Tausend mal berรผhrt, tausendmal ist nichts passiert. Es ist wahre Liebe. Ich habe es nur mein Leben lang nicht verstehen wollen – doch nun habe ich es endlich begriffen: Der Sonntag ist der beste Tag der Woche. Klar, der Sonnabend ist auch wunderbar, aber meist wird man getrieben von unzรคhligen Kleinigkeiten, die zu erledigen sind, bevor man sich dann das erste Bier rein zwirbelt, um die Woche hinter sich zu lassen.
Der Sonntag aber, der entschleunigt. Egal, wo und wann man morgens aufwacht, der Tag wird gut. Wรคhrend man mit Bewunderung feststellt, dass man die zwรถlf Schnaps doch besser verkraftet hat als ursprรผnglich angenommen, ist der Sonntag schon da und nimmt einen buchstรคblich in den Arm.
Der Sonntag nervt nicht, er ist nicht anstrengend, bringt einen wieder auf den Boden der Tatsachen und ist durch und durch von Frieden geprรคgt. Die Mรคnnerwelt sollte sichย von der Mentalitรคt des Sonntags gelegentlich eine Scheibe abschneiden.ย Apropos abschneiden – sonntags gibt es meistens Braten. Buttermรถhrchen. Klรถรe. Literweise Soรe und Quittenkompott.
Der Sonntag ist fรผr alles da, was unter der Woche zu kurz kam. Sich auf die Terrasse setzen und das Gesicht in die Sonne halten, lesen, am Moped rumschrauben, Fassbrause trinken, den Trรถdelmarkt besuchen, sich in die Badewanne legen, Tiramisu lรถffeln, Mittagsschlaf machen, bequeme Hosen (oder besser gar keine) tragen und einfach malย nรผschtย machen.
Da ist es auch vรถllig gleich, was der Montag so bringt. Der Sonntag steht in meinen Augen ganz fรผr sich allein. Irgendwie heilig, unantastbar. Wenn Sonntag ist, dann ist Sonntag! Diese Ruhe, die ihm inne liegt, die strahlt kein anderer Tag der Woche aus.ย Vor dem Jahr 1976 leitete nicht, wie heute รผblich, der Montag die neue Woche ein, sondern der Sonntag. Da konnte gar keine (heutzutage)ย typischeย โMontagsfrustrationโ auftreten, denn den ersten Tag der Woche verbrachte man bestenfalls zu Hause, zumindest aber nicht auf der Arbeit. Das hebt die Laune ins Unermessliche. Weltklasse.
Sonntag.ย Das klingt schon perfekt. Das ist einfach mal eine Ansage von ganz oben. Es heiรt ja nicht umsonst: โSechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhenโ. Sonne dich in deiner erbrachten Leistung der letzten Tage. Aber mit Wohlwollen, nicht hochtrabend, sondern mit Vernunft und Bedacht.
Ich freu mich schon auf alle kommenden Sonntage. Vor allem, weil der Herbst vor der Tรผr steht und mit ihm der eine oder andere verregnete Sonntag. Erstklassiges Wetter, um Spaziergรคnge im Wald zu tรคtigen und sich danach zu Hause einzukuscheln und alte Filme zu schauen. Ganz ohne schlechtes Gewissen, denn es ist ja Sonntag.
