0,5 Promille zum Glück? Das genial-düstere Experiment von „Der Rausch“

in 3 min lesen

„Trinken kann eine Lösung sein. Aber nicht die einzige“ – so lässt sich Thomas Vinterberg in Bezug auf seinen Film „Der Rausch“ zitieren. Wenngleich das Werk inzwischen auch auf Suchtpräventionsveranstaltungen vorgeführt wird, spricht seine Handlung eigentlich genau gegen die moderne Verteufelung des Alkohols. Der Drang zur Selbstoptimierung, das pädagogische „Alkohol bitte nur in Maßen!“, die Erfüllung einer bestimmten sozialen Rolle und die an sie geknüpften Erwartungen sind die Säulen, an denen Vinterbergs Film letztlich rüttelt.

Mads Mikkelsen spielt die ihm auf den Leib geschneiderte Rolle des Pädagogen Martin. Er ist ein Lehrer mittleren Alters, den der Trott des Berufsalltags apathisch hat werden lassen. Seine Frau, die Schüler, die Eltern: Alle sind mit ihm unzufrieden. Er nimmt es ohne erkennbare Gefühlsregung zur Kenntnis. Hier kommt auch der nordeuropäisch distanzierte Stil von Regisseur Vinterberg zum Tragen: Man wird nicht mit Dialogen überschüttet. Stattdessen beobachtet man die Protagonisten in ihrem Alltag, und die Figurenentwicklung vollzieht sich größtenteils nonverbal. Neben Martin wirft der Film einen Blick auf drei seiner Kollegen. Einer von ihnen richtet seinen Geburtstag in einem noblen Restaurant aus. Hier beginnt die eigentliche Handlung.

Nikolaj feiert seinen vierzigsten Geburtstag. Martin möchte an diesem Abend zunächst nichts trinken. Dies nimmt Nikolaj zum Anlass, den anderen von der Theorie des norwegischen Psychiaters Finn Skårderud zu erzählen: Der Mensch habe eigentlich ein Blutalkoholdefizit von 0,5 Promille. Sprich: Man sollte bestenfalls immer 0,5 Promille haben, um als Mensch wirklich leistungsfähig zu sein. Am nächsten Tag trifft Martin Nikolaj wieder und schlägt ihm vor, einen Feldversuch zu Skårderuds Theorie zu wagen. Letztendlich beschließen die vier Freunde, dauerhaft einen Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille zu halten.

Dieser Artikel geht weiter.
Für PLUS-Abonnenten

Krautzone PLUS

✔ Schon ab monatlich 4 Euro
✔ Jederzeit kündbar (je nach Plan)
✔ Mit der Digitalausgabe kombinierbar

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.