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Im Land der Mieter

2. Februar 2020
in 2 min lesen

Die Deutschen sind โ€“ nach der Schweiz โ€“ in Sachen Eigenheim auf dem letzten Platz innerhalb der EU. Nur 45,5 Prozent (Stand: 2014) der Deutschen leben in ihren eigenen vier Wรคnden.

Im Gegensatz dazu sind die Rumรคnen Spitzenreiter was Wohneigentum angeht. รœber 96 Prozent der Rumรคnen besitzen die Wohnung oder das Haus, in dem sie gut und gerne leben.

Warum ist das so? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es leider nicht.

1. Stadt und Land

Zum einen muss man die geographische Struktur Rumรคniens und Deutschland vergleichen. In Deutschland leben 75 Prozent der Bevรถlkerung in Stรคdten, was es wiederum schwierig macht (Bspw. hรถhere Immobilienpreise), Wohneigentum zu kaufen. In Rumรคnien leben โ€žnurโ€œ ย 54 Prozent in Stรคdten, also 46 Prozent noch auf dem Land.

2. Kein Erbe

Ein weiteres Problem der Verstรคdterung ist, dass sie eine junge Entwicklung ist und immer weiter fortschreitet. Hรคufig erbt man das Haus der Eltern oder GroรŸeltern auf dem Land. Zieht es einen dennoch in die Stadt, bleibt oft nur der Verkauf. Eine Faustregel lautet: Viele Ortswechsel bedeuten eine geringe Eigenheimquote. Jedes Jahr ziehen in Deutschland 8,4 Millionen Menschen um. In seinem Leben zieht der Deutsche im Schnitt 4,5 Mal um. Ob das aber Ursache oder Ergebnis der Mietkultur ist, kann nicht beantwortet werden.

3. Eigenheim oder Holzbaracke?

AuรŸerdem kann man den Entwicklungsstand Deutschlands schwerlich mit dem Rumรคniens vergleichen. Einfach gesprochen: Wer in einer Holzbaracke in den Karpaten lebt und kein flieรŸendes Wasser hat, zรคhlt trotzdem als Eigentรผmer seiner vier Wรคnde in die Statistik. Eigentum โ€“ in krassen Fรคllen โ€“ muss auch nicht immer Vorteile haben. Insbesondere wenn Immobilienblasen entstehen, also jeder sich seinen Traum vom (รผberteuerten) Eigenheim auf Pump finanziert.

4. Falsche Investitionen?

Deutschland ist zwar kein Reiseweltmeister mehr (Stand: 2019), belegt dafรผr aber immer noch Platz 3 der Vรถlker, die am hรคufigsten in Urlaub fahren. รœberholt wurden die Deutschen von den USA und China. Aber Jahrzehnte des Weltenbummelns fรผhren eben auch dazu, dass kein angespartes Kapital vorhanden ist, um sich dem Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Dazu kommen andere, enorme Konsumausgaben (Auto, Mode, Elektronik, etc.), die ein โ€žhรถherentwickeltesโ€œ Land vorweist. Fรถrderlich fรผr die eigene Immobilie ist das nicht.

5. Der Staat und andere Hรผrden

Deutschland, das Land der Regularien, macht es Besitzern auch nicht gerade einfach. Allein die Grunderwerbssteuer ist eines von vielen Beispielen, wie Kรคufer abgeschreckt werden und der Staat sich die Taschen vollmacht. Dazu kommen Notargebรผhren, Maklerprovision und andere Hรผrden, die Verkรคufer und Kรคufer behindern.

6. Bauinterventionismus

Aber auch historisch lassen sich die Unterschiede erklรคren. Nach dem 2. Weltkrieg, als das Wirtschaftswunder langsam Fahrt aufnahm, gab es zwar Arbeit, Optimismus und Nachfrage nach Wohnraum, aber kaum Kapital. Also baute der Staat einfach munter drauf los: Kleine Mietwohnungen waren deshalb gรผnstig zu bekommen. Auch die sozialistische DDR spielt natรผrlich in die Statistik mit rein. Dort gab es viel weniger Wohneigentum als im Westen. Das wirkt noch immer nach.

7. Rumรคniens Wende

In Rumรคnien lief die Wende anders ab als in Mitteldeutschland. Dort รผberlieรŸ der gescheiterte Staat die staatlichen Wohnungen einfach den Mietern. Die hatten von da an eigene vier Wรคnde, wenn auch massiv renovierungsbedรผrftig. Der sozialistische Staat hatte โ€“ wie รผberall auf der Welt โ€“ die Wohnungen und Hรคuser verkommen lassen.

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