Die US-amerikanische Regierung soll im vergangenen Jahr รผber acht Millionen US-Dollar an das Nachrichtennetzwerk โPoliticoโ gezahlt haben. Wie das zum deutschen Axel-Springer-Konzern gehรถrende Nachrichtenportal die Regierungszahlungen rechtfertigt, welche Fragen dabei offenbleiben und ob so etwas auch in Deutschland denkbar wรคre.
Um den Umfang und Hintergrund der aktuellen Kritik zu verstehen, gehen wir zunรคchst der Frage nach, wie die Zahlungen der US-Regierung an das Medienunternehmen ans Licht gekommen sind. US-Prรคsident Donald Trump hat sich dem Kampf gegen die Bรผrokratie und Steuergeldverschwendung verschrieben. Sein Auรenminister Marco Rubio scheint sich dabei ein Vorbild an Musks Twitter-รbernahme genommen zu haben. So veranlasste Rubio die Freistellung von รผber 97 Prozent der 10.000 Mitarbeiter der US-amerikanischen Entwicklungsbehรถrde (USAID). Die Behรถrde soll langfristig auf 300 Mitarbeiter reduziert und die bisherigen jรคhrlichen Ausgaben von 50 Milliarden US-Dollar stark zurรผckgefahren werden.
Bei genauerer Untersuchung stieรen Nutzer auf X auf fรผr sie merkwรผrdige Zahlungen. Die Entwicklungsbehรถrde zahlte allein im vergangenen Jahr 24.000 US-Dollar an โPoliticoโ; bei der gesamten US-Regierung waren es 8,4 Millionen US-Dollar.
Benny Johnson hob hervor, dass โPoliticoโ in den vergangenen zehn Jahren viele Artikel gegen Prรคsident Trump und seine MAGA-Bewegung verรถffentlichte, und spricht vom โgrรถรten Skandal in der Geschichte der Nachrichtenmedienโ. Geht es nach ihm, entsteht der Eindruck, dass die demokratische US-Regierung durch die Zahlungen versuchte, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen.
Dem stellte sich der Geschรคftsfรผhrer von โPoliticoโ in einer Notiz an seine Leser entgegen. โPoliticoโ habe seit seiner Grรผndung keinerlei staatliche Finanzierung erhalten. Bei den Zahlungen handele es sich lediglich um Abonnement-Gebรผhren fรผr den Dienst โPolitico Proโ und weitere Dienstleistungen. โPolitico Proโ werde von Firmen, Organisationen und der Regierung genutzt, um die โEntwicklung von Richtlinien, Gesetzen und Vorschriften in Echtzeitโ zu verfolgen.
Doch diese Argumentation wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Zunรคchst wรคre da die Frage, warum die US-amerikanische Regierung jรคhrlich Millionen von Dollar ausgibt, um von einer Nachrichtenseite bei Gesetzesvorhaben und Richtlinienumsetzung auf dem aktuellen Stand gehalten zu werden, wenn sie selbst doch genau fรผr diese Gesetzesvorhaben und Richtlinien verantwortlich ist.
Und wofรผr benรถtigt der National Park Service, der mit der Verwaltung der US-Nationalparks betraut ist, โPoliticoโ-Zeitschriftenabonnements in Hรถhe von knapp einer Million US-Dollar seit 2021?
Wahrscheinlich wird es nicht so sein, dass die US-Regierung unter Joe Biden โPoliticoโ angewiesen hat, gewisse Artikel gegen den Konkurrenten Donald Trump zu verรถffentlichen und schรคdliche Geschichten wie die รผber Hunter Bidens Laptop-Fund zu unterdrรผcken; zumindest liegen bisher keine Beweise fรผr eine solche Annahme vor. Doch wie wir auf der Seite von Axel Springer von Chief Revenue Officer Darianna Gessner erfahren, geht es gerade bei โPolitico Proโ darum, โwie es gelingen kann, die Bedรผrfnisse des Kunden zu erfรผllenโ.
Wenn in diesem Zusammenhang die Regierung unter Joe Biden das jรคhrliche Auftragsvolumen von etwa einer Million US-Dollar unter Trump auf zuletzt รผber acht Millionen US-Dollar anhebt, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass man sich seitens der demokratischen Regierung zumindest als Kunde interessanter gemacht hat. Alles natรผrlich auf Kosten der Steuerzahler.
Was ein Glรผck, dass wir in Deutschland das Grundgesetz haben, welches neben dem Neutralitรคtsgebot und der Staatsferne auch die Pressefreiheit verbรผrgt. So stellte die Bundesregierung auf Nachfrage klar: โEine staatliche Fรถrderung von Medien findet nicht statt. Die Unabhรคngigkeit und Staatsfreiheit der Presse ist ein Gut von Verfassungsrang.โ
Deshalb gab unsere Bundesregierung alleine 2023 รผber 84 Millionen Euro fรผr โInformationsmaรnahmen, Anzeigen, Kampagnen und Werbungโ aus, wie aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht. Von diesen Anzeigen profitieren dann unter anderem Online-Medien, Printmedien, TV-Medien und der Hรถrfunk โ natรผrlich alles nur zur Information des Bรผrgers รผber die Politik der Bundesregierung.
Daneben unterstรผtzt die Bundesregierung seit 2021 den Journalismus mit einem eigenen Fรถrderprogramm mit รผber drei Millionen Euro. Unter den Empfรคngern: die Deutsche Presse-Agentur (dpa), Neue deutsche Medienmacher*innen und Correctiv. Hinzu kommen seit 2018 Honorare an etwa 200 Journalisten in Hรถhe von 1,5 Millionen Euro, wie die AfD ebenfalls mit einer Kleinen Anfrage herausfand. So erhielt die ehemalige โTagesschauโ-Sprecherin Linda Zervakis vom Kanzleramt รผber 10.000 Euro fรผr die Moderation der Veranstaltung โDeutschland. Einwanderungslandโ.
Es ist interessant, wie gerne die Bundesregierung die Notwendigkeit neutraler Berichterstattung und objektiver Faktenchecker betont. Gleichzeitig scheint man durch seine finanziellen Zuwendungen und hochdotierten Auftragsarbeiten alles daranzusetzen, gerade diese Neutralitรคt im eigenen Sinne zu untergraben.
Und da haben wir noch gar nicht von den jรคhrlich rund zehn Milliarden Euro Zwangsgebรผhren fรผr die Finanzierung des รถffentlich-rechtlichen Rundfunks gesprochen. Dem schenkt laut einer INSA-Umfrage nur noch jeder Dritte unter 30-Jรคhrige sein Vertrauen. Und das, obwohl dessen Programmauftrag sogar gesetzlich festgeschrieben ist.
Es scheint ganz so, als ermรถgliche erst die Unabhรคngigkeit von staatlichen Geldern โ egal ob sie als Anzeige, Abonnement, Fรถrderprogramm oder Zwangsgebรผhren verpackt sind โ eine wirklich neutrale, weil auch staatskritische Berichterstattung. In Amerika wird die Trump-Regierung diesen Schritt gehen, Deutschland wรคre gut beraten, sich dem anzuschlieรen.


Die Gretchenfrage wurde leider nicht gestellt:
Wie kommt es รผberhaupt daร sich einstige Leitmedien derart weit von ihren Lesern entfernt haben und der รR-Funk seinen einstigen Qualitรคtsanspruch vรถllig verloren hat?