Die Deutschland-Depression: Warum wir uns vom linearen Zeitverständnis lösen müssen.

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„Alles vergeht unaufhörlich“, stellte schon der Aphoristiker Arne Kolb fest. Dinge, die heute noch für selbstverständlich genommen werden, verblassen, zerrinnen oder entgleiten. Alles, was ist, wird vergehen. Die Summe dieser Verluste wird einem stets erst bewusst, wenn man in Gedanken in die eigene Vergangenheit reist. Sicher, der Verstand arbeitet so, dass er nachträglich die Schwierigkeiten nicht mehr ganz so groß erscheinen lässt. Somit strahlt die Retrospektive stets etwas eitler, als sie es tatsächlich war. Die Sicherheit der nachträglichen Betrachtung ist in etwa so beruhigend wie das wiederholte Schauen der Lieblingsserie: Man kennt die Probleme, man kennt die Lösungen und man empfindet keine Ungewissheit.

Durch die unterbewusste Ausblendung des Negativen erscheinen zerbrochene Beziehungen, verlorene Freundschaften und schlicht nicht wiederkehrende Zeiten – wie die Schulzeit – nun als unerreichbare Sehnsuchtspunkte. Die Gegenwart dagegen trifft uns mit all ihrer Detailschärfe. Sie verlangt von uns Behördengänge, Anrufe und Haushaltsarbeit. Wer denkt schon daran, wie er 2011 eine Spülmaschine ausräumte? Wer weiß noch von der Überweisung einer Mahnung? Die Gegenwart ist zwar der Moment, in dem Sie an einem Sommerabend an einer Zigarre ziehen, aber erst in der Zukunft werden Sie auf den Abend zurückschauen und ihn erneut zur inneren Einkehr nutzen. Während Sie aber dort sitzen und an der Zigarre ziehen, denken Sie vielleicht über eine Zukunft nach, in der Sie noch bessere Zigarren und noch besseren Wein in einem noch schöneren Garten und an einem noch schöneren Abend genießen. Oder Sie denken schlicht an die Arbeit, die zwischen Ihnen und dieser glücklichen Zukunft steht.

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Man muss versuchen die Gegenwart zu genießen. Auch wenn es oft schwerfällt. Man muss sich entspannen und einfach an was Schönes denken; auch um sich von lästigen Dingen wie Behördengängen abzulenken.
    Am besten man denkt zur Entspannung überhaupt nicht über die Realität nach, sondern flüchtet sich in Tagträume und denkt sich schöne Geschichten aus :-).
    Vielleicht entsteht dabei sogar ein guter Roman, den man dann später schreiben und veröffentlichen kann und der dann anderen Leuten Freude bereitet, wobei sie sich dann durch das Lesen von den Sorgen des Alltags ein wenig ablenken und entspannen können ;-).
    Nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es Probleme, die angepackt und gelöst werden müssen; aber eben nicht 24/7. Man muss sich auch mal erholen und entspannen.

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