In Deutschland soll angesichts des Ukrainekriegs eine sicherheitspolitische Zeitenwende stattfinden und die Bundeswehr materiell wie personell aufgestockt werden. Von der Öffentlichkeit bisher wenig beachtet, kommt der Reserve dabei eine Schlüsselrolle zu. Fast die Hälfte der geplanten Mannstärke soll sie stemmen. Doch viele Probleme und Missstände stehen dem im Weg. Die Krautzone sprach mit dem früheren Reservisten Sebastian Schneider (Name von der Redaktion geändert), der nach jahrelangem Engagement desillusioniert den Dienst quittiert hat.
Herr Schneider, Deutschland soll wieder wehrhafter, ja sogar kriegstauglich werden. Nach mehreren Jahren bei der Bundeswehr-Reserve haben Sie sich jedoch kürzlich aus dem Reservedienst ausbeordern lassen. Warum?
Ich war als Reservist beordert und habe mehrere Jahre im Mannschaftsdienstgrad aktiv geübt, regelmäßig an sogenannten Reservedienstleistungen RDL teilgenommen. Weiterhin habe ich an sogenannten Dienstlichen Veranstaltungen DVag der beorderungsunabhängigen Reservistenarbeit teilgenommen, die bis vor kurzem über die sogenannten Landeskommandos organisiert wurden. So habe ich in manchen Jahren fast monatlich an entsprechenden Übungen als Reservist teilgenommen. Leider habe ich feststellen müssen, dass einem aktiven Reservisten auf verschiedenen Ebenen Steine in den Weg gelegt werden. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen der Öffentlichkeitsarbeit und den Werbekampagnen der Bundeswehr und wie dann mit den Bewerbern und Reservisten umgegangen wird. Das fängt mit langen Verfahren und viel Bürokratie an, bis man als Reservist anfangen kann zu üben, und reicht dann bis zum Umgang der Wehrverwaltung und von Teilen der Truppe mit den Reservisten. Bei den meisten Reservisten, die ich kenne, war der Weg von der Meldung im Karrierecenter bis zur ersten Übung sehr lang und holprig, zum Teil dauert das Jahre. Aus eigener Erfahrung und von vielen anderen Kameraden weiß ich, dass es mindestens ein Jahr dauert, bis man seinen Dienst antreten kann.
Wenn derjenige diesen Prozess durchhält …
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