zahl der Corona-Infektionen durch die Impfung: Der Wert von 1.36 zeigt das Verhรคltnis, das um 36 Prozent ansteigt, sollte eine Influenza-Impfung stattgefunden haben. Der Wert ist statistisch sehr signifikant (p<0,01).

Erklรคrt werden kann die Prรคvalenz durch ein geschwรคchtes Immunsystem: Zwar sind Grippeimpfungen harmlos, da nur โ€žtoteโ€œ Viren gespritzt werden, allerdings wurde in vielen Fรคllen ein verstรคrktes Arbeiten des Immunsystem beobachtet, dass angekurbelt โ€“ und mรถglicherweise belastet wird. Der Mechanismus ist allerdings noch nicht erforscht.

Da es sich bei dieser Studie um den Zeitraum der Grippesaison 2017-2018 handelt, sind die Zahlen dementsprechend nicht hundertprozentig auf das neue Corona-Virus รผbertragbar. Auch ist unklar, inwiefern die Corona-Tests be besagter Studie positiv zeigten โ€“ also eine Kreuzreaktivitรคt vorhanden ist โ€“ oder eine tatsรคchliche Corona-Erkrankung vorlag. Der gezeigte positive Zusammenhang zwischen Grippe und Corona wirft allerdings deutliche Fragen auf, die bislang weder vom RKI, noch von den รถffentlich-rechtlichen Medien korrekt beantwortet werden kรถnnen.

Sollte ein Zusammenhang bestehen, kรถnnten die Grippeimpfungen das Coronavirus und damit die aktuellen Zahlen begรผnstigen. In Deutschland lassen sich 35 Prozent der รผber 65-Jรคhrigen impfen, bei der Gesamtbevรถlkerung sind es rund 10 Prozent. Das entspricht 8 Millionen Deutschen. Selbst ein kleiner Zusammenhang von wenigen Prozenten, kรถnnten den Anstieg der Corona-Infektionen von รผber 10.000 erklรคren.

ABOS

Bรผcher

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