Louisiana: Wo Frankreichs Erbe auf Amerikas Tragik trifft

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Um 21.35 Uhr stehe ich vor meinem Hostel in New Orleans. Die Rezeption ist seit fünf Minuten geschlossen, aber es brennt noch Licht. Ich klopfe und mir wird geöffnet. Der Mann, der mir die Tür öffnet und mir mein Bett zuweist, ist das, was im Duden unter dem Lemma „Tunte“ zu finden ist, nämlich ein „Homosexueller mit femininem Gebaren“. Als mir am nächsten Morgen beim Frühstück auffällt, dass mit Ausnahme eines neunundsiebzigjährigen Kommunisten, der eine Vorliebe für schmutzige Witze hat, alle Männer stark affektiert sprechen und gestikulieren, werde ich stutzig. Verglichen mit den Jungs in meinem Hostel trägt Steve Urkel seine Hosen auf Halbmast. Ich frage ChatGPT, ob New Orleans für seine Schwulenszene bekannt sei. Die Antwort: „Ja, absolut. New Orleans hat tatsächlich eine ziemlich bekannte LGBTQ+- bzw. Schwulenszene, insbesondere für eine Stadt im Süden der USA. Das Zentrum liegt vor allem im French Quarter rund um Bourbon Street und St. Ann Street. Diese Gegend wird teilweise als Lavender Line bezeichnet und hat eine lange Geschichte als LGBTQ+-Nachtleben-Viertel.“ Und wo befindet sich mein Hostel? Natürlich unmittelbar neben dem French Quarter! Ich möchte nämlich über das Franzosentum Louisianas schreiben, von dem Alfred Kerr vor über hundert Jahren prophezeite, es werde in Amerika keine Zukunft haben.

Bourbon Street im French Quarter

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