Schulden sind nicht das Problem – der aufgeblähte Staat ist es

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Im AfD- und libertären Milieu gehört die Sache eigentlich zum kleinen Einmaleins: Staatsschulden sind schlecht, die Schuldenbremse ist das Mindeste, und idealerweise wirtschaftet Vater Staat wie die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau. Nur ausgeben, was vorher eingenommen wurde. Klingt solide. Ist es im Privathaushalt meistens auch. Für eine Volkswirtschaft ist die Rechnung leider komplizierter.

Genau deshalb lohnt der Blick auf Heiner Flassbeck. Der postkeynesianische Ökonom steht in einer deutschen Denktradition, die bis zu Wilhelm Lautenbach reicht, einem Beamten des Reichswirtschaftsministeriums, der schon in den 1920er- und 1930er-Jahren zentrale Gedanken von Keynes vorwegnahm. Für Flassbeck wie für Lautenbach beginnt Wirtschaftspolitik nicht beim moralischen Urteil über Schulden, sondern bei der Nachfrage.

Wenn alle sparen, spart keiner

Flassbecks Ausgangspunkt ist bestechend schlicht: Jede Volkswirtschaft besteht aus privaten Haushalten, Unternehmen, Staat und Ausland. Spart ein Sektor netto, muss ein anderer netto Schulden aufnehmen. Die Forderung des einen ist die Verbindlichkeit des anderen. Alle können nicht gleichzeitig sparen.

Deutschland konnte dieses Problem lange elegant exportieren. 2019 sparten die privaten Haushalte netto 6 Prozent des BIP, die Unternehmen 0,8 Prozent und der Staat 1,2 Prozent. Das Ausland stand spiegelbildlich mit rund 8 Prozent im Defizit. Es kaufte also deutsche Waren und verschuldete sich gegenüber Deutschland.

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