Alle Jahre wieder veranstaltet die Europäische Rundfunkunion (EBU) den Eurovision Song Contest. Dieses Jahr feierte der Wettbewerb sein 70. Jubiläum. Nachdem Österreich 2025 mit dem Lied „Wasted Love“ des Sängers JJ den ESC gewonnen hatte, war die Alpenrepublik diesmal Gastgeberland. Das große Finale fand mitsamt den Auftritten der letzten 25 Teilnehmerstaaten am vergangenen Wochenende in Wien statt.
Und so wie in den letzten Jahren auch stand Deutschland als einer der „Big Five“, also als eines der fünf größten ESC-Sponsorenländer neben Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien, automatisch im Finale der Show. Doch wie schon in den Jahren zuvor konnte die deutsche Performance mal wieder nicht überzeugen. Mit gerade einmal zwölf Punkten von der Jury und ohne auch nur einen einzigen Punkt der Fernsehzuschauer in den Teilnehmerstaaten erhalten zu haben, erreichte Deutschland gerade einmal Rang 23 von 25.
Das alles, obwohl die Bundesrepublik dieses Jahr ausnahmsweise mal keine queeren Künstler mit Regenbogenfahnen auf die Bühne gestellt hatte.
Auch Amateursänger wie Jendrik, die schon 2021 mit Liedern wie „I Don’t Feel Hate“ den fragwürdigen Geisteszustand dieses Landes bestens widergespiegelt hatten, blieben dieses Mal zu Hause.
Nein, im Jahr 2026 entschied sich die deutsche Jury bei der Vorauswahl der Künstler doch tatsächlich für die eigentlich „sichere“ Nummer und schickte die ehemalige „DSDS“-Kandidatin Sarah Engels ins Rennen. Eine Künstlerin, die doch zumindest einmal singen kann und eine gewisse Bühnenpräsenz beherrscht. In Wien posierte sie sogar mit den eigenen Landesfarben in Schwarz, Rot und Gold.
Dieser für deutsche Verhältnisse fast ausufernde Patriotismus wurde unkommentiert hingenommen. Dennoch fanden die deutschen Social Justice Warrior in den Sozialen Medien und in der Presse einen anderen Grund zur Empörung über die deutsche Kandidatin. Sarah Engels hatte es doch wirklich gewagt, sich während einiger Interviews als „Antifeministin“ zu erkennen zu geben. Auf die Frage hin, ob sie feministisch sei, antwortete die 33-Jährige wie folgt: „Feministisch würde ich jetzt nicht sagen, weil ich habe einen ganz, ganz tollen Mann, und ich mag auch Männer.“ Wie furchtbar aber auch, dass Engels Feminismus mit Männerhass gleichsetzte und damit aussprach, was viele Menschen zu Recht denken und wahrnehmen.
In Wien legte Sarah Engels eine solide Bühnenperformance hin. Vor Ort wurde ihr Auftritt vom Publikum beklatscht und gefeiert. Doch trotzdem blieb der erhoffte Erfolg aus. Platz 23 von 25 zu werden, bedeutet mehr als nur „mit leeren Händen“ auszugehen. Es ist eine astreine Demütigung für den Künstler.
Die Frustration in Deutschland ist aktuell zu Recht groß. 620.000 Euro kostete allein die Teilnehmergebühr für Sarah Engels, von den Kosten für ihre Bühnenshow ganz zu schweigen. Nach der erneuten ESC-Pleite fordert das deutsche Publikum, die Finanzierung einzustellen und zukünftig nicht mehr anzutreten.
Einige warfen den anderen Teilnehmerstaaten sogar vor, Deutschland bewusst abzustrafen. Doch dass es beim Eurovision Song Contest schon lange nicht mehr um musikalisches Talent geht, liegt auf der Hand. Während die 27-jährige Dara aus Bulgarien sich mit ihrem Lied „Bangaranga“ den ersten ESC-Titel für ihre Heimat sicherte, boykottierten gleich fünf Staaten den diesjährigen Wettbewerb. Neben Irland, Island, Slowenien und den Niederlanden sah auch der einstige Hauptsponsor Spanien in diesem Jahr von einer Teilnahme ab. Grund dafür war, dass Israel als Mitglied der Rundfunkunion trotz des Krieges im Gazastreifen antreten durfte. Die Reaktion des couragierten Publikums folgte prompt: Noam Bettan aus Israel erreichte vor allem aufgrund der Publikumsvotes Platz 2 des ESC. In Deutschland lag Bettan mit zwölf Punkten als Zuschauerliebling auf dem obersten Rang.
Während die einen im Zuge des Wettbewerbs für Israel stimmten, strahlten die großen Fernsehsender in Island, Irland, Slowenien, Spanien und den Niederlanden zum gleichen Zeitpunkt Dokumentationen über Palästina aus. Das ist Virtue signalling in seiner Reinform. So wurde der Nahostkonflikt auch auf dem ESC weitergeführt. Irgendwo dazwischen polarisierte die kroatische Frauengruppe „Lelek“, als sie davon sang, dass ihre Mütter keine Sklavinnen geboren haben – ein klares Zeichen gegen den Islam.
Wenigstens gibt es noch Staaten, die für sich selbst einstehen, statt fremde Konflikte auszutragen.

