0
exc-60b883a742b15e29b39f8ca2

Her mit unseren Schienen!

3. Juni 2021
in 2 min lesen

Zwischen 1904 und 1908 schlugen die deutschen Schutztruppen in der Kolonie Deutsch-Sรผdwestafrika einen Aufstand der Herero und Nama nieder. Ob der Zweck immer die Mittel heiligt, ob das Vorgehen von General Lothar von Trotha gerechtfertigt oder รผbertrieben war, darรผber wurde bereits seiner Zeit heftig debattiert.

Mehr als hundert Jahre nach dem Ereignis haben sich die geopolitischen Verhรคltnisse grรผndlich geรคndert. Die Deutschen haben keine Kolonien mehr und werden des nachts von Albtrรคumen geplagt. SchweiรŸgebadet wacht man auf und fast sich entsetzt an die Stirn, denn die Schuld, die groรŸe Schuld, in die man als Deutscher qua seiner Geschichte und Genetik verstrickt ist, lastet so schwer auf der Seele.

Gut, dass es Geld gibt. Denn mit Geld, das wissen wir, das wissen die Nachkommen und angeblichen Nachkommen der Herero und Nama, lรคsst sich die Schuld tilgen. Nicht gรคnzlich. Aber etwas. Bis das Geld eben aufgebraucht ist. Dann stellt man neue Forderungen.

Unser AuรŸenminister Maas hat jetzt unserer ehemaligen Kolonie eine Zahlung von – Achtung, halten Sie sich fest! – 1,1 Milliarden Euro รผber einen Zeitraum von 30 Jahren zugesagt. 1,1 Milliarden Euro! Das ist eine Menge Geld, fรผr das musste der deutsche Schuldbรผrger lange arbeiten.

In einer mit Namibia ausgehandelten Erklรคrung, die von der Bundesregierung aus unbekannten Grรผnden nicht verรถffentlicht wird, aber dennoch der Sรผddeutschen vorliegt, heiรŸt es:

โ€œDie Bundesregierung erkennt an, dass die in Phasen des Kolonialkrieges verรผbten abscheulichen Grรคueltaten in Ereignissen gipfelten, die aus heutiger Perspektive als Vรถlkermord bezeichnet wรผrden.โ€œ

Vรถlkermord. Natรผrlich. Darunter macht es unsere Regierung nicht, die sich bekanntlich viel Mรผhe dabei gibt, als Inverse zum Kaiserreich aufzutreten. Seit 1990 hat die Bundesregierung in โ€œbilateraler Entwicklungszusammenarbeitโ€œ bereits schlappe 800 Millionen Euro in die ehemalige Kolonie gepumpt. Darf man als deutscher Schuldbรผrger mal ganz beilรคufig fragen, was mit der ganzen Kohle passiert ist?

Und dann lese ich auf Wikipedia, dass Deutsch-Sรผdwestafrika mit 2.372 Kilometern Bahnstrecke รผber das ausgedehnteste Schienennetz aller deutschen Kolonien verfรผgte. Heute verfรผgt die Kolonie รผbrigens รผber 2.687 Kilometer Schienennetz – das Land lebt also immer noch von der Infrastruktur, welche die deutschen Kolonialherren einst in unverschรคmter AnmaรŸung errichteten.

Wenn wir jetzt also knapp 2 Milliarden Euro hinlatzen, wieso sollte ich dann nicht weiterhin von unserer โ€œehemaligen Kolonieโ€œ sprechen, anstatt von der โ€œRepublik Namibiaโ€œ. Wieso sollte ich aufhรถren dieses Land als โ€œDeutsch-Sรผdwestafrikaโ€œ zu bezeichnen? Man ist dort unten ja scheinbar so sehr angewiesen auf deutsches Geld, wie man hierzulande nach immer neuen Grรผnden fรผr Kniefรคlle lechzt.

Man kรถnnte die Sache aber auch anders angehen. Nachdem richtige Historiker in einer unabhรคngigen und objektiven Studie das DDR-gefรผtterte Schuldnarrativ relativiert haben, werden alle Forderungen seitens der ehemaligen Kolonie mit dem Wert der von der deutschen Kolonialmacht errichteten Verkehrsinfrastruktur verrechnet. Wie gesagt, wir sprechen hier von 2.372 Kilometern Bahnstrecke.

Was dann an Schienen รผbrig bleibt, kann man uns per Frachter in Hamburg abliefern. Die Deutsche Bahn will ja neuerdings etwas fรผr das Klima tun, da werden hierzulande neue Strecken dringend benรถtigt. Wenn das passiert ist, dann begegnen sich die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Namibia auf Augenhรถhe. Und wenn dann noch Redebedarf sein sollte, dann kรถnnen beide Staaten in aller Ruhe die Bedeutung des Wortes โ€œVรถlkermmordโ€œ erรถrtern.

ABOS

Bรผcher

SPIELE