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Der Wahlkampf im Osten ist geschlagen

25. September 2024
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Brandenburg hat gewรคhlt! Am Sonntag wurden fรผr dieses Jahr die Wahlurnen das letzte Mal in Deutschland geรถffnet, um ein Parlament neu zu wรคhlen; die drei groรŸen Ostwahlen sind damit zu Ende gebracht. Die Stimmen sind ausgezรคhlt, das Ergebnis steht fest: SPD mit knapp รผber 30 Prozent auf Platz eins, auf dem zweiten Platz die AfD mit 29 Prozent, weit abgeschlagen dahinter das BSW mit fast 14 Prozent noch vor (!) der CDU mit 12 Prozent. FDP, Grรผne, Linke: raus dem Landtag โ€“ รคuรŸerst schรถn! Von den 88 Sitzen im Landtag entfallen nun 30 auf die AfD, wodurch sie wie in Thรผringen die Sperrminoritรคt erzielt hat โ€“ ein weiterer Erfolg. Und welche Lehren lassen sich aus den Wahlen ziehen?

1.) Die groรŸen Altparteien sind nichts mehr als Protestparteien: Wie in Sachsen die CDU hat es die Brandenburger SPD nur auf den kosmetisch schรถnen ersten Platz geschafft, weil einige Linke und รคltere Menschen (dazu spรคter mehr) sie entgegen ihren Ansichten aus taktischen Grรผnden gewรคhlt haben. Oder vielleicht nicht entgegen ihren Ansichten, sondern vielmehr aus einer Negativ-Motivation heraus: Nicht die รœberzeugung hat sie das Kreuz bei der Partei des Ministerprรคsidenten machen lassen, sondern der Hass auf die oder die Angst vor der AfD.

So haben es auch viele Wรคhler angegeben: Laut einer ARD-Umfrage haben 75 Prozent (!) der SPD-Wรคhler gesagt, sie wรคhlten nur die Sozen, um eine starke AfD zu verhindern; bei der viel schwรคcheren CDU war es knapp die Hรคlfte. Diese Parteien werden โ€“ zumindest im Osten โ€“ nur noch gewรคhlt, um Protest gegen den Rechtsruck zu demonstrieren. Das wird vor allem deutlich, wenn man die aktuellen Wahlergebnisse mit denen der EU-Wahlen im Juni vergleicht: Da erreichte die SPD gerade mal 13 Prozent, die AfD mit 27 Prozent ungefรคhr den gleichen Wert wie bei der Landtagswahl. Auch die Wรคhlerwanderschaft zeigt das an: Wรคhrend die AfD bis zu 79.000 Nichtwรคhler mobilisieren konnte, flogen die Grรผnen nicht zuletzt deshalb raus, weil sie circa 47.000 taktische Wรคhler an die SPD verloren.

2.) Die AfD ist nun (ostdeutsche) Volkspartei mit einer verlรคsslichen, zweistelligen Wรคhlerbasis. Die Partei ist nun eine feste GrรถรŸe in der ostdeutschen Politik, die man mit fairen, rechtsstaatlichen Mitteln nicht mehr loswerden kann. Sie konnte ihre Wรคhlerbasis stetig aufbauen, die nun in allen drei Bundeslรคndern, die dieses Jahr gewรคhlt haben, bei rund 30 Prozent liegt. Eigentlich eine Zahl, um der man nicht vorbeiregieren kann, sollte man meinen โ€“ aber was solls. Die Leute wรคhlen die AfD auch lange nicht mehr aus Protest, sondern immer mehr aus รœberzeugung โ€“ sei es wegen ihrer wirtschaftlichen Lage oder weil sie die radikale demografische Verรคnderung von Stรคdten wie Gera, Chemnitz oder Cottbus mit all ihren Folgen einfach nicht mehr ertragen und hinnehmen mรถchten.

3.) Die AfD wird von jungen, erwerbstรคtigen Leuten gewรคhlt: Lange Zeit galt das Klischee, die AfD sei eine Partei von รคlteren Menschen, die politische Stimme des โ€žalten, weiรŸen Mannesโ€œ. Doch dieses Bild sollte spรคtestens mit diesen Wahlen ins Brรถckeln kommen, denn die Jugend im Osten wรคhlt vermehrt rechts. In Thรผringen waren es bekannterweise 38 Prozent der Jungwรคhler, die der AfD ihre Stimme gaben, in Brandenburg nun 32 Prozent โ€“ im Vergleich dazu wรคhlt circa die Hรคlfte der รคltesten Wรคhlergruppe SPD! Das ist alles in allem eine gute Quote, auf die man aufbauen kann.

Aber wie kam das zustande, dass die 16- bis 24-Jรคhrigen zu einem Drittel AfD wรคhlten, wo es doch Ende der 2010er-Jahre vor allem linke Parteien waren, allen voran die Grรผnen, die eine Herabsetzung des Wahlalters forderten, da die Jugend doch so links sei? Nun, erstens hat sich der โ€žKlima-Hypeโ€œ etwas totgelaufen, auf der anderen Seite spรผrt die Jugend die drastische Negativentwicklung in Deutschland โ€“ vielleicht noch mehr als die รคlteren Leute. Und auch die โ€žArbeiterโ€œ merken, dass es wirtschaftlich bergab geht und die Altparteien keine Lรถsung mehr bieten kรถnnen. Nicht zuletzt kamen die jungen Wรคhler auf TikTok und Instagram mit rechten Inhalten der Jungen Alternative oder Maximilian Krahs in Kontakt, womit wir beim nรคchsten Punkt wรคren:

4.) Aggressiver und energischer Wahlkampf lohnt sich: Seien es die Auftritte des Maximilian Krah, die Offensive der AfD und JA auf TikTok und anderen sozialen Medien oder das volksnahe Auftreten eines Bjรถrn Hรถcke โ€“ das alles hat seinen Teil zum Wahlerfolg beigetragen. Die Leute wollen keine braven liberalkonservativen Labertaschen mehr, keine Hunde, die nur bellen, aber nicht zubeiรŸen kรถnnen. Es lohnt sich eben doch, mit ungewohnten Mitteln โ€“ ob Simson-Fahrt oder TikTok-Liedern โ€“ Wahlkampf zu machen.

5.) Die Altparteien mรผssen sich zu immer absurderen Koalitionen zwingen: Wie soll beispielsweise Thรผringen ohne die AfD regiert werden? Das ginge dort nur mit einem Bรผndnis zwischen CDU, BSW und Linken โ€“ eine Zusammenarbeit mit der ehemaligen SED schloss die CDU jedoch bislang aus. Fragt sich nur, wie lange noch: Hoffen wir auf eine Zusammenarbeit der Union mit Links, damit sie sich weiter selbst zerstรถrt.

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