Georg Dertinger – der letzte Konservative der DDR

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Blockparteien-Funktionäre in der DDR genießen heute keinen guten Ruf: Im besten Falle systemangepasste Opportunisten, im schlimmsten Falle rosstäuschende Kommunisten – so lautet das retrospektive Urteil heute. Damit betrachtet man jedoch nicht die frühen Jahre des sozialistischen deutschen Teilstaats und somit auch nicht den Fall von Georg Dertinger.

Zunächst zur Entstehung der Blockparteien, die bis heute selbst unter Politikwissenschaftlern häufig eine empfindliche Betrachtungslücke darstellt. Dabei stammt aus ihrer Entstehungszeit der berühmte Satz des DDR-Staatschefs Walter Ulbricht: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ Dieses Zitat wird oft dahingehend missinterpretiert, dass jeder, der sich damals einer Blockpartei anschloss, dieses Motiv als Grundlage hatte. Ein fataler Trugschluss.

Tatsächlich gab Ulbricht hier nur eine Direktive aus, warum die Führung die Blockparteien brauchte. In dieser Frühphase hielt sich noch die Hoffnung, mit dem SED-Staat das gesamte deutsche Gebiet kontrollieren zu können. Mithin musste man nach außen möglichst neutral auftreten und brauchte Nicht-Kommunisten für repräsentative Ämter – bei denen der Stellvertreter wohlgemerkt immer Kommunist war. Im Bewusstsein, dass weder Ost- noch Westdeutsche eine Teilung ihres Volkes in zwei Staaten wünschten, musste die kommunistische Propaganda die Gründung der DDR als einen Schritt in Richtung eines einheitlichen deutschen Staates verkaufen.

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