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Dominanz statt Toleranz

24. Juni 2021
in 2 min lesen

Von Johann Adler

Kolumnenschreiber haben es dieser Tage schwer, da ironische รœberspitzungen der Wirklichkeit diese oft nicht mehr zu รผbertreffen vermรถgen. Ein befreundeter Schreiber nannte die Bundesrepublik immer gerne โ€žBuntlandโ€œ wenn er die linksliberale Schlagseite der Politik- und Medienlandschaft kritisieren wollte.

Spรคtestens mit der Regenbogenarmbinde von Manuel Neuer ist das viel zu banal und offensichtlich um noch lustig zu sein. Der Kapitรคn unserer absolut-nicht-national-noch-in-irgendeiner-anderen-weise-rechten Elf trรคgt diese statt den Deutschlandfarben. Ein Verfahren der Uefa ob es sich dabei vielleicht um ein politisches Statement handeln kรถnnte, wurde zum Glรผck wieder eingestellt.

Die ganz groรŸe Nummer

Es geht ja hier nur um Menschenrechte, das ist etwas ganz anderes als wenn FuรŸballspieler wie Cacau ein T-Shirt mit christlicher Botschaft unter dem Trikot tragen wollen, was seiner Zeit mit einer รคhnlichen Begrรผndung abgelehnt wurde.

Es blieb allerdings auch nicht bei der Regenbogenkapitรคnsbinde. Als nรคchstes wollte die Stadt Mรผnchen zum Spiel gegen Ungarn die ganze Allianzarena in den Regenbogenfarben leuchten lassen. Damit soll der LSBT-Lobby in Ungarn Solidaritรคt bekundet und die nicht genehme Familienpolitik Viktor Orbans angeprangert werden.

Abgesehen davon, dass dies ein groรŸes Zeichen der Unhรถflichkeit gegenรผber der ungarischen Gastmannschaft ist und es sich um ein direktes Einmischen in die Innenpolitik eines anderen Landes handelt, ist an diesem Punkt endgรผltig die weltanschauliche Neutralitรคt รผberschritten, die der Uefa angeblich wichtig ist. So rang diese sich dann auch mit Mรผhโ€™ und Not zu einem โ€ždas geht eigentlich nichtโ€œ durch, allerdings nicht ohne vorzuschlagen, dass man die Allianzarena ja an einem anderen Datum in den Regenbogenfarben leuchten lassen kรถnne.

Pro-Gender als neue Wahrheit?

Das der tolle Vorschlag, der nebenbei sogar die Unterstรผtzung des bayrischen Ministerprรคsidenten genoss, abgelehnt wurde war fรผr den Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland Markus Ulrich eine Frechheit. Sein Kommentar daher:

โ€œDie Uefa hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt โ€“ und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt.โ€œ

Neutralitรคt und Zurรผckhaltung ist also nicht mehr drin, wenn es um die Genderfrage geht. Da heiรŸt es โ€žWer nicht fรผr uns ist ist gegen uns!โ€œ und โ€žWer sich dem Zug des Fortschritts in den Weg stellt wird eben รผberfahren!โ€œ.

Ulrich erklรคrt besser als jeder Kolumnist es zuspitzen kรถnnte: โ€žWir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die Uefa mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden solltenโ€œ.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Uefa schnellstmรถglich einsieht, dass es Werte gibt, die โ€žin der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden solltenโ€œ รผber die man also nicht mehr diskutieren darf oder soll. Da diese Werte in der Gesellschaft nur akzeptiert werden โ€žsolltenโ€œ muss die Uefa dies vor der Gesellschaft begreifen und akzeptieren, dass diese eben keine politischen MeinungsรคuรŸerungen darstellen, sondern die indiskutable neue Wahrheit, die immer und รผberall geรคuรŸert werden darf und muss. Vielleicht ist ihr dafรผr die Anschaffung eines neuen Orakelkraken zu empfehlen.

ABOS

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