Liebe KRAUTZONE-Gemeinde,
auch wenn dem einen oder anderen von euch die Tรผren der Weihnachtsgottesdienste aufgrund der Coronaregeln in manchen Gemeinden verschlossen bleiben, sollt ihr das Fest der Geburt unseres Heilandes nicht ohne eine Weihnachtspredigt verbringen mรผssen. Die wesentliche Botschaft und der Anlass des Weihnachtsfestes wird in dem Alten Weihnachtslied โEs kommt ein Schiff geladenโ so zusammengefasst:
โIn Bethlehem geboren,
im Stall ein Kindelein,
gibt sich fรผr uns verloren,
gelobet muss es seinโ
An Weihnachten geht es um die Geburt eines Kindes. Natรผrlich denken wir bei Weihnachten an viele Jahrzehnte brutalster Kommerzialisierung und pseudoemontionalen Kitsch. Auch die Umdeutung heidnischer Brรคuche mag zum Weihnachtsfest wie wir es heute kennen beigetragen haben. Aber das ist nicht der eigentliche Kern von Weihnachten. Es geht im Grunde nicht um Geld und auch nicht um Kultur oder Politik. An Weihnachten geht es um die Ankunft eines Kindes, das weder รคsthetisch, noch wirtschaftlich oder politisch Einlass in unser Leben erzwingt.
Ein neugeborenes Kind strahlt in der Regel weder Souverรคnitรคt noch Macht aus. Es ist einfach da und wartet darauf angenommen zu werden. Die Botschaft von Weihnachten ist, dass Gott in dieser Form zu uns gekommen ist und immer noch zu uns kommen mรถchte. Ohne Zwang, ohne Nudging oder Bestechung. Das Kind in der Grippe liefert sich uns total aus. Es gibt sich fรผr uns โverlorenโ.
Auch im biblischen Bericht um Jesus bleibt deutlich, dass er Menschen in seine Nachfolge und die Beziehung mit ihm ruft, ohne sie dazu zu drรคngen oder ihnen aus menschlicher Perspektive besonders viel bieten zu kรถnnen. Da ist die Geschichte des reichen Jรผnglings, der ein moralisch ganz integrer Kerl zu sein scheint und den Jesus auffordert, sein Eigentum zu verschenken, um ihm nachzufolgen. Jesus verhandelt nicht mit ihm, er macht ihm kein Sonderangebot fรผr die Gemeinschaft mit ihm, sondern sagt einfach: โHier bin ich. Wenn du mit mir gehen willst bist du willkommen, aber wenn du mit mir gehen willst kannst du nicht dein Herz an etwas anderes, als an mich hรคngen.โ
Das ist die gleiche Situation, vor der wir auch noch heute stehen. Wer das Kind in seine Arme nehmen will muss alles andere fallen lassen. Der Glaube an Jesus bietet sich uns an. Jesus ist das besondere Weihnachtsgeschenk des Vaters fรผr uns. Jesus als Kind, รผber das wir uns freuen dรผrfen. Die Annahme des biblischen Zeugnisses von Jesus und seinen Anspruch, Herrscher und Erlรถser der Welt und aller Menschen zu sein kann leicht von uns abgelehnt werden.
Wir haben die Mรถglichkeit ihn zu ignorieren oder ihn abzulehnen. Fรผr jeden, der Weihnachten feiern mรถchte, ohne dem Kind in der Krippe sein Herz zu รถffnen stehen die Geister der Vergangenheit aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte und die Erzรคhlung des Weihnachtsmannes von Coca-Cola zur Verfรผgung.
Wer allerdings ehrlicherweise ein christliches Weihnachten feiern mรถchte, fรผr den gelten auch die weiteren Strophen des oben genannten Weihnachtsliedes:
Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, kรผssen will,
muร vorher mit ihm leiden
groรโ Pein und Marter viel,
danach mit ihm auch sterben
und geistlich auferstehโn,
ewigโs Leben zu erben,
wie an ihm ist geschehโn.
Weihnachten ist fรผr Christen nicht nur ein Kommerz- oder Familienfest. Natรผrlich dรผrfen wir Plรคtzchen und Braten genieรen und uns an der Gemeinschaft mit unseren Lieben erfreuen. Die Verwandtschaft, die aber das eigentliche Thema des Weihnachtsfestes darstellen sollte ist die Verwandtschaft mit Gott dem Vater und Jesus seinem Sohn, die entsteht wo ein Mensch seine Arme fรผr das Kindlein in der Krippe รถffnet und ein Leben in der Gemeinschaft mit Jesus beginnt.
Diese Gemeinschaft kann manche Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten nach sich ziehen, sie ist herausfordernd, aber sie ist nicht nur der wahre Sinn von Weihnachten, sondern auch der wahre Sinn des menschlichen Lebens. Im Annehmen des Kindes werden wir selber zu Gottes Kindern, wie es in der Weihnachtsgeschichte nach dem Evangelisten Johnannes heisst: โWieviele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu heiรen, denen die nach seinem Namen benannt sindโ (Joh 1,12).
Gott ist Kind fรผr uns geworden, damit wir seine Kinder werden kรถnnen. Wirst du diese Weihnachten deine Arme fรผr das Kind in der Grippe รถffnen?

