Zwei Meldungen innerhalb weniger Wochen erzählen mehr über den Zustand der deutschen Industrienation als viele hundert Seiten Standortbericht.
Zuerst Everllence. Volkswagen will 51 Prozent des früheren MAN-Energy-Solutions-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Bain Capital verkaufen. Ausgerechnet jenes Augsburger Unternehmen, dessen Werk 1840 gegründet wurde und in dem Rudolf Diesel den ersten funktionsfähigen Dieselmotor entwickelte. Heute baut Everllence Großmotoren, Turbomaschinen und Verdichter und entwickelt Technologien für Wasserstoff, alternative Kraftstoffe, industrielle Wärmepumpen und die Dekarbonisierung der Schifffahrt. Volkswagen erwartet aus Transaktion und Finanzierungsstruktur einen Mittelzufluss von rund 7,4 Milliarden Euro.
Kurz darauf ebm-papst. Der amerikanische Konzern Madison Air übernimmt den deutschen Weltmarktführer. Unternehmenswert: rund 4,6 Milliarden Euro. ebm-papst steht für hocheffiziente Ventilatoren, EC-Motoren, Luftführung und Kühlung – Schlüsseltechnik für Rechenzentren, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Industrie. Mehr als 250 Millionen Ventilatoren des Unternehmens sind weltweit installiert.
Zwei Filetstücke deutscher Industriegeschichte. Zweimal amerikanisches Kapital. Zufall?
Der Schlussakt der Westbindung?
Souveränität entscheidet sich nicht in Sonntagsreden, sondern bei Energie, Technologie, Kultur und Eigentum. Und auf allen vier Feldern ist Deutschlands Abhängigkeit gewachsen.
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