Anstatt eine rechte Zusammenarbeit Europas voranzutreiben, streben südliche EU-Staaten lieber die Schuldenunion an. Insbesondere vor einem Schulterschluss Le Pen / Meloni sollte Deutschland diesbezüglich auf der Hut sein. Mit einem womöglichen Schutz durch französische Atomwaffen beim „trumpelmütigen“ Wegfall der US-amerikanischen wartet bereits der nächste potenzielle Hebel in der Druck ausübenden welschen Hinterhand, welche die eigene Kontrolle über diese Streitkräfte letztlich niemals abgeben wird.Â
Der teutonische Zahlemichel wird trotzdem schon brav blechen. Dem von allen von Paris bis Athen fleißig gepflegten Schuldkult sei Dank. Aktuelles Beispiel sind die antideutschen Störmanöver Tschechiens gegen den Sudetendeutschen Tag in Brünn. Dabei werden die Tschechen von vielen deutschen Rechten neidvoll als based abgefeiert – ja, sie sind basiert: basiert contra Deutschland.
Im EU-Parlament wollen Bardella, Le Pen und Konsorten ohnehin nicht viel mit der AfD zu tun haben und schlossen sie 2024 aus der damaligen Fraktion Identität und Demokratie (ID) aus. Auch in der folgenden neuen Fraktion der Patrioten für Europa hat die AfD keinen Platz. Darüber hinaus betrachtet das postkoloniale und seit Jahrzehnten de facto pleitegehende Frankreich viele seiner Überseegebiete am anderen Ende der Welt allen Ernstes als französisches Staatsgebiet, EU-Bürgerschaft oftmals inklusive. Auch die mit antideutschen Tönen kokettierende Le Pen ist und bleibt hier stur. Remigration als gesamteuropäisches Projekt? Fraglich!Â
Emanzipation von den USA? Ebenso unwahrscheinlich! Selbst die AfD und ihr Vorfeld sind sich nicht einig, wie sie mit dem Trumpismus, der MAGA-Bewegung und dem präsidialen Wortbruch beim (Wahlkampf‑) Thema Interventionsabsage umgehen sollen. Auch die deutsche Rechte ist leider zu erheblichen Teilen immer noch in der bipolaren Bekenntniszwang-Falle „Washington oder Moskau?“ zwischen Ami-Amore und Russen-Romantik gefangen. Selbst dort, wo die Wahl selbstbewusst abweichend auf drittens Berlin gefallen ist, fehlen klare eigene Forderungen und handfeste Umsetzungspläne inmitten all des Streits über Wehrpflicht, Aufrüstung, Ukraine, Russland, NATO und EU. Wenn Germania wenigstens beide Seiten geschickt und gezielt be- und ausspielen würde, um das jeweils Beste für sich herauszuschlagen, wäre viel gewonnen, doch davon ist sie in Gestalt von BRDistan, einem Rheinbund 2.0, weit entfernt.
Zudem toppen ausgerechnet die Vorzeigepatrioten in Osteuropa die bundesrepublikanische Anbiederung an Big Brother in Übersee und den gleichzeitigen Konfrontationskurs mit Russland. Nur hin und wieder schießen beim zweiten Punkt einige Störenfriede quer. Der eigentlich begrüßenswerte Impuls der Visegrád-Gruppe innerhalb der EU ist unter anderem deshalb gescheitert. Für den angesetzten Spagat zwischen Washington und Moskau war auch Orbán zu ungelenkig und schwach. Gegen Brüssel rebellieren: gern. Gegen Washington: lieber nicht. Das bisschen lächerliches, weil impotentes Trump-Bashing überlässt man Westeuropa.Â
Jedoch fehlt es deutschen Rechten oft an ausformulierten Ausweichoptionen. Wo bleiben die konkreten Alternativpläne? Denn sich anstatt in Washington dann in Moskau zu bücken, kann keine ernste Alternative sein. Friedenstauben, ob einst grün oder heute oftmals blau, haben den Kreml noch nie beeindruckt, sondern nur knallharte Machtpolitik. Das heißt freilich nicht, dass Deutschland der Ukraine kadavergehorsam blind bis zur letzten Patrone folgen sollte, einem korrupten, ethnisch zerrissenen Land, mit dem sich Deutschland keine gemeinsame Grenze, Konfession, Ethnie oder EU- und NATO-Mitgliedschaft teilt – und das mutmaßlich beim größten Angriff auf Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg involviert war.
Ob der Abnutzungskrieg weitergeht oder ob in Kiew die ukrainische oder russische Fahne weht, sollte einzig und alleine danach beurteilt werden, was Deutschland am meisten Vorteile bringt. Momentan gehört Deutschland allerdings zu den großen Verlierern des Krieges, insbesondere finanziell und wirtschaftlich. Und das nicht primär weil Russland die Ukraine zweifelsfrei brutal überfallen hat, sondern weil die Bundesrepublik meinte, darauf mit drastischen Sanktionspaketen reagieren zu müssen, die sich einzig und allein an wohlfeilen moralischen Normen orientieren anstatt an den vitalen nationalen Interessen. Das Mantra, die Ukraine müsse auch zum Vorteil Deutschlands unbedingt gewinnen, sabotiert nicht nur jegliches diplomatisches Beendigungs- und Ausstiegsszenario aus der ostukrainischen Blutmühle, sondern entbehrt bis auf ausgelutschte prowestliche Moralkeule-Phrasen bisher jeglicher belastbaren argumentativen Grundlage. Es hört sich hart an, aber Deutschland könnte sehr wohl den im Energiesektor essenziellen Handel mit Russland weiter betreiben, während gleichzeitig in der Ukraine gekämpft wird.
Zumal indirekte Hilfsleistungen der Bundesrepublik wie das Bürgergeld nicht nur die deutsche Gesellschaft und Haushaltsstabilität belasten, sondern auch noch kontraproduktiv sind und eher dem russischen Angriffskrieg nutzen, da die Sozialleistungen wehrfähige Ukrainer nach Deutschland locken – und halten. Über 350.000 ukrainische Männer im wehrfähigen Alter halten sich in der BRD auf. Das sind über ein Dutzend Divisionen, die an der ohnehin ausgedünnten Front fehlen. Deutschland schickt also einerseits Waffen, für deren Bedienung das Personal knapp ist, weil Deutschland es andererseits weglockt. Das Durchschnittsalter des ukrainischen Soldaten liegt bei über 40, Tendenz in manchen Einheiten steigend. Und all diese Ausbremsung, obwohl die Ukraine angeblich die Freiheit Europas verteidigt und es vermeintlich fünf vor zwölf ist?
Für Deutschland als Regionalmacht geht es in historischer Tradition vielmehr darum, selbstbewusst und selbstbestimmend in seinem angestammten Interessengebiet Mittel- und Osteuropa Ost und West geschickt auszuloten und seinen Raum an der „Verschmelzungslinie“ zu gestalten, so wie es Deutschland maximal dienlich ist.
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