Linksradikale Popmusik

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Herrjemine! Was ist das nur wieder für eine Aufregung um die linksradikale Skandalnudel Danger Dan und seine Ausladung aus der 100. Jubiläumsausgabe des ZDF-Formats „Die Anstalt“, weil sein aktueller Song „Keine Angst“ als „Aufruf zu Gewalt“ verstanden werden könnte, wie der öffentlich-rechtliche Sender „nach intensiver redaktioneller Bewertung“ befürchtete. Trotzdem wird die Ausstrahlung einfach kurzerhand zur „Die AntifAnstalt 100“-Umbenennung.

Neben den Fragen, warum ein Linker in einem Linksstaat Angst haben sollte, warum ein linksradikaler Auftritt in einer sich zunehmend nach links radikalisierenden Rundfunkanstalt überhaupt noch Verwunderung auslöst und warum Rechte Danger Dans pianobegleitete Jazzkeller-Anleitung zum Widerstand nicht einfach selbst adaptieren und Grüße an die Jungs des Connewitz-Festivals 2016 raushauen, schüttelt manch ein Déjà-vu-gelangweilter Beobachter den Kopf angesichts all der vorhersehbaren Empörung. 

Denn der gefährliche Brandstifter-Barbe Daniel Pongratz und seine marketingerprobten Provokationen sind keine Unbekannten im Musik- und Mediengeschäft. „Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein. Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt“, säuselte er bereits 2021 in seinem für Furore sorgenden Lied „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Eine Kalaschnikow in die Höhe gestreckt, singt der sonst zur antideutschen Raptruppe Antilopen Gang gehörende Danger Daniel in dem dazugehörigen Video:

„Wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst, ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt: Militanz.“ 

Seit mehreren Jahren versuchen linksradikale Musiker verschiedene Genres zu kapern. „Liedermacher“ Dans „Indymedia-Pop“ ist dabei lediglich ein weiterer Ansatz. Ansonsten ganz vorne dabei: Hip Hop. Hinter längst bekannten antifa-nahen Kombos wie eben der Antilopen Gang oder K.I.Z. hat sich eine Vielzahl gleichgesinnter Künstler in Stellung gebracht von „Zeckenrap“-Urgestein Spezial-K bis MC Pöbel. 

Ein Presseliebling ist der Hamburger Disarstar, der schon mal von „aufgebohrten Schreckschußwaffen“ und „Richter erschießen“ fabuliert. Das BR-Format „Puls Musik“ bezeichnete ihn zum Dank bereits als „Deutschraps Rudi Dutschke“ und feierte ihn als Beleg für einen „Linksruck im Deutschrap“. „Wir kommen in schwarz, Digga, mit paar Liter Ethanol. Keine Liebe für den Staat, siamo tutti Antifa“, schallt es in „Siamo Tutti“ – Gerrit Falius’ (so Disarstar bürgerlich) wohl erfolgreichstem Hit, vielleicht auch weil so mancher Rechter mit der Ablehnung dieses Staates und anderen Textzeilen gegen Konsum, Kapitalismus und voranschreitende Armut verständlicherweise ebenfalls etwas anfangen kann.

„Meine Fans zeigen Haltung: Mittelfinger gegen rechts“, heißt es im Stück „Meine Fans“ der Rapperin Antifuchs; inklusive Merchandising-Shirts mit der Aufschrift „Kein Sex mit Nazis“ im Video. Wirklich neu ist das nicht. Eine der ersten bekannteren Rapperinnen, Sookee, hat sich unterdessen bereits vor Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen, weil die bekennende queere Feministin an ihre „Grenzen gekommen ist, was ihre eigene Verwertbarkeit angeht“, wie sie damals der FAZ-Interview erzählte. Die Musikindustrie springe lediglich auf Themen wie Feminismus auf und monetarisiere sie, während Hip Hop immer noch sexistisch geprägt sei. Seitdem tourt Sookee als bunte Galionsfigur durch ÖRR-Formate und macht nebenbei als neuer Ego „Sukini“ ausgerechnet Kinderlieder. Die Themen in den Sprechgesängen für die Kleinsten: Lesbische Eltern, Regenbogen-Dragqueen-Glitzer und Veganismus. Ihr zweites Album „Da haben wir den Salat“ möchte „Kinder und die Revolte“ feiern. Da bekommt man Lust die rote Fahne neben der Progress-Pride-Flagge im Kinderzimmer zu hissen.

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Aktuell gilt der woke Angriff auf die Lauscher allerdings wieder den Erwachsenen. „Ist Rap jetzt gay?“, fragte bereits 2025 die Sendung „ZDFunbubble“. Und seitdem erfahren queere, feministische und nonbinäre „Rapper*innen“ zunehmende Medienaufmerksam. Allen voran Ikkimel, Nura, Kenic Goat, Ebow oder Maurice Conrad – und Größen wie Shirin David oder Badmómzjay outen sich als bisexuell. Fun fact am Rande: Der pseudokommunistische Rapmusiker Vizzion, der vor wenigen Jahren noch mit Sowjetfahne vermummt männlich-martialisch von „Klassenhaß“, „Rotfront“ und „Propaganda mit Rap“ gesprochen hat, postete im Mai ein Foto von sich im Frauenkleid und machte „nach 30 Jahren Versteckspiel“ seine Transition öffentlich.

Aber so amüsant anzusehen es ist, wie beispielsweise der kurdische schwule Rapper Baran Kok die Homophobie des orientalisch geprägten Deutschraps mit „Ich will Schwanz, ich will ein Drei-Tage-Bart-Kanake“ triggert und damit linke Erklär-Schweißperlen auf der multikulturellen Stirn provoziert, so kritisch genau sollten Rechte die jugendkulturelle Prägung durch solche Trends betrachten. Warnendes Beispiel: die Technoszene. Einst eine unterschiedliche gesellschaftliche Lager verbindende Subkultur, in der linke wie rechte Alternative, Hools und Skins unterwegs waren, ist das Club-Milieu heute – insbesondere in den Großstädten – vor allem LGBTQIsonstwas, „No AfD“ und „Refugees Welcome“. Hinzu kommt ein linksqueerer Schulterschluss zwischen Rap und elektronischer Musik wie zum Beispiel zwischen Domiziana, Ikkimel, Badmómzjay und Baran Kok, der als Elektro-DJ angefangen hat.

Die Genres Rap, Rock und Punk miteinander verbinden wollen der Hamburger Swiss und seine Band Die Andern. Das Live-Publikum begleitet Stücke und Zeilen wie „Weißer Müll“, „Bullenwagen“, „Schwarze Fahne“, „Pflastersteine in Banken“ und „Mollis in Palästen“ gerne mit „Alerta! Alerta! Antifascista!“ Allerdings ist die Truppe von Auflehnung und echtem Punk meilenweit entfernt als beim Lied „Tetris / Die Wilden“ staatlich subventionierte „Omas gegen Rechts“ mit ihren Schildern durchs Musikvideo spießern. 

Obwohl die Verbindung in die heile bundesrepublikanische ZDF-Fernsehgarten-Wunderwelt eigentlich gut passt. Schon vor fünf Jahren startete Swiss das augenzwinkernde Projekt „Linksradikaler Schlager“. Neben neu gemischten Melodien zigmal gehörter Schunkel-Klassiker gab es dazu zeitgeistige Wohlfühlpassagen wie „Von den Karten Grenzen streichen, Staaten müssen Menschen weichen“, „schmeißen Steine auf die Bullen für gutes Karma“ oder „Nazis kriegen kalte Füße: Stalingrad“. 

Der Mitsing- und Feierfaktor ist anscheinend wirklich nicht zu unterschätzen. „Bin grad bei meiner Mama zu Besuch und sie ist Schlager-Fan. Habe es grad in der Küche gehört. Und sie hat es nachgesungen. Mission erfolgreich“, schrieb damals ein Kommentator bei Youtube.


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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wo dieser Mist am lautesten gegröhlt wird, da sollte man die meisten Asylanten hinschicken! Das wäre dann der „modifizierte Königsteiner Schlüssel“.

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