In unserer 21. Ausgabe der KRAUTZONE habe ich mich an einer Typologie des Gutmenschen versucht. Wir alle kennen Gutmenschen, wir alle haben uns mit diesen verbissenen Zwergriesen schon an den heimischen Kaffeetischen oder in Seminarrรคumen gestritten.
Im Zuge dieser Auseinandersetzungen gingen Porzellan und Freundschaften zu Bruch, Begriffe wie โscheiร Naziโ oder โdumme Fotzeโ fielen und schlieรlich endete alles, ob Familienfeier oder Uniseminar, in eisigem Schweigen.
Eis. Frost. Kรคlte. 2 Grad. Weltklima. Der oberste Sowjet der EUDSSR hat jetzt so eine Art 34-Jahres-Plan fรผr das Klima beschlossen. Der ganze Spรถkes firmiert unter den Titel โfit fรผr 55โ. Wer jetzt an Schwimmnudeln und Gehirnjogging denkt wird ein bรถses Erwachen erleben, denn konkret wurde nun genau die Agenda beschlossen, auf die unsereins schon seit Jahren hin weichgeklopft wurde.
Die Enteignung und Entmรผndigung des Bรผrgers, die exorbitante Verteuerung der Energieversorgung bei gleichzeitiger Versorgungsunsicherheit, Deindustrialisierung und damit einhergehend die Zerstรถrung von Arbeitsplรคtzen und Wissen, die wachsende Abhรคngigkeit von fremden Rohstoff- und Schlรผsseltechnologielieferanten, und so weiter, und so fort.
Wahrscheinlich werden jetzt die meisten Leser genervt die Augen verdrehen – und das zu Recht: Kein Thema, abgesehen vom trockenen Husten aus dem fernen China, wird mit einer derartigen Impertinenz in das รถffentliche Bewusstsein gerรผckt, wie der Krieg gegen das Wetter.
Sรถren und Nele haben schon genervt, aber wenn dann Untertan Uwe รผber die โenormeโ (lรคcherlich kurze) Reichweite und โeigentlich kurzeโ (lรคcherlich lange) Ladezeit seiner elektrischen Sondermรผllhalde referriert, dann krieg ich echt Puls. Das wird auch nicht besser, wenn die Kaufempfehlung mit einem โman spart halt durch die Fรถrderungโ schlieรt. PULS!
Wir retten jetzt also alle das Klima, dafรผr mรผssen wir eben nur Geld ausgeben um unnรถtigen Scheiรdreck zu kaufen – hach, was ein netter Zufall! Aber bevor ich meinen Taschenrechner in die Sonne halte, um mir die Subventionen auszurechnen, wollte ich mir mal einen รberblick รผber den โKlimawandelโ verschaffenโฆ
Liebes Wikipedia, was ist eigentlich Globale Erwรคrmung?
โDie gegenwรคrtige globale Erwรคrmung oder Erderwรคrmung (umgangssprachlich auch โder Klimawandelโ) ist der Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphรคre und der Meere seit Beginn der Industrialisierung. Es handelt sich um einen anthropogenen (= menschengemachten) Klimawandel, da er hauptsรคchlich auf Aktivitรคten der Energie-, Land- und Forstwirtschaft, Industrie, im Verkehrs- und Gebรคudesektor zurรผckzufรผhren ist, die Treibhausgase emittieren.โ
Machen wir uns mal kurz eines bewusst: Nicht nur Nele und Sรถren, sondern so gut wie jeder Mensch, der sich mit einer komplexen Thematik wie der des โKlimawandelsโ vertraut machen will, besucht die Weltenzyklopรคdie. Er wird die obige Einleitung lesen. Er wird die darin enthaltenen Behauptungen verinnerlichen:
1.) Es gibt so etwas wie ein โGlobales Klimaโ. Um auf Nummer sicher zu gehen, reden wir direkt von der globalen Erwรคrmung. Diese globale Erwรคrmung ist die Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphรคre und der Meere.
2.) Die globale Erwรคrmung bezeichnet den besagten Temperaturanstieg seit Beginn der Industrialisierung. Davor war alles super. Jetzt wird es plรถtzlich wรคrmer.
3.) Der Klimawandel ist menschengemacht (genau wie der Kult darum) und das bedeutet, dass der menschliche Ausstoร von Treibhausgasen hauptsรคchlich dafรผr verantwortlich ist. Basta.
Gut, vielleicht geht es Ihnen auch so, aber ich habe ein paar Fragen. Wie misst man zum Beispiel so etwas wie ein โglobales Klimaโ?
โIm Gegensatz zum Wetter, das kurzfristig-aktuelle Zustรคnde der Atmosphรคre beschreibt, werden hinsichtlich des Klimas Mittelwerte รผber lange Zeitrรคume erhoben. รblicherweise werden dabei Normalperioden von jeweils 30 Jahren betrachtet.โ
Wetter = kurzfristig, Klima = langfristig. Macht erstmal Sinn. Aber seit wann wird denn Wetter gemessen?
โ2020 und 2016 waren mit minimalen Temperaturunterschieden die beiden wรคrmsten Jahre seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1880.โ
Die systematische Messung, die keinesfalls eine weltweite Erfassung der Wetterdaten war, begann also erst im Jahre 1880. Der erste Wettersatellit wurde 1959 ins All geschossen. Das war vor gerade einmal 62 Jahren. Komisch, war nicht in der Einleitung des Artikels bereits die Rede vom โAnstieg der Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierungโ?
In Groรbritannien setzte die Industrialisierung bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts ein. In Westeuropa und Nordamerika nahm sie in der ersten Hรคlfte des 19. Jahrhunderts an Fahrt auf und erreichte in der zweiten Hรคlfte des 19. Jahrhunderts ihren vorlรคufigen Hรถhepunkt.
Wie kann also von Durchschnittstemperaturen die Rede sein, wenn die Wettermessung erst 1880 einsetzt und selbst dann nur unvollstรคndig? Und gemรคร dem Fall, die globale Durchschnittstemperatur hรคtte sich seit den 1880ern erhรถht – wo ist das Problem? Darf sie das etwa nicht? Gibt es einen festgelegten Temperaturdurchschnitt, der das รquivalent zur โMitte der Gesellschaftโ darstellt? Ist Hitze rechts? War die Eiszeit links?
Wenn der Mensch erst seit Beginn der Industrialisierung das Klima beeinflusst, wer oder was tat das davor? Und warum spielt dieser Faktor innerhalb der letzten 150 Jahre plรถtzlich keine Rolle mehr? Fragen!
Und das, lieber Leser, bringt mich dann zum eigentlichen Sahnehรคubchen des besagten Wikipedia-Artikels, nรคmlich zu dem Abschnitt mit dem klingenden Titel Der wissenschaftliche Konsens zum Klimawandel
โHeute herrscht unter Fachwissenschaftlern ein Konsens bezรผglich der menschengemachten globalen Erwรคrmung, der seit spรคtestens Anfang der 1990er Jahre besteht. Andere Quellen datieren die Schaffung des wissenschaftlichen Konsens bereits in die 1980er Jahre.โ
Die โSchaffung des wissenschaftlichen Konsensโ, das klingt sehr รผberzeugt, aber wenig รผberzeugend. Deshalb arbeitet Wikipedia mit solch innovativen Grafiken wie dieser hier:

Bildquelle: Sagredo, CC BY-SA 3.0, Wikicommons
Fรผr Idioten: Wir sehen 97 weiรe Mรคnnchen, zwei schwarze und einen grauen. Was will man uns also damit sagen? Kommentar unter dem Bild: โ97 % aller Klimatologen stรผtzen den wissenschaftlichen Konsens im Hinblick auf den menschengemachten Klimawandelโ.
2013 untersuchten Klimaaktivisten fast 12.000 Verรถffentlichungen zum Thema โglobal climate changeโ und โglobal warmingโ. Zwei Drittel der Studien landeten unter dem Tisch, weil dort keine klar erkennbare politische Meinung vertreten wurde. In den restlichen 4.000 Verรถffentlichungen sprachen sich 97% der Autoren fรผr die Existenz des Klimawandels aus:
โWe analyze the evolution of the scientific consensus on anthropogenic global warming (AGW) in the peer-reviewedscientific literature, [โฆ]. We find that 66.4% of abstracts expressed no position on AGW, 32.6% endorsed AGW, 0.7% rejected AGW and 0.3% were uncertain about the cause of global warming.โ
โ97% der Klimatologenโ. Alles klar!
Was lernen wir daraus? Sรถren und Nele kommen bei ihrer Anlesung von Stichworten niemals รผber den besagten Wikipedia-Artikel hinaus. Ein Hinweis darauf, dass die widersprechenden drei Prozent der Klimatologen schwarz sind, dรผrfte zukรผnftigen Diskussionen eine interessante Wendung geben.

