Ein Resultat der verfahrenen Gemengelage im gegnerischen Lager ist, dass alles immer nur schwul und halb passieren kann. Beim ZDF etwa: Böhmermann sollte nach Meinung der Obrigkeiten schon im Frühjahr 2025 gefeuert werden. Einer zur „Bild“-Zeitung durchgestochenen Äußerung eines führenden Mitarbeiters zufolge kam dem jedoch die Absetzung Jimmy Kimmels in den USA in die Quere: Nach Druck von Trump, weil Kimmel sich über die Ermordung Charlie Kirks lustig gemacht hatte, stellte man die Sendung vorübergehend ein. Progressive in der gesamten westlichen Hemisphäre waren in Alarmstimmung versetzt: „Wir können jetzt auch gecancelt werden?“
In dieses explosive Gemisch wollten die ÖRR-Funktionäre keinen Brandsatz in Form der Absetzung ihres bekanntesten progressiven Agitators werfen – zumal von dessen Verbündeten eine Rebellion in ihren eigenen Sendungen zu erwarten gewesen wäre. Eine solche gab es kurz zuvor schon gegen das Neocon-Format „Klar“ von Julia Ruhs: Neben Böhmermann, der im Kontext des Einstiegssatzes von Ruhs’ Pilotfolge die Vokabel „Faschismus“ fallen ließ, nutzte auch Anja Reschke ihre Sendezeit für folgende Pointe:
„Ihr sollt doch jetzt im ÖRR alle Meinungen zu Wort kommen lassen, auch wenn sie ein bisschen rechtsextrem sind. Das ist doch Klar.“
Das klaustrophobische Gefühl, das die Cancelung einer großen progressiven TV-Persönlichkeit in den Staaten gesät hatte, war ein Pulverfass. Böhmermanns Rausschmiss hätte einen offenen Konflikt zwischen der ÖRR-Führung und all ihren progressiven Kaspern, die sich selbst als Nächste auf der Abschussliste gewähnt hätten, lostreten können. Bosetti, Kebekus, Dunja Hayali und wie gehabt Reschke, um nur einige zu nennen: Wenn sie beginnen, Gniffke und Co. unisono „Unterwerfung unter den aufkeimenden Faschismus“ zu unterstellen, könnte man sie kaum zum Schweigen bringen, ohne diese Anschuldigung in den Augen einer kritischen Masse im Kunst- und Kulturbetrieb zu validieren. Stattdessen verlängerte man Böhmermanns Vertrag dann also doch um ein weiteres Jahr, strich darin aber die Folgenzahl um ein Drittel zusammen. Die Fließrichtung war klar: Weniger Böhmermann, mehr Ruhs. Nur eben geräuschloser.
Ende vergangener Woche wurde publik: Dieses Jahr macht man Nägel mit Köpfen. Zumindest Nägelchen. Das „ZDF Magazin Royale“ wird eingestellt. Man sei aber in „guten Gesprächen“ über ein neues Format. Dementsprechend bleibt auch die verantwortliche „Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld GmbH“, deren Anteile sich ZDF und Böhmermann in einem 60-zu-40-Verhältnis teilen, erhalten. Die Botschaft an besagte Front progressiver ÖRR-Entertainer und Böhmermann selbst: „Zettelt keine Rebellion an. Wir müssen Vibeshift-Anpassungen vornehmen. Wenn ihr uns das leise tun lasst, kommt ihr aber schlimmstenfalls aufs vollbezahlte Abstellgleis.“
Ohne solche Anpassungen verlöre der ÖRR-Kosmos die Möglichkeit, besagten Vibeshift mit zu formen. Auch empörtem Gezeter dagegen wird sicherlich weiter Raum geboten. Die Bewältigungsstrategie für den ausbleibenden Erfolg dessen, also Grenzüberschreitungen wie etwa Böhmermanns letztes Jahr regelmäßig vorgetragene „Tesla-Witze“, die auf kaum verhohlene Aufrufe zu niedrigschwelligem Terrorismus hinausliefen („Was ist ein Tesla in Berlin-Kreuzberg? Ein Verbrenner“) kosten allerdings weit mehr, als sie nützen.
Stattdessen will der ÖRR sich weltanschaulich diffuser aufstellen. Die Verteidigungslinie „Migration ist gut. Alle Probleme resultieren aus Rassismus, und außerdem wurden sie von Rassisten erfunden“, die das „ZDF Magazin Royale“ verkörperte, ist in breiten Gesellschaftsschichten durchbrochen worden. Der heiße Konflikt um diese Abermillionen verloren gegangener Köpfe entbrennt nun an der Frage, was daraus folgt, dass Migration schlecht ist. Und warum sie schlecht ist. Dabei liegt die nächste befestigte Stellung bei Julia Ruhs’ Botschaften: Migranten lehnen die modern-westliche Werteordnung ab, Freiheit und Gleichheit der Frau etwa.
Diese Gewichtung der Gründe für die Vergewaltigungsepidemie ist für das Überfremdungsprojekt weit weniger gefährlich als die grundsätzlichere Alternative: Der Mensch ist tribal und ringt um ethnische Dominanz. Übergriffigkeit gegenüber einheimischen Frauen ist ein Ausdruck dessen, der von kriminogenen Teilen einer rasant ansteigenden Migrantenpopulation instinktiv verwirklicht wird. Wenn demografische Zustände hergestellt werden, die einem verlorenen Krieg gleichkommen, verhalten sich Neuankömmlinge eben wie Invasoren.
Das ist ein evolutionär begründeter Reflex, so alt wie die Menschheit selbst. Der Islam ist dabei ein verstärkendes und formgebendes Element, aber kein ursächliches. Andersherum ist er so, wie er ist, weil das resultierende Verhalten dem Durchsetzungsvermögen der Eigengruppe in ethnischen Konflikten förderlich ist. Dieser Bewertungsunterschied mag auf den ersten Blick vernachlässigbar wirken, prägt aber die Lösungsansätze: Ruhs sagt im Dienste „westlicher Werte“ Ideen den Kampf an. Diesen Kampf kann man (wenn auch mit geringer Erfolgsaussicht) innerhalb einer weiterhin überfremdeten Gesellschaft führen, wie es jeder härtere im Mainstream geduldete Islamkritiker wie Ahmad Mansour ja auch vorschlägt:
Enthauptung radikaler Gemeinden, Förderung eines „Euro-Islam“ durch entsprechende Prediger, Religionslehrer, Medien und Sozialarbeiter. Abschiebung einiger Hunderttausend hartgesottener Problemfälle. Den Rest mit der Mehrheitsgesellschaft durchmischen, wie es etwa in Dänemark versucht wird. Die Rechte wiederum sagt der Ersetzungsmigration selbst auf der Grundlage unveränderlicher Aspekte der menschlichen Natur den Kampf an – und nicht einem geistigen Hindernis ihres reibungslosen Fortschreitens. Der logische Schluss ist millionenfache Remigration.
Es bleibt festzuhalten, dass wir trotz aller Theoretisiererei über Langzeitstrategien imstande sein müssen, Siege zu feiern. Zu Taktikanpassungen zwingen müssen wir sie sowieso. Eine Stadt zu erobern wird nicht schlechter dadurch, dass die nächste stärker befestigt ist.
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Linke Leute wie der stehen nie vor dem Aus. Der kommt wieder; an anderer Stelle, auf einem anderen gut betuchten Pöstchen.
Wenn er aus den Mainstream-Medien verschwindet, sehen wir ihn womöglich im EU-Parlament oder bei der UN wieder…