Seit dem Ukrainekrieg im Jahr 2022 ist die Ost-West-Frage erneut aufgeflammt. Dabei ist die Frage nach der deutschen Außenpolitik so alt wie Deutschland selbst. Vor über 2.000 Jahren entschieden sich Germanen westlich des Rheins oder in Rheinnähe, mit den „welschen“ Römern zu kooperieren, wohingegen östliche Stammesverbände ihre Unabhängigkeit bewahrten. Egal ob Befreiungskriege, Erster Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit – in der insbesondere Vertreter der Konservativen Revolution nach Osten blickten – oder schließlich die Teilung Deutschlands in zwei globale Blöcke: Das Thema blieb stets auf der Tagesordnung.
Das trügerische Ende der Geschichte
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Auflösung der systemischen Gegensätze schien die Teilung in Ost und West sogar überwunden; Francis Fukuyama sprach vorschnell gar von einem Ende der Geschichte. Wie falsch seine These war, wurde nicht nur durch die neue Multipolarität der Welt belegt, in der mit China, Indien und dem Islam neue, lokale Supermächte auf der Bildfläche erschienen, sondern auch durch den Angriff Russlands auf die Ukraine. Schon bei der Begrifflichkeit – ich habe hier bewusst „Angriff“ gewählt – handelt es sich um ein Politikum: Während antirussische Vertreter von einem „völkerrechtswidrigen Angriff“ sprechen, reden prorussische Stimmen von einem Präventiv- oder Befreiungsschlag gegen den sich ausbreitenden Westen.
Was davon nun der Wahrheit entspricht, wage ich nicht zu beurteilen – dennoch sei gesagt, dass beide Seiten gute Argumente haben. Ein sich eingeengt fühlendes Russland mit schrumpfender geopolitischer Kontrolle trifft auf einen expandierenden Westen, der politisch direkt die Pufferzone in Osteuropa an sich bindet oder indirekt aufgrund des „Western Way of Life“ eine enorme Anziehungskraft auf die postkommunistischen slawischen Staaten ausübt – auch auf Russland selbst.
Das Wettrüsten vor unserer Haustür
Nicht von der Hand zu weisen sind zudem direkte militärische Maßnahmen wie der Ausbau der Raketenbasis im nordpolnischen Słupsk-Redzikowo. Nachdem das Projekt um das Jahr 2010 herum eigentlich auf Eis gelegt worden war und sich die Beziehungen zwischen den USA, der NATO, Polen und Russland dadurch maßgeblich verbessert hatten, schwenkten die USA unter Barack Obama schließlich doch um: Der Stützpunkt wurde mit dem Aegis-Waffensystem ausgerüstet – ein Abfangsystem, das jedoch auch offensiv umgerüstet werden kann. Für alle geografischen Analphabeten: Die Militärbasis, die 2020, also zwei Jahre vor dem russischen Angriff, von US-amerikanischen Truppen übernommen wurde, befindet sich nur 280 Kilometer von Königsberg entfernt – einem militärisch extrem wichtigen Stützpunkt für Russland.

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Liebe Kraut-Zoner,
die Frage ist wirklich nicht einfach zu beantworten. Aus meiner „ostdeutschen“ Sichtweise, wäre die „vereinte“ Bundesrepublik nach gut beraten gewesen, sich als neutrale Mittelmacht im Herzen von Europa zu positionieren, als Mittler zwischen Ost und West. Doch dies war, glaubt man politischen Zeitzeugen, mit den Franzosen und Briten nicht zu machen.
Und so stehen wir heute erneut an einem Punkt, an dem wir nicht stehen sollten. Vergessen ist die Rede von Wladimir Wladimirowitsch Putin im Deutschen Bundestag. Nehmen wir mal Schröder aus, aber der Rest der damaligen BRD hatte mit den Russen nix vor. Muss man auch nicht! ABER man darf nie vergessen, ohne die Russen, hätte es die „Wiedervereinigung“ nie gegeben. Und der Aufstieg von Wladimir Putin ist kein Zufall, er ist das Resultat der Russland-Politik der 1990ziger. Man hat dieses unglaublich riesige Land behandelt wie ein besiegtes Land. Man meinte es für die eigenen wirtschaftlichen Interessen plüdern zu können. Man hat das Chaos dort bewusst gefördert. Das sage nicht ich, dass sagen die Russen. Und wir ignorieren es. Die Amerikaner sprachen abfällig von „der Regionalmacht Russland“.
Und am Ende tat man das, wovor schon der brilliante Peter Schloll-Latour warnte, man trieb die Russen in die Hände der Chinesen. Eigentlich mögen die Russen die Chinesen nicht, doch wir haben alles dafür getan, dass Russland sich an China langfristig bindet. Dabei ist Russland ein Teil von Europa.
Doch warum? Weil „der Westen“ nichts von der Mentalität der Russen versteht. Weil man (bis auf wenige Ausnahmen) nicht versteht, ein Büro ist nur ein Büro. Die eigentlichen Entscheidungen werden auf der Datscha, oft in der Banja, getroffen. Wir „Ossis“ wissen dies, aber auf uns hört man nicht, wir sind schließlich dumme Ossis, Menschen zweiter, gar dritter Klasse. Dunkeldeutsche…das Pack…und haben von nichts ne Ahnung. Vor 1990 wussten wir nichts…so ist es doch, oder?
Wir kennen die Russen, wir mochten sie vor 1990 nicht sonderlich, aber wir wissen trotzdem viel mehr über dieses Land und den Konflik in der Urkaine.
Was mir dazu einfällt, sind die Worte von Euripides:
„Schrecklich ist der Brüder Zwietracht, wenn sie wütet.“
Lieber Florian Müller, Sie haben mir als fast 80jährigem Hobby-Historiker mit Ihrem Beitrag große Freude bereitet. Ich kann Ihnen jedes Wort unterstreichen. Machen Sie weiter so ! Deutschland ist u.a. deswegen nicht von der Karte verschwunden, weil man sich angesichts des Korea-Kriegs, der übrigens nach dem vereint kommunistisch-kapitalistischen Niederringen unseres Landes die ach so unschuldigen Sieger auseinanderfallen ließ – was ihre Thesen eindrucksvoll untermauert – der Fähigkeiten deutscher Soldaten erinnerte. So ließ man diese auf beiden Seiten neu aufrüsten, sodaß auch ich zwar als in der Sowjetzone geborender und in der DDR Aufgewachsener im August ’68 in BuWe-Uniform am Rande des sowjetischen Einmarschs in die Tschechei meinen Verwanden in NVA-Uniform gegenüberstand und wir nicht wußten, ob wir jetzt aufeinander gehetzt würden.