In der vergangenen Woche entfachte sich in den sozialen Medien eine große, tiefgreifende Debatte über Leihmutterschaft, nachdem der CDU-Bundestagsabgeordnete und Corona-Vorzeige-Virologe Hendrik Streeck die Geburt seines ersten Sohnes bekannt gegeben hatte. Mit 48 Jahren zum ersten Mal Papa werden, das klingt eigentlich gar nicht so ungewöhnlich, wäre da nicht das kleine, aber bedeutsame Detail, dass Streeck offen homosexuell lebt und mit einem Mann verheiratet ist.
Dass Männer naturgemäß alleine keine Kinder kriegen können, liegt auf der Hand. Wie also kommen zwei Herren an ein Neugeborenes? Genau, indem sie einen Batzen Geld zusammenkratzen, um eine Leihmutter mit der Austragung ihres Kindes zu beauftragen.
Da diese Methode der vermeintlichen „Familiengründung“ in Deutschland bis dato verboten ist, bestellten Streeck und sein Ehegatte ihren Sohn eben im Ausland. So flogen die beiden kürzlich nach Idaho, um dort ihre Ware in Form eines Säuglings fristgerecht nach über neun Monaten Brutzeit entgegenzunehmen.
Was die „Bild“ euphorisch als „Baby-Glück“ betitelte, ist de facto nichts anderes als Menschenhandel. Eine fremde Frau wird mit der Austragung eines Neugeborenen beauftragt, künstlich befruchtet und übernimmt daraufhin alle seelischen und physischen Belastungen und Konsequenzen einer Schwangerschaft. Über neun Monate gedeiht ein Kind in ihrem Bauch, nur damit sie unmittelbar nach der Geburt im Hormonrausch von ihrem Baby getrennt wird.
Auch wenn die Leihmutter und ihr Neugeborenes „biologisch“ oftmals nicht miteinander verwandt sind, da zur Befruchtung meist sowohl fremde Samen als auch fremde Eizellen genutzt werden, sind sie dennoch fest miteinander verbunden. Das Kind hört von Anfang an den Herzschlag und die Stimme seiner Mutter, macht sich mit ihrem Geruch vertraut, übernimmt Teile ihres Nervensystems, wie zum Beispiel ihren Stress- oder Entspannungszustand sowie ihr Magen-Darm-Mikrobiom.
Leihmutterschaft ist zu Recht in einigen Ländern der Welt verboten, weil sie das Kinderkriegen kommerzialisiert, so als wären Kinder Produkte, die man nach Belieben kaufen und verscherbeln könnte. Zeitgleich degradiert es Frauen zu tatsächlichen Gebärmaschinen.
Obwohl Leihmutterschaft sowohl moralisch als auch ethisch mehr als fragwürdig erscheint, gibt es dennoch immer mehr wohlhabende Prominente, die sich dieser Fortpflanzungsmethode bedienen und den Kinderkauf damit salonfähig machen. Warum auch sollte man seinen Körper „ruinieren“, mit einer Schwangerschaft den eigenen Hormonhaushalt ins Chaos stürzen oder gar aufgrund seiner Sexualität auf Kinder verzichten, wenn man diese doch ganz einfach über Dritte erwerben kann?
Egal ob Pop-Ikonen wie Paris Hilton, Nick Jonas oder Meghan Trainor, Schauspieler wie Lily Collins, Neil Patrick Harris oder Rebel Wilson, deutsche Drag- und Queeraktivisten wie „Candy Crash“ oder Tobi Koppenhöfer oder eben Politiker wie Hendrik Streeck – sie alle haben sich Kinder gekauft, und wir sollen das als normal empfinden.
Gerade der Fall Streeck setzt dem Ganzen noch eine Schippe drauf, zumal er als Politiker eigentlich dazu angehalten wäre, sich an die Gesetzeslage hierzulande zu halten. Stattdessen umgeht er diese bewusst mit einem Babykauf im Ausland. Während die etablierten deutschen Medien sein „Baby-Glück“ feiern, lassen sie den tatsächlichen Ursprung seines Kindes gekonnt aus. Fast so, als wolle man Menschenhandel auch in Deutschland etablieren.

