Vergangenes Jahr schrieb ich an dieser Stelle รผber die neuen Machtverhรคltnisse innerhalb der SPRINGER-Medien. Ende 2020 kรผndigte der Groรinvestor โKKRโ, der mittlerweile die relative Mehrheit der BILD-Zeitung besitzt, auch ein kontrolliertes Aufkaufen des Streubesitzes an.
Demnach kรถnnte โKKRโ mittlerweile bereits die absolute Mehrheit von รผber 50 Prozent besitzen oder wird diese im Lauf des Jahres erreichen. Die eigentlichen Springer-Erben, Elfriede Springer und ihr Vertrauter Matthias Dรถpfner, werden bald nur noch 44 Prozent des Medien-Imperiums halten.
Erste Einschnitte wurden kรผrzlich bekannt: Unter der รgide von โKKRโ wurde die komplette Osteuropa-Sparte des Verlages eingestampft. Die Sรผddeutsche Zeitung berichtet: โSpringer trennt sich von fast allen journalistischen Aktivitรคten in Osteuropa. Der langjรคhrige Partner der Berliner, das Schweizer Medienunternehmen Ringier, รผbernimmt sรคmtliche Anteile von Axel Springer in Ungarn, Serbien, der Slowakei und in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.โ
Und in dieser Grรถรenordnung, zumindest ist davon auszugehen, werden auch weitere Schritte folgen. Dass KKR gewinnorientiert arbeiten und keine halben Sachen machen wird, davon waren auch Dรถpfner und Merkel-Busenfreundin Elfriede Springer ausgegangen. Allerdings, so hat man das Gefรผhl, kรถnnten die beiden Deutschen die Restaurationsversuche unterschรคtzt haben.
Vergangenes Jahr fragte ich auch, warum die BILD-Zeitung nur eine hauchzarte Anti-Corona-Linie fuhr (Damals war der erste kritische Artikel von Julian Reichelt erschienen): โErstens, will man nicht die komplette Leserschaft verprellen, schlieรlich ist man noch immer profitorientiert. Zweitens ist der Springer-Verlag selbst ein riesiges Unternehmen mit festen Strukturen, die man nicht รผber Nacht einfach umschmeiรt.โ
Aktuell ist die Corona-Kritik der BILD-Zeitung kaum mehr zu รผberbieten und im Stundentakt wird Anti-Regierungspropaganda gefahren, oder โ anders gesprochen โ wir haben mal wieder eine Zeitung, die ihren eigentlichen Sinn erfรผllt: Regierungskritik.
Ob KKR jetzt den Ton angibt und Friede Springer kuschen muss? Wir wissen es nicht. Auch ist es mรถglich, dass Dรถpfner und Springer, gemeinsam mit KKR, ihre Medien, allen voran die BILD-Zeitung, auf die Zeit nach Merkel vorbereiten und darauf spekulieren, dass die Corona-Kritik stรคrker werden wird.
Vielleicht soll die BILD-Zeitung auch einfach nur wieder aus der roten Zone herauskommen, was im Einheitsbrei der BRD-Medien nun Mal am besten geht, wenn man sich irgendwie unterscheidet. Die aktuellen Verkaufszahlen scheinen sich tatsรคchlich gefangen zu haben: Die Auflage im 2. Quartal 2021 verzeichnete keine Verluste mehr und stagnierte bei 1,24 Millionen Zeitungen.
Oder aber Mr. Kravis, Kohlberg und Roberts fahren mรถglicherweise doch eine eigene Agenda. Allen voran Henry Kravis, der fast unbekannte Multimilliardรคr, der mit KKR ganze Geschรคftszweige stรผtzt oder stรผrzt. Kravis, das ist zumindest bekannt, steht den Republikanern und Donald Trump persรถnlich recht nahe.
Egal welche Grรผnde fรผr den Anti-Corona-Schwenk der BILD-Zeitung ausschlaggebend sind: Alle oppositionell eingestellten Deutschen sollten die Sache mit Vorsicht genieรen. Natรผrlich ist es gut, richtig und wichtig, dass das grรถรte Blatt der Bundesrepublik sich gegen den wahnwitzigen Corona-Kurs der Regierung stellt.
Doch darf man nicht vergessen, dass die BILD ein Mainstream-Blatt ist und bleibt, und โ aus welchen Grรผnden auch immer โ seine Meinung genauso schnell wieder รคndern wird. Und was noch wichtiger ist: Bei anderen politischen Themen mutmaรlich auch wieder eine Pro-Globalisierungs-Pro-Regierungs-Meinung annehmen wird. Was auch immer als Nรคchstes heraufziehen wird.
Ich selbst โ und das ist meine persรถnliche Meinung โ wรผrde mir auch etwas mehr Elefantengedรคchtnis der Leser und Konsumenten wรผnschen. Oder zumindest nicht das Gedรคchtnis einer politischen Eintagsfliege. Denn das Versagen, das perverse politische Framing und die Regierungspropaganda der BILD-Zeitung (und all der anderen Mainstreammedien) in den letzten Jahrzehnten waren genau der Grund dafรผr, warum alternative Medien entstanden sind.
Natรผrlich holt die โneue BILDโ viel mehr Leute ab als KENFM, Compact, die Junge Freiheit, all die anderen erstklassigen Medien und natรผrlich das Flaggschiff รผberhaupt, die KRAUTZONE. Allerdings kann ich nicht leugnen, dass es schmerzt, wenn man an allen Ecken und Enden auf die BILD-Zeitung hingewiesen wird, die sich โja voll was trautโ und โrichtige Oppositionsarbeitโ macht, nur weil die Bild einen kleinen Korrekturschwenk hingelegt hat.
Gleichzeitig erkennt man daran, die kaputt unser Land tatsรคchlich ist, dass Millionen von Leuten sich darรผber wundern, dass โsowas krasses von der BILD kommtโ.
Wer wirkliche Oppositionsarbeit sehen will, sollte lieber bei den echten Alternativen bleiben. Denn eines kann ich sicher sagen: Mir ist noch kein Medium bekannt, dass nach Jahren der Aufklรคrung einfach umfรคllt und sich der Mitte anbiedert, um mehr Kohle zu scheffeln oder den politischen Druck auszuhalten. Denn auch wenn die meisten alternativen Medien gewinnorientiert arbeiten, hat man doch genug Idealismus im Boot, um sich dem BRD-Konsens niemals anzudienen.
Ich fรผr meinen Teil habe ein politisches Langzeitgedรคchtnis. Das reicht nรคmlich bis 2009 zurรผck, als ich als begeisterter, politisch interessierter Jungwรคhler, die FDP gewรคhlt hatte, um in den folgenden โkonservativ-liberalenโ Jahre nach Strich und Faden verarscht wurde. Um so weniger verstehe ich viele Leute, die 2009-2013 bewusst miterlebt haben und jetzt allen Ernstes darรผber nachdenken, wieder FDP zu wรคhlen.
Und genau so wenig verstehe ich Leute, die sich jetzt hinter den Heilsbringer BILD stellen. Eine Zeitung, die sich zwar verรคndert hat, aber noch immer auf einer gigantischen โ aus meiner Sicht unbezahlbaren โ Hypothek sitzt. Anders gesprochen: Eine Zeitung, die sowas hier verbrochen hat, ist fรผr mich โunlesbarโ.
