Von Florian Mรผller
Zwischen israelischen Sicherheitskrรคften und Palรคstinensern kommt es seit einigen Tagen zu Auseinandersetzungen. Ursprung der neuen Konflikte waren – wie so hรคufig – Streitigkeiten um Boden, Grund und Wohnrechte. Aktuell gipfelte die Auseinandersetzung in israelischen Luftangriffen, die 20 Tote forderten โ Ursache dafรผr waren die Raketen der Hamas, die aber vom israelischen Abwehrsystem abgefangen wurden.
Ich habe mich vor lรคngerem Mal in einem Podcast dazu geรคuรert, dass ich es als extrem belรคstigend empfinde, mich als Deutscher oftmals zu politischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten รคuรern zu mรผssen. Es geht mir Gelinde gesprochen tierisch auf den Sack, mich mit Konflikten zwischen Juden und Moslems zu befassen, wรคhrend in Deutschland die Hรผtte brennt.
Auch die Argumentation, die von fast allen Seiten angefรผhrt wird, dass wir als Deutsche ja einen besonderen Bezug zum Staate Israel haben, ist fรผr mich nicht einleuchtend, denn er schwimmt auf der gleichen Linie mit, wie die sehr deutsche Behauptung, man hรคtte noch heute etwas mit dem NS am Hut und mรผsse sich fรผr derlei Verbrechen rechtfertigen oder verantwortlich zeigen.
Natรผrlich ist der Mensch kein unbeschriebenes Blatt und zu einem sehr groรen Teil ein Produkt seiner eigenen Geschichte, seiner Vorfahren, der Traditionen und Erfahrungen seines Volkes oder seiner Nation. Aber fast 80 Jahre nach dem Dritten Reich von den Urenkeln der Beteiligten ein Bekenntnis zu Israel zu verlangen, halte ich doch fรผr sehr frech. Was natรผrlich nicht heiรt, dass Israel der โBรถseโ ist. Kรถnnen wir uns also frei entscheiden, welcher โSeiteโ wir als deutsches Tรคtervolk oder als rationales Individuum beihalten? Ja und neinโฆ
Die beiden โExtrempoleโ, wie Menschen handeln oder sich entscheiden, lauten โabsolute Freiheitโ oder โabsoluter Determinismusโ, also das jegliche Handlung vorbestimmt sei. Ich selbst halte beide Annahmen fรผr stark mangelhaft. Menschliche Aussagen, Prรคfenzen oder Entscheidungen sind zwar theoretisch frei (Ausnahmen wie Staatszwรคnge einmal vorweggenommen) aber praktisch immer durch Geschichte mitbestimmt.
Wir hรคngen immer an den unsichtbaren Fรคden unserer Umwelt und unserer Vergangenheit. Gleichzeitig ist es absurd zu behaupten, dass Entscheidungen von Menschen vorherbestimmt wรคren. Das stรคrkste Argument gegen diese philosophische Annahme ist sicherlich das โex-post-ante-Argumentโ: Wenn ich von vornherein davon ausgehe, dass meine Entscheidungen vorherbestimmt sind, handle ich signifikant schlechter, da ich meinen eigenen freien Willen ignoriere.
Aber genug des philosophischen Exkurses: Interessant wird es, wenn der Nahost-Konflikt wieder einmal in unserem Lรคndle ausgetragen wird. Normalerweise kein Grund zur Freude, aktuell darf man aber einmal schadenfroh lรคcheln…
Denn eine Dame mit dem Namen Ayten Erdil (ist sie Deutsche, liebe AfD, ich habe leider ihren Pass nicht gesehen?) hat nicht so gehandelt, wie man es in der freien Bundesrepublik erwartet.
Erdil ist Mitglied des Berliner Landesvorstandes der CDU โ oder besser gesagt war Mitglied im Landesvorstand der CDU. Denn die Politikerin trat aufgrund eines โumstrittenen Facebook-Postsโ schlieรlich von ihren รmtern zurรผck. Sie bezeichnete den Raketenangriff Israels auf palรคstinensische Gebiete als โVerbrechen gegen die Menschlichkeitโ.
Ein Posting eines Landesvorstandsmitglieds zu diesen Angriffen auf #Jerusalem gibt nicht die Meinung der @cduberlin wieder. Wir distanzieren uns ausdrรผcklich davon und haben bereits mit ihr gesprochen. Sie legt mit sofortiger Wirkung ihren Sitz im Landesvorstand nieder. (2/3)
โ CDU Berlin (@cduberlin) May 11, 2021
Nach รถffentlichem Druck nahm Erdil ihren Hut, doch der Skandal war da. Die Berliner CDU distanzierte sich, wo sie sich distanzieren konnte, der Original-Post von Erdil wurde mittlerweile gelรถscht und die CDU-Berlin betont, dass das โExistenzrecht Israelsโ nicht verhandelbar sei โ schieรt also bei ihrer Apologie so weit wie mรถglich รผber das Ziel hinaus.
Die Aussage Erdils, die sich einige Tage vorher noch รผber das Neutralitรคtsgesetz in Bezug auf Kopftรผcher beschwert hatte, ist symptomatisch fรผr die Konfliktlinien in Deutschland, aus dem man einige Postulate ableiten kann:
1.) Ein รผberwรคltigender Teil der hier lebenden Moslems hasst Israel, was sich auch nicht mit dem Grad an Integration รคndern wird. Zwar lernt man als Vertreter der รถffentlichen รmter normalerweise geschickter vorzugehen, da man die Walzerschritte der deutschen รffentlichkeit beherrscht, aber die Einstellung bleibt gleich.
2.) Es wird vom politmedialen Establishment nicht akzeptiert, sich gegen Israel zu stellen. Auch nicht als Migrant, der normalerweise eine hรถhere Toleranzgrenze internalisiert hat, als Hans oder Lieschen Mรผller. Innerhalb der etablierten Parteien wird sermonartig wiederholt, dass Israel toll und Palรคstina bรถse ist โ vollkommen unabhรคngig davon, was in welchen Situationen zutrifft.
3.) Natรผrlich wird mit zweierlei Maร gemessen: Die Kritik an der Aussage โVerbrechen gegen die Menschlichkeitโ ist keine Kritik an der Aussage per se, sondern nur im Kontext Israel. Hรคtte Erdil sich 2019 so im Falle der Luftangriffe Indiens auf Pakistan geรคuรert, bei den Luftangriffen Russlands auf Nordsyrien, hรคtte sich kein Schwein dafรผr interessiert.
Vielleicht wird auch dem Establishment irgendwann bewusst, dass der Nahostkonflikt auch fรผr unser Land reichlich Detonationsstoff bietet. Und vielleicht lernt man auch daraus, dass Haltung und Denken der Migranten โ hauptsรคchlich derer aus muslimischen Gebieten – รผberwiegend durch Heimatkultur und Heimatreligion bestimmt werden.
Weder durch deutsche Werte, seien sie noch so scheinheilig und populistisch, noch durch ein rationales Abwรคgen des โStirnerschenโ Einzelnen. Wie soll man bitteschรถn integrierter sein als Aytin Erdil? Erdil ist nach eigenen Angaben Fachรคrztin fรผr Innere Medizin, Chef einer Beratungsfirma und im Landesvorstand der CDU. Mehr Integration geht nicht โ und trotzdem zeigen gerade diese Beispiele an der Abbruchkante des Sagbaren, dass sich ein Groรteil der Moslems โ selbst der โGutenโ โ niemals integrieren wird noch integrieren lassen wird.
Wenn selbst bei diesen Wasserglasstรผrmen eine Frau wie Erdil ihre Karriere (ungewollt) opfert: Wie sieht es dann aus, wenn die ersten Verteilungskรคmpfe anfangen? Wenn die Supermรคrkte mal leer stehen? Wenn der Monatslohn ausfรคllt? Die Loyalitรคt der muslimischen Einwanderer liegt nicht auf der Seite der Deutschen.
