In Berlin weiß man sich gegen die sommerliche Hitze zu helfen: An der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im Scheunenviertel im Ostteil von Berlin-Mitte steht seit Neuestem ein temporär installiertes Schwimmbecken, das der Bevölkerung zur Abkühlung verhelfen soll. Seit dem 7. August steht das 25 Meter lange, fünf Meter breite und 1,30 Meter tiefe Schwimmbecken bereit; gedacht ist das „Volksbad“ für jeden, den es nach dem kühlen Nass verlangt. Also für wirklich jeden, denn der Eintritt ist kostenlos, und über das Internet lässt sich ein Zeitfenster von bis zu zwei Stunden buchen, in dem man das Volksbad aufsuchen darf.
Was kann man sich Schöneres vorstellen, als sich mitten in der Großstadt eine 25 Meter lange Schwimmbahn – da wird es sicher genügend Platz für alle geben – mit irgendwelchen Hipstern, Atzen und Ausländern zu teilen? Ich möchte meinen, dass es in Berlin eigentlich genug Freibäder gibt, wo sich die nachmittägliche Freizeit verbringen lässt – es sei denn, irgendetwas oder irgendjemand stört diese aquatische Atmosphäre –, und etwas weiter draußen, teilweise im Brandenburgischen, stößt man auf unzählige von Havel und Spree gespeiste Seen, die einem das Bedürfnis nach Erfrischung weitaus besser erfüllen dürften als das Volksbad mitten in Mitte. Auch aus finanzieller Sicht ist so ein See lohnenswerter: Denn die 300.000 Euro, die für den Bau des Volksbades aufgebracht wurden, stammen aus den Subventionen, die das Theater erhält – also aus öffentlichen Geldern. Geld, das nicht nur bei zukünftigen Inszenierungen fehlen dürfte, sondern auch noch zweckentfremdet wurde.
Das Bad dient als Protest gegen die marode Berliner Infrastruktur und überteuerte, vom Sanierungsstau gebeutelte Schwimmbäder, so meint es der künftige Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal. „Wir helfen, dass Grundschüler schwimmen lernen, und stellen ein Schwimmbad hin.“ Zudem zeigt sich mit dem Volksbad das weite Verständnis des Intendanten für Theaterkunst:
„Für mich ist auch Theater, wenn sich zwei Leute vor der Volksbühne nass spritzen. Für mich ist das auch schon ein theatralischer Akt.“
Wie dem auch sei, seine Protestaktion gegen die verfehlte Infrastrukturpolitik der Stadt Berlin führte auch bei ideologischen Verbündeten zu Unmut: Schließlich werden die Theaterbühnen Berlins mit viel Geld subventioniert, und da sich die Stadt angesichts der sich weiter leerenden Kassen gezwungen sieht, diese Subventionen zu kürzen, wirkt diese Aktion mehr als hanebüchen. Der Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler Berlin, Alexander Kraus, formulierte es so:
„Die Kulturlandschaft wird massiv vom Senat gefördert, was ja im Prinzip auch richtig ist, aber offensichtlich hat der Theaterbetrieb der Volksbühne zu viel Geld übrig, dass sie dann zusätzlich noch ein Schwimmbad betreiben kann.“
Doch Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht so manche Malheurchen und Skandälchen im Rahmen dieses Projekts passieren würden. Zunächst muss das „kostenlose“ Volksbad aufgrund fehlfunktionierender Duschen für zwei Tage dichtmachen. „Unsere Duschen sind derzeit nicht funktionsfähig“, so das Theater auf seiner Netzseite. Die 300.000 Euro Steuergeld haben sich gelohnt. Äußerst peinlich für ein Projekt, das sich ja als Protestaktion gegen die marode Infrastruktur Berlins präsentieren will.
Aber da das eben auch nicht untypisch für Berlin ist, dürften die Verantwortlichen des Projekts diese Peinlichkeit als Charme der Stadt verkaufen. Etwas mehr stößt dabei ein Aktionstag für den kommenden Freitag auf: Denn da ist das Volksbad nur für die „schwarze Community“ geöffnet. So schnell wurde aus dem „Volksbad für alle“ ein „Blacks-Only-Bad“. Die Reservierung des Volksbades für die „schwarze Community“ erfolgte über den Verein „Each One Teach One“ (EOTO e.V.), eine schwarze Lobbygruppe, die eben allerlei Veranstaltungen für Schwarze fördert und durchführt.
Von wem diese Leute das Geld für ihre Lobbyarbeit haben, fragen Sie sich? Natürlich von Ihnen, werter Steuerzahler: Das Projekt wird nämlich vom CDU-geführten Bundesfamilienministerium gefördert. Dass sich die Axel-Springer-Journaille nun darüber so herrlich echauffiert (im Sinne von: Das ist ja Diskriminierung gegen Weiße, potzblitz!), setzt der ganzen Farce nur das Sahnehäubchen auf, ist sie doch mit ihrer politischen Propaganda jahrelange Unterstützerin der CDU gewesen.
Ich für meinen Teil kann das Vorhaben nur willkommen heißen: Meinetwegen kann der EOTO e.V. das Volksbad mitten in der Großstadt gerne ganz für sich beanspruchen – ein Volksbad für das neue Volk eben –, solange er sich im Gegenzug von meinen geliebten Seen in Brandenburg fernhält. Ein Kompromiss, mit dem ich für meinen Teil leben kann. Was soll auch die Aufregung bei diesen Temperaturen?
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