Die Parole der Zukunft: Abgrenzung

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Eine kleine Wanderung führte uns neulich in ein Dorf, das wie aus einer anderen Zeit – ach was, wie auf einem anderen Planeten! – anmutete: alte, gepflegte Hausfassaden, schöne Gärten, grüßende Bewohner, eine zunächst ungewohnte, dann beängstigende, schließlich entspannende Stille. In einer Gasse bot sich uns ein ulkiger Anblick: Ein paar Hühner pickten gemächlich vor sich her, zwischen ihnen und uns befand sich kein Zaun. Der Halter des Federviehs bewohnte einen hübsch hergerichteten Fachwerkhof – ein Bild wie aus einem Heimatfilm. „High-Trust Society“, wie der Soziologe sagen würde. Eine Normalität, die man uns fast gänzlich genommen hat.

Auf dem Dorfplatz hatte sich die Jugendfeuerwehr versammelt. Etwa ein Dutzend deutsche Jungs und Mädels, ein wirklich erbauender Anblick, man ist in diesem Land ja nur noch von Alten und Ausländern umgeben. Kaum von Ersteren und nichts von Letzteren war an diesem Tag im Dorf zu sehen, man suchte auch Müll, Graffiti, E-Roller und Kopftücher vergeblich. Surreal!

Die Dorfkirche war das eigentliche Ziel unseres Ausflugs, sie ist ein echter Kulturschatz und bildet in ihrer Bausubstanz gleich mehrere Architekturepochen ab. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, was sich in unserem schönen Land alles (wieder-) entdecken lässt, wenn man sich einmal von der Vorstellung trennt, dass man die Geschichte und Kultur seiner Heimat mit der Lektüre von ein paar Wikipedia-Artikeln abhaken könnte. Auch hier: Nichts war verriegelt, alles konnte in Ruhe – und zwar wortwörtlich – betreten und betrachtet werden. Beim Hinausgehen dann dieser eine Wermutstropfen: An der Pforte prangte ein Schild mit einer dieser unsäglichen Zeitgeistparolen. „Unsere Kirche ist bunt“, oder so etwas. „Protestanten eben“, dachte ich mir und versuchte es abzutun. Aber lange, nachdem wir wieder zu Hause waren, hatte sich der Ärger über dieses eine Schild, diesen einzigen schlechten Eindruck dieser sonst so hobbithaft anmutenden Idylle wie ein Stachel festgesetzt.

„Weiß man in diesem Dorf eigentlich, wie gut man es hat?“ Weiß man, wusste meine Begleiterin einige Wochen später zu berichten, denn eine Bekannte hatte dort einige Jahre gelebt. Die Dorfgemeinschaft gilt als eingeschworen, man macht viel zusammen, man achtet aufeinander. Zugezogene haben es nicht leicht, sich in diesen Kreis zu integrieren.

Das alles klingt wie die Kulisse für einen Juli-Zeh-Roman, der abendfüllende ARD-Film dreht sich quasi von alleine: Ein Dorf, irgendwo in Deutschland (man wird die Handlung in den Osten verlegen). Auf den ersten Blick sieht alles aus wie im Märchen, doch die zugezogene Familie (beide Akademiker, sie gekleidet wie eine Arte-Moderatorin, er Marokkaner, drei Kinder, ein Hund) stößt schnell auf Abneigung und Vorurteile. Nur der protestantische Dorfpfarrer zeigt sich offen. Die heile Fassade beginnt zu bröckeln, die Dorfbewohner stellen sich schließlich als inzestuöse, AfD-wählende Kannibalen heraus, es kommt zum Kampf auf Leben und Tod…

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Spaß beiseite: Unter jungen Rechten bzw. unter allen Jungen, die sich mit dem scheinbar unausweichlichen Schicksal nicht abfinden wollen, in ihrem eigenen Land verdrängt und marginalisiert zu werden, gibt es die Vorstellung einer wie auch immer gearteten „Gated Community“. Man müsste „raus aufs Land“, „sein Ding machen“, „sich abschotten“. Ich hadere mit diesen eigentlich naheliegenden Gedanken, denn ein paar Meter weitergesponnen entpuppen sich solche eigentlich völlig nachvollziehbaren Überlegungen als Sektiererei, die zum Scheitern verurteilt ist. Westdeutsche in x-ter Generation wollen „in den Osten“, so als ob die Verfallserscheinungen der Spät-BRD eine Angelegenheit wären, die sich auf die alten Bundesländer beschränken ließen.

Man fabuliert im Netz, bevorzugt auf Twitter, über dies und jenes, was getan werden müsste. Das alles erschöpft sich dann in überwiegendem Maße in extrovertierten Sandkastenspielen und der unendlichen Repetition popkultureller Referenzen und von „Philosophencope“. Alle wollen sie etwas machen, aber keiner macht etwas. Währenddessen stürmt eine neue Welle moslemischer Einwanderer die spanische Exklave Ceuta und provoziert Bilder, die frappierend an eine von Hollywood inszenierte Invasion erinnern.

Wer oder was da den Strand heraufstürmt, wird demnächst seinen Fuß auf deutschen Boden setzen und dafür sorgen, dass sich unser Land noch rascher in einen gähnenden Abgrund verwandelt. Dörfer – oder besser: Gemeinschaften –, wie ich sie eingangs geschildert habe, sind bereits selten geworden. Zusammengehalten werden sie maßgeblich von verantwortungsbewussten und vor allem wenig toleranten Ortsvorstehern, von Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, von Vereinsmitgliedern, die die Energie vor allem der jungen Bewohner in produktive Bahnen lenken, und natürlich von den normalen Einwohnern, die vor ihrer Haustür kehren, ihre Fassaden streichen und ihre Gärten pflegen. Menschen also, die machen.

Auf diese Leute, und nicht auf Twitter-Edgelords oder Selbstversorger-Romantiker, kommt es an. Wir werden in absehbarer Zeit keinen Einfluss auf die Verteidigung der EU-Außengrenzen haben. Das ist traurig und ernüchternd, aber das ist nun mal die Folge der konsequent antideutschen Politik, die von allen etablierten Parteien seit Jahrzehnten vorangetrieben wurde. Man kann so etwas nur an der Wahlurne abstrafen. Die zukunftsweisenden und beeinflussbaren Entscheidungen liegen hingegen nicht im politischen, sondern im privaten Bereich. Familie, Gemeinschaft, Erziehung, Bildung, Instandhaltung. Vor allem: Abgrenzung.


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