Der Liter Benzin kostet wieder fast 2,20 Euro. Damit liegt Deutschland in der EU auf dem dritten Platz – knapp hinter den Niederlanden und Dänemark. Gegenüber dem Allzeithoch vom April befindet sich der Liter Benzin damit wieder auf einem ähnlichen Niveau. Hauptursache für die wieder gestiegenen Spritpreise ist das Auslaufen des Tankrabatts der Merz-Regierung.
Mythos Geopolitik: Der wahre Treiber hinter den Preisen
Vorschnell wird der chaotischen Politik der USA und des Irans die Schuld an den steigenden Spritpreisen gegeben. Und sicherlich: Der „Iran-Schock“ ist in den letzten Monaten der Haupttreiber der Preise gewesen. Doch wirft man einen Blick auf das Jahr 2022, stellt man fest, dass die Durchschnittspreise für den Liter Benzin hier bereits bei 1,86 Euro lagen. Verantwortlich dafür waren die Preisunsicherheiten und die Knappheit beim Erdgas in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Im Mai 2022 bezahlte man etwa 2,06 Euro – und damit sogar mehr als im Mai 2026 (1,98 Euro).
Daher ist es relativ eindeutig, dass nicht die Besonderheit der Sperrung der Straße von Hormus der Haupttreiber hinter den Energiepreisen ist, sondern dass jedwede Art von geopolitischen Schocks die Märkte verunsichert und die Preise nach oben treibt. Vor einigen Wochen hat Chefredakteur Müller hier auf die Rolle Deutschlands als Mittelmacht zwischen den großen geopolitischen Akteuren hingewiesen. Diese Blaupause lässt sich auch auf die „Ölkrise“ anwenden. Denn anstatt sich real – mit militärischer Unterstützung – oder mental – mit ewigen Debatten über geopolitische Szenarien – aufzuhalten, wäre der richtige Weg auf eine wirtschaftliche Krise eine pragmatische Antwort, in diesem Fall: Steuern senken. Gerade für die kleineren europäischen Länder ist es „Business as usual“, auf die Verwerfungen internationaler Politik im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu reagieren. In Irland reagierte die Regierung auf die anhaltenden Proteste gegen die hohen Spritpreise mit mehreren Maßnahmenpaketen, die die Spritpreise um insgesamt 30 Cent reduzierten. Wohlgemerkt ist Irland eines der wohlhabendsten Länder der EU, die teure Spritpreise tendenziell gut wegstecken können. Trotzdem kostet der Sprit gerade mal 1,70 Euro.
Die staatliche Abgabenlast im europäischen Vergleich
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