Stippvisite in der Stadt der Engel

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Es ist schon Abend, als ich in Los Angeles lande. Vom Flughafen nehme ich den Bus zur Union Station – und erlebe dort die erste Überraschung: Downtown L.A. versinkt weder im Müll, noch wird es in der Hauptsache von wohnungslosen Drogenabhängigen bevölkert, wie ich es erwartet hatte. Die Straßen rund um den Hauptbahnhof sind wie geleckt, und aus zahlreichen Lautsprechern tönt klassische Musik. Ein bewährtes Mittel, unerwünschte Personen fernzuhalten. Eine akustische Verdrängungsmaßnahme im öffentlichen Raum, so auch von „Richter Gnadenlos“ alias Ronald Schill am Hamburger Hauptbahnhof erprobt, als dieser zwischen 2001 und 2003 Zweiter Bürgermeister und Innensenator der Stadt war. Wäre ich obdachlos oder drogenabhängig oder beides, mich lüden die Klaviersonaten eher zum Verweilen ein. Ich beobachte aber auch, wie die Cops in einem Fall nachhelfen, als die Musik alleine es nicht vermag, eine Obdachlose zu vertreiben, die es sich an einem Brunnen gemütlich gemacht hat. Das Herumlungern (loitering) ist verboten, darauf weisen Schilder hin. In einer von den Demokraten regierten „Sanctuary City“ in einem von den Demokraten regierten Bundesstaat hätte ich die Durchsetzung eines solchen Verbots, ja nicht einmal das Vorhandensein eines solchen Verbots für möglich gehalten. Als „Sanctuary Cities“ bezeichnen sich in den USA Städte, deren lokale Behörden bestimmte Formen der Zusammenarbeit mit Bundesbehörden bei der Durchsetzung des Einwanderungsrechts verweigern.

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