Leihmutterschaft und Eizellspende sind in Deutschland bis dato verboten. Beide Methoden zur „Nachwuchsbeschaffung“ sind dabei auch explizit keine Kavaliersdelikte und können für Mediziner und Vermittler laut aktueller Rechtslage wie beispielsweise dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) hohe Geldstrafen oder gar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren Haft mit sich ziehen. Lediglich die empfangenden Eltern und die austragenden Leihmütter sind zum Schutz und Wohl der Neugeborenen strafbefreit. Konkret heißt das, der Verkauf von Kindern und Eizellen ist in Deutschland (aktuell noch) strafbar, der Kauf und das Austragen gekaufter Kinder nicht.
So erklärt sich auch, dass CDU-Politiker wie Hendrik Streeck oder Jens Spahn für ihren kürzlichen Kindeskauf im Ausland zwar mächtig in die Kritik geraten sind, aber rechtlich nie Konsequenzen zu befürchten hatten. Diese neuen Angebote zur „Familiengründung“, wie sie beispielsweise in den USA gerade unter Reichen und Prominenten, darunter Sängern wie Nick Jonas und Meghan Trainor, Schauspielerinnen wie Lily Collins oder Cameron Diaz oder Milliardären wie Elon Musk schon seit Längerem gang und gäbe sind, finden trotz oben genannter Gesetzeslage immer häufiger auch ihre Wege nach Deutschland. So zum Beispiel am vergangenen Wochenende bei der „Wish for a Baby“-Messe in Köln. Dabei handelt es sich um eine Wandermesse, die weltweit tourt und von der Eventagentur „Five Senses Media“ organisiert wird.
Finanziert wird das Spektakel von Sponsoren wie dem „Tree of Life Center“ aus Los Angeles, der US-amerikanischen Kanzlei „Klein Fertility Law“, die ihren juristischen Fokus auf Leihmutterschaft gelegt hat, dem Versicherungsunternehmen „BabyShield“, das sich auf Neugeborene, die durch Leihmutterschaft zur Welt kamen, spezialisiert hat, sowie dem „San Diego Fertility Center“.
Auf ihrer Website wirbt „Wish for a Baby“ explizit damit, allen zu helfen, die „alternative Wege zur eigenen Familie“ suchen. Auch jene Menschen, die aufgrund ihres Lebensstils auf natürliche, biologische Weise gar keine Kinder bekommen könnten, sollen hier Antworten auf ihre Fragen und Wege hin zum eigenen Nachwuchs finden. Angesprochen werden: „Schwule Paare und alleinstehende Männer, die sich mit Leihmutterschaft oder Adoption beschäftigen“, „Lesbische Paare und alleinstehende Frauen, die über Samenspende oder die ROPA-Methode nachdenken“, „Menschen, die sich bewusst für ein Leben als Solo-Mama oder Solo-Papa entscheiden“, „Trans- und nicht-binäre Menschen, die eigene Wege zur Familiengründung suchen“, so heißt es auf der offiziellen Website.
Die Veranstalter warben auf ihrer Netzseite also schon im Vorfeld mehrfach mit in Deutschland verbotenen Arten der „Fortpflanzung“. Bei der ROPA-Methode (Reception of Oocytes from the Partner, Empfang von Eizellen der Partnerin) handelt es sich beispielsweise um eine besondere Form der Eizellspende, die gerade unter lesbischen Paaren sehr beliebt ist. Die eine Partnerin spendet die Eizelle, die durch In-vitro-Fertilisation künstlich befruchtet und anschließend der anderen Partnerin eingepflanzt wird, sodass beide am Prozess des Kinderkriegens teilhaben können.
Etliche Konservative, Christen und Lebensschützer demonstrierten schon lange vor der Messe gegen deren Durchführung. Der Verein „Frauenheldinnen“ leitete juristische Schritte gegen die Veranstalter ein und bewirkte damit, dass die führende schwedische Leihmutterschaftsagentur „Nordic Surrogacy“ nicht teilnehmen durfte.
Die Kölner AfD-Stadträtin Iris Dworeck-Danielowski war am Samstag vor Ort, um sich mal ein näheres Bild des ganzen bunten Geschehens zu machen. Offenbar war dies den Veranstaltern dermaßen ein Dorn im Auge, dass sie die Politikerin prompt der Veranstaltung verwiesen.
Leihmutterschaft wird zunehmend als moderne Form des Kinderkriegens euphemisiert und etabliert. Warum auch sollte man seinen Körper hergeben und/oder aufgrund seiner Sexualität ganz auf Kinder verzichten, wenn es doch etliche Agenturen gibt, die einem mit etwas Geld und Geduld dieses „Problem“ abnehmen können? Was dabei gerne vergessen wird, sind die extremen physischen und psychischen Folgen für Kind und Leihmutter, die dieses Verfahren mit sich bringt, die Tatsache, dass Kinder zur Ware degradiert werden, und die Ausbeutung vieler Frauen, die mit Leihmutterschaft ihr täglich Brot verdienen. Kinder sind eben keine Ware und der weibliche Körper kein Brutkasten für andere.
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