Deutschland muss sich selbst retten, Teil 1

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Der Chef des französischen Rassemblement National, Jordan Bardella, hat sich in der „FAZ“ deutlich von der AfD distanziert. „Viele ihrer Positionen sind mit unseren Grundsätzen unvereinbar“, betonte der rechte Politiker. Die „extreme Rhetorik in historischen Fragen“ oder die Forderungen nach einem EU-Austritt seien nicht die Position des RN, sodass die AfD „auf europäischer Ebene kein Bündnispartner“ sei. „Wir wollen alles verändern, ohne etwas zu zerstören.“ Die Äußerungen sollten keine verunsicherte Verwunderung auslösen, sondern ein sich straffender Weckruf sein, denn viel zu oft versteigen sich deutsche Rechte in eine Fraternisierung mit vermuteten ausländischen Gleichgesinnten, die sich letztlich als Fata Morgana herausstellt.

Donald Trump soll vorexerzieren, wie man die eigene Nation wieder „great“ macht – und strauchelt momentan permanent, sodass der woke Rollback drastischer ausfallen könnte als nach seiner ersten Amtszeit. Amerikanische oder vielleicht britische und französische Atomwaffen sollen die Bundesrepublik abschirmen und sichern. Die Ukraine soll die russische Bedrohung für Europa aufhalten – und wird zum Fass ohne Boden mit einem dauerschwelenden Brandherd am Rand der EU. 

Israel soll entschlossen die „Drecksarbeit“ übernehmen und den islamistischen Terror ausmerzen – und zieht die gesamte Weltwirtschaft mit ins undurchdachte Iran-Abenteuer, neue Migrationsfluten und Konfliktimporte aus Nahost nach Europa anbei. Die Polen sollen die Grenze nach Osten dichtmachen, Migranten stoppen und vorführen, dass ein Aussetzen des Asylrechts eine Option ist – während die berühmt-berüchtigte „legale“ Migration unter der Regierung Tusk zunehmend sichtbar floriert. Ungarn sollte nicht vor der EU einknicken – und ist es jetzt irgendwie doch.

Schweden und Dänemark sollen zeigen, wie Asylwende, Ausreisedruck und Abschiebung gehen. Meloni soll Italiens Häfen für illegale Einwanderer schließen und vormachen, dass sich Rechte sehr wohl in der diplomatischen Gemengelage seriös und professionalisiert etablieren können – sprich sich anpassen. Und Le Pen, Bardella und Co. sollen beweisen, dass man ein Land von rechts zurückerobern kann – irgendwann, vielleicht. Nebenbei könnte Ruanda oder irgendein anderes afrikanisches Land doch Ausgewiesene aufnehmen. Blöd nur, dass Großbritannien ein entsprechendes Abkommen abgeblasen hat und daraufhin nun von Ruanda wegen Nicht-Einhaltung verklagt wird – grotesk. Besonders verquer wird es, wenn andererseits manch einer glaubt, Putin solle die Deutschen und das christliche weiße Europa befreien – Putin aber erst mal Vielvölkereinheiten voller Asiaten, Afrikaner und Moslems nach Europa schickt.

Es sind skurriler- und bemerkenswerterweise Konservative und Rechte, die – sonst eigentlich auf nationale Eigenverantwortung pochend – da hoffnungsvoll auf andere in die Ferne schauen, mögen diese endlich dem abdriftenden Deutschland helfen. Doch es wird kein starker edler Fremder kommen. Deshalb Schluss mit dem Ersatznationalismus. Deutschland und die Deutschen müssen sich selbst retten!

Bei seinem sehnsüchtigen Blick ins Ausland läuft das rechtskonservative Lager leider Gefahr, auf die gleichen europäischen Verheißungen wie die Linken hereinzufallen. „EU-Deals“ und eine „europäische Lösung“, die woke Bundes- und Besserbürger beispielsweise bei der Flüchtlingskrise beratungsresistent und realitätsfern immer wieder beschworen haben, drohen auch bei rechten Forderungen und Vorschlägen einer hesperialistischen oder jungeuropäischen Einigung/Kooperation/Union – ja, was jetzt eigentlich genau? – von rechts zum Phantasma zu werden. Egal, wie sympathisch oder logisch diese Ideen wirken, es besteht im europäischen Ausland schlicht keine mehrheitsfähige Unterstützung für sie (wie genau wollen diese Zirkel das ändern?).

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Denn Deutschland zu stärken, einem selbstbewussten Deutschland in der Mitte des Kontinents auf die Beine zu helfen, liegt einfach nicht im Streben vieler unserer Nachbarn und vermeintlichen Partner, unabhängig davon, ob sie liberal, links, konservativ oder rechts regiert werden. Letztere setzen sogar naturgemäß und verständlicherweise selbst verstärkt auf die jeweils eigenen nationalen Interessen, die den deutschen entgegenstehen können. 

Egal ob PiS-Polen, Meloni-Italien, Vox-Spanien oder Le-Pen-Frankreich real sind oder werden, am Ende haben alle eines gemeinsam: Die Deutschen, egal welche Partei sie mehrheitlich gewählt haben, sollen die Sause bezahlen und bloß nicht wieder zu mächtig werden. Auch deshalb wackelt keiner in Süd- und Osteuropa ernsthaft an der EU. Diese ist schließlich die Streckbank, auf der man Deutschland einhegen, kontrollieren und ausnehmen kann.

Auch der frisch abgewählte Viktor Orbán schimpfte viel und gut auf die EU, deren zum größten Teil aus Deutschland stammende Gelder nahm er gern und stolperte letztlich auch über deren jüngstes eingefrorenes Ausbleiben – ein EU-Austritt war eher ausgeschlossen. Wirkliche Souveränität und Unabhängigkeit sehen anders aus. 

Bei Polen unter der letzten nationalkonservativen Regierung Ã„hnliches, unverschämte Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen (wie in Griechenland) und die vehemente Ablehnung von Nord Stream, die offene Freude über deren Sprengung und eine eigene undurchsichtige Rolle bei der Pipeline-Attacke inklusive. Rumänien, Bulgarien und der Westbalkan freuen sich insgeheim über jeden Richtung Deutschland losgewordenen Sozialfall. Vom ins Ausland überwiesenen Kindergeld und in die deutsche Grundsicherung im Alter einwandernde Senioren ganz zu schweigen. 

Das stabile Osteuropa regelt? Na ja, ist nur die Frage, was genau. Über Jahre wurde zu Recht kritisiert, das Welt-Sozialamt Deutschland ziehe Migrantenmassen an. Als dann im Sommer 2024 Abweisungen an der deutschen Grenze stattfinden sollten, protestierte plötzlich nicht nur Polen wütend. Sowieso werden ungebetene Gäste einfach gern weiter durchgewunken gen gelobtes Land Germoney, das es schließlich so wollte – subtile Schadenfreude ON. 

Diese gilt auch beim selbst verschuldeten Abschwung der hiesigen Wirtschaft. Über die Abwrackung der deutschen Autoindustrie und Kernenergie herrscht westlich des Rheins und östlich der Oder keine große Trauer. Was es für ganz Europa bedeutet, wenn das einwohnerstärkste Land in den jungen Alterskohorten in absehbarer Zeit migrantisch und islamisch kippt, aber diese Bevölkerungsgruppen nicht mehr finanziell ruhigstellen kann, scheint niemand zu realisieren.


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