Seit Jahren fรผllen vermeintlich rechtsextreme Polizisten, die sich in der Regel politisch unerwรผnschte WhatsApp-Nachrichten zukommen lassen, die Schlagzeilen. รhnliches gilt fรผr die Bundeswehr, insbesondere das Elitekommando KSK.
In den Niederlanden schรผtzen Veteranen eine Demo gegen die Corornarestriktionen vor รbergriffen seitens ihrer ehemaligen Dienstherren. In Deutschland sollen sich bereits Nachahmer finden, deren Mitglieder teils noch aus der Nationalen Volksarmee der DDR stammen.
Vergangenes Jahr hielt der sogenannte โSchwarzwaldramboโ Yves Rausch die Hofschreiberlinge und zahlreiche Sympathisanten aus dem Volk tagelang in Atem, nachdem er vier SEK-Beamte entwaffnete und sich fรผnf Tage lang vor einem Groรaufgebot der Behรถrden, im Schwarzwald versteckte.
In Belgien wird seit dem 20. Mai nach einem rechtsextremen Soldaten gefahndet, der Waffen entwendet haben soll. Zugleich finden sich allerdings auch Gegner des belgischen Kunststaates zu Sympathiekundgebungen zusammen. Links des Rheins ist man derweil schon ein Stรผck weiter. Dort drohten 20 pensionierte Generรคle bereits recht unverhohlen mit einem Eingreifen des Militรคrs, falls die politische Gesamtentwicklung sich nicht spรผrbar verbessern wรผrde.
Wohl wahr, recht viele Meldungen fรผr eine einzige Einleitung. Worauf also will ich mit dieser inhaltlich nur begrenzt homogenen Zusammenstellung hinaus? Nun, รผberall in Europa beginnt es seit 2015 und verstรคrkt seit 2020 im Gebรคlk der uniformierten Staatstrรคger zu knirschen.
Seit dem Beginn der Coronakrise etabliert sich in immer mehr europรคischen Lรคndern das Phรคnomen, dass eine zahlenmรครig nicht zu ignorierende Minderheit, quer durch alle Gesellschaftsschichten lieber mit den politischen Vergeltungsmaรnahmen des Systems, als mit seinen unmenschlichen Einschrรคnkungen lebt.
In diesem gesellschaftlichen Querschnitt scheinen auch die uniformierten Sicherheitskrรคfte proportional, mรถglicherweise sogar รผberproportional reprรคsentiert. Dies reicht von einzelnen medial hochgeputschten Randfiguren bis hin zu langjรคhrigen Leistungstrรคgern. Genaue Statistiken zu den einzelnen Kategoriren liegen natรผrlich nicht vor.
Zwei Argumente sprechen allerdings fรผr eine potenzielle รberreprรคsentation. Zum einen werden gerade Polizisten seit Jahren mit der tatsรคchlichen Realitรคt der Einwanderung konfrontiert. Was auch immer fรผr Sand die GEZ-Zuschauer sich in die Augen streuen lassen, die Sicherheitskrรคfte kennen den Ernst der Lage.
Zum anderen werden sowohl Polizisten als Soldaten zu einer besonderen Pflichttreue erzogen und nicht wenige dรผrften dabei von einem persรถnlichen Gerechtigkeitsgefรผhl geleitet werden. Genau diese Umstรคnde kรถnnen diese Menschen nun allerdings vor ein kaum zu lรถsendes Dilemma stellen.
Auf der einen Seite steht das Pflichtgefรผhl gegenรผber dem Dienstherren, dem als Institution naturgemรคร der Schutz der Schwachen obliegt. Genau dieser setzt sie nun allerdings gegen die Menschen ein, fรผr die viele wohl รผberhaupt erst in die staatlichen Sicherheitsdienste eingetreten sind, was wiederum ein Unrechtsgefรผhl hervorrufen kรถnnte. Soweit zumindest meine kรผchenpsychologische Analyse.
Wie aber lassen sich derartige โEinschรคtzungen politisch verwerten? Nun, es liegt in der Natur der Sache, dass politische Unterdrรผckungssysteme, die kaum auf freiwillige Loyalitรคt zurรผckgreifen kรถnnen, dringend auf einen bewaffneten Sicherheitsapparat angewiesen sind.
Jedoch existiert kein bekanntes historisches Vergleichsbeispiel in der die Ablehnung derselben mit einer derartigen Arroganz zur Schau getragen wurde, wie derzeit im Merkelstaat. Schon am 1. August 2020 in Berlin hรคtte eine einzelne Befehlsverweigerung das System zum Kippen bringen kรถnnen.
Die derzeitige passive und teils aktive Ablehnung des Systems durch diese entscheidende Trรคgergruppe, kann also durchaus als Zeichen der Hoffnung gewertet werden. Insbesondere wenn eine effiziente Vernetzung mit anderen friedlichen Widerstandsgruppen gelingt.
Von kindischen Politfantasien รผber weiรe Ritter im Stile eines Q-Anon sollte man sich, falls vorhanden, jedoch schleunigst verabschieden. Denn auch das System wird durch die aktuellen Absetzbewegungen nicht gรคnzlich unvorbereitet getroffen.
Die politische Polizei wurde in Deutschland durch die Antifa bereits vor Jahrzehnten privatisiert. Ebenfalls schon vor รผber zehn Jahren warnte der hochdotierte Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider, dass EU-Polizeibehรถrden in den verschiedenen Lรคndern zur Aufstandsbekรคmpfung eingesetzt werden kรถnnten.
Seinen Ausfรผhrungen zufolge kann dabei dank geschickt ausformulierter Hintertรผren im Vertrag von Lissabon je nach juristischer Auslegung ausdrรผcklich die Todesstrafe verhรคngt werden. Dienstinterne Aufsichtsbehรถrden dรผrften in einem solchen organisatorischem Konglomerat kaum mehr vorhanden sein.
Und wie sollte der Bรผrger sich auch an einen Beamten wenden, der mรถglicherweise nicht mal die gleiche Sprache spricht?
Eine politisch eindeutige Entwicklungslinie lรคsst sich trotz teils recht klarer Tendenzen nicht identifizieren. Unterm Strich kann man folgende Zusammenfassung zurรผckbehalten. Viele europรคische Gesellschaften stehen vor einem Richtungsentscheid, dessen Ausgang die nรคchsten Jahrzehnte extrem positiv bis zum Untergang der genannten Gesellschaften in ihrer derzeitigen Form prรคgen kann.
Der Umstand, dass sich auch innerhalb der Sicherheitskrรคfte starke Differenzen bilden, sollte Mut geben, weiterzumachen. Es ist noch nicht aller Tage Abend.

