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Die Lust am ewigen Ausnahmezustand

16. Dezember 2024
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In Deutschlands Medien der selbsternannten โ€ždemokratischen Mitte“ lรคuten die Alarmglocken Sturm: Allen Aufklรคrungskampagnen zum Trotz scheint der Siegeszug der AfD unaufhaltsam zu sein, die Bรผrger lassen sich einfach nicht beirren und votieren in immer grรถรŸerer Zahl fรผr ihr angeblich eigenes Unglรผck. Ob รถffentlich-rechtliche Sender, ob private Gazetten oder Magazine โ€“ je nรคher der durch das plรถtzliche Ampel-Aus verursachte Wahltermin rรผckt, desto hektischer scheint es in den Redaktionen zuzugehen.

In ihrer vierseitigen Beilage โ€žBuch Zwei“, die zu jeder Wochenendausgabe erscheint, nahm sich die โ€žSรผddeutsche Zeitung“ am 7./.8. Dezember ein weiteres Mal die verhรคngnisvolle Partei vor. โ€žAnzรผnden!“ โ€“ unter dieser รœberschrift zรคhlte das Blatt die Gefahrenquellen auf: โ€žDie AfD ist radikaler geworden. Hemmungsloser. Mรคchtiger. Umfragen zur Bundestagswahl sehen die Partei im Moment auf Platz zwei. Ist die Demokratie in Gefahr? Und schlafen die Demokraten?“ Doch noch etwas treibt nicht nur die SZ um. Das linksliberale Leitmedium zitiert Thรผringens Innenminister Georg Maier (SPD) mit der Warnung, Politik und Gesellschaft unterschรคtzten noch immer die Wirkung von Desinformation aus RuรŸland, China oder auch WeiรŸruรŸland zum Vorteil von AfD und BSW:

โ€žDa tun sich Autokratien zusammen. Das ist eine Riesengefahr fรผr die Demokratie.“

Ja, die Panik nimmt geradezu absurde Zรผge an: โ€žHat der Dritte Weltkrieg schon begonnen?“, fragte die SZ sich und ihre Leser am 7. Dezember. In Europa, so das Blatt, rรคtsle man, ob der Ukraine-Krieg nicht lรคngst zu etwas Furchterregendem eskaliert sei, und kam zu dem SchluรŸ: โ€žVielleicht nicht der Dritte Weltkrieg, doch so etwas wie ein dritter Weltkrieg“. Drei Tage zuvor hatte die SZ unter der Rubrik โ€žIm Kriegsfall“ die alarmierende Frage gestellt: โ€žWie gut sind deutsche Krankenhรคuser darauf vorbereitet? Nicht besonders gut, warnen Experten. Sollte es zum Nato-Bรผndnisfall kommen, wรผrden Tausende Verletzte die Kliniken รผberlasten.“ Dann zรคhlte das Blatt auf, was jetzt fรผr den Ernstfall zu tun sei.

Schon seit Monaten warnen Innenministerin Nancy Faeser, Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und EU-Kommission vor Spionage, Desinformation und Cyberangriffen auslรคndischer Mรคchte. โ€žVor allem RuรŸland, China und der Iran setzen ihre Geheimdienste umfassend gegen Deutschland ein“, erklรคrte Faeser im Juni. Hinzu kรคmen Versuche, durch Propaganda und Lรผgen EinfluรŸ auf demokratische Staaten zu nehmen, sich in Wahlen einzumischen sowie Wut und HaรŸ zu sรคen. โ€žWir leben in einer neuen ร„ra der feindlichen Beeinflussung“, konstatiert Vera Jourova, fรผr Transparenz, Werte und den Schutz der Demokratie zustรคndige EU-Kommissarin.

Auch von Sabotage wissen die Medien zu berichten. Als am Grund der Ostsee Datenkabel beschรคdigt wurden, waren sie sofort mit Schuldzuweisungen zur Stelle. Es habe sich um das chinesische Frachtschiff „Yi Peng 3″ gehandelt, das seinen Anker stundenlang in zerstรถrerischer Absicht hinter sich hergezogen habe โ€“ ein bis heute unbewiesener Vorwurf. Als Anfang Dezember gemeldet wurde, zwischen Schweden und Finnland sei ein Kommunikationskabel gleich an zwei Stellen gebrochen, war erneut von mรถglicher Sabotage die Rede. Doch wenig spรคter kam aus Finnland die Nachricht, es gebe keinen Grund zur Annahme, hier liege ein Verbrechen vor. In Wahrheit hรคtten Bagger bei Aushub-Arbeiten aus Versehen das Kabel beschรคdigt. Es hรคtte aber auch anders sein kรถnnen, beharrte die SZ. โ€žPutins Gift“, die von ihm eingesetzte hybride Kriegsfรผhrung, wirke selbst dort, wo in Wahrheit alles friedlich sei.

RuรŸlands Staatschef, in hiesigen Medien als Verbrecher und blutiger Diktator dรคmonisiert, wird besonders fรผr die Gefรคhrdung Deutschlands durch angebliche Desinformationskampagnen verantwortlich gemacht. Zu diesem Zweck bediene sich der Kreml neben Cyberattacken auch Hackeraktionen und KI-gestรผtzter Fake-Videos. Die AfD stellte deshalb im Bundestag eine Kleine Anfrage zum โ€žVorgehen der Bundesregierung gegen Desinformation in den sozialen Netzwerken“. Dankenswerterweise verรถffentlichte die โ€žJunge Freiheit“ (Nr. 50/24 vom 6. Dezember) die ihr vorliegenden Antworten. Ergebnis: Die inzwischen geplatzte Ampel-Koalition konnte keine staatlichen Akteure konkret benennen, denn โ€žauslรคndische Desinformationskampagnen lassen sich in der Regel nicht trennscharf voneinander unterscheiden und konkreten Urhebern, Zeitrรคumen, Zielgruppen usw. zuordnen“. Auch, so heiรŸt es in der Antwort, wurde bisher niemand verfolgt. Fรผr Martin Erwin Renner, medienpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erhรคrtet sich daher der Verdacht, โ€ždaรŸ hier nur ein Vorwand gesucht wird, um immer weiterreichende ZensurmaรŸnahmen im Netz zu rechtfertigen“.

Hier soll auรŸerdem der Eindruck erweckt werden, die westlichen Staaten, in erster Linie ihre Geheimdienste, seien unschuldige Lรคmmer und beteiligten sich nicht am geopolitischen Ringen. Vergessen sind die Nato-Bomben, die 1999 auf Jugoslawien fielen, vergessen ist die Lรผge, mit der der Irak รผberfallen wurde, vergessen der Angriffskrieg gegen Afghanistan, um dort die โ€žwestlichen Werte“ zu implantieren…

1 Comment Schreibe einen Kommentar

  1. Im Grunde muรŸ man zum Verstรคndnis nur eines wissen: Ist der Dauerausnahmezustand erfolgreich installiert durchregiert es sich ganz ungeniert.

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