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Schluss mit der Volksverarsche – deswegen braucht Deutschland ein neues Rentenkonzept

27. November 2020
in 7 min lesen

,,Die Rente isโ€™ sischรคโ€™โ€™ beteuerte Norbert Blรผm, ehemaliger Bundesminister fรผr Arbeit und Sozialordnung, in der fรผr Unionspolitiker so รผblichen Placeborhetorik. Damit dรผrfte er vermutlich in erster Linie seine eigene Rente gemeint haben. Fรผr einen GroรŸteil der heutigen Rentner dรผrfte Blรผms damaliges Versprechen fast schon zynisch wirken: Fast die Hรคlfte aller Rentner in Deutschland erhalten aktuell weniger als 800 Euro im Monat.

DaรŸ keine Besserung in Sicht ist, liegt zum einen daran, daรŸ das deutsche Rentensystem auf der Umlagefinanzierung basiert, zum anderen an der demographischen Entwicklung, die durch das umlagefinanzierte Rentensystem weiter verstรคrkt wird, da im bestehenden System Kinder teuer sind und der Anreiz, welche zu zeugen bzw. zu gebรคren, entsprechend abnimmt โ€“ ein Zusammenhang, auf den schon Wirtschaftsnobelpreistrรคger Gary Becker hingewiesen hat. Zusammenhรคnge, die die Alternative fรผr Deutschland, die an diesem Wochenende ihr Rentenprogramm beschlieรŸt, berรผcksichtigen sollte.

Demographie spielt beim Umlageverfahren nicht mit

Das Problem eines auf dem Umlageverfahren basierenden Rentensystems ist, daรŸ es nur dann funktionieren kann, wenn ausreichend Beitragszahler nachkommen. Dies war in Deutschland irgendwann nicht mehr der Fall: Mitte der 1960er Jahre gingen die Geburtenraten zurรผck und bereits 1972 sank die Geburtenzahl erstmals unter das Bestandserhaltungsniveau โ€“ ein Trend, der sich in den Folgejahrzehnten bis in die Gegenwart hinein dramatisch verschรคrfen sollte. In der Folge stiegen die Rentenzuschรผsse in das Rentensystem durch den Bund.

Mittlerweile werden rund 30 % des gesamten Bundeshaushalts fรผr die Renten aufgewendet. Die Beitrรคge der Beitragszahler allein reichen seit langem nicht aus, um die Renten zu finanzieren. Kamen 1962 auf einen Rentner noch sechs Beitragszahler, kรถnnte in zehn Jahren bereits auf einen Beitragszahler ein Rentner kommen. Dem auf dem โ€žGenerationenvertragโ€™โ€™ basierenden Rentensystem droht der Kollaps, der durch den demographischen Wandel beschleunigt wird, falls nicht entsprechend gegengesteuert wird.

Nur wagt sich kaum jemand an eine ehrliche Rentenreform. Eigentlich eine Chance fรผr die Alternative fรผr Deutschland. Im Zuge der demographischen Entwicklung wird die Bevรถlkerung โ€“ und somit das Elektorat โ€“ immer รคlter. Die jรผngere Bevรถlkerung hingegen ist ohnehin politikverdrossen. Politiker wiederum neigen, wie der rechtslibertรคre ร–konom Hans-Hermann Hoppe richtig feststellt, zu hoher Gegenwartsprรคferenz bei ihren politischen Entscheidungen, da sie wiedergewรคhlt werden wollen.

Das schlieรŸt in der Regel vorausschauendes politisches Handeln aus und begรผnstigt eher Sozialdemagogie und das Verkรผnden รผppiger Wahlversprechen, mit denen man in Sachen Rente vor allem die numerisch รผberlegenen Schon- und Bald-Rentner adressiert. Alles auf Kosten der numerisch unterlegenen jรผngeren und arbeitenden Bevรถlkerung, aber die ist ja eh in der Minderheit. Auf kaum einem Feld wird diese unverantwortliche Politik so deutlich wie bei der Rente. Problem: Ohne Kurskorrektur durch entsprechende Reformen wird dieses marode umlagefinanzierte Rentensystem frรผher oder spรคter zusammenbrechen.

Umlageverfahren gilt als Vorwand fรผr multikulturelle Migrationspolitik

Deshalb ist eine Abkehr vom Umlagesystem geboten โ€“ auch, weil nur durch das Umlagesystem die Demographie zu einem Faktor bei der Rente wird, was wiederum linksgepolten Politikern als Vorwand fรผr ihre multikulturelle Migrationspolitik dient. Denn wรคhrend bei uns die Bevรถlkerung immer geringer wird โ€“ von aktuell 81 Millionen auf 63 Millionen im Jahr 2100, nimmt sie anderswo, vor allem in Afrika und im Nahen Osten, rapide zu. Die Prognosen sind da sehr eindeutig:

Die Bevรถlkerungszahl Nigerias steigt in nur 30 Jahren von 190 auf 411 Millionen, die des Kongo von 81 auf 216 Millionen, die von Tansania von 57 auf 138 Millionen usw. Wer glaubt, das Migrationschaos sei bereits gelรถst, der irrt sich gewaltig: Der Migrationsdruck wird immer krasser werden, und die etablierte Politik plappert eine linke Lebenslรผge nach der anderen nach und redet sich die Bevรถlkerungsexplosion in den unterentwickeltsten Regionen dieser Welt auch noch als Chance fรผr die Rettung unserer Renten schรถn.

DaรŸ diese Rechnung in der Realitรคt nicht aufgeht, sagen renommierte Demographieforscher wie Herwig Birg schon seit langem: Das demographische Defizit lรคsst sich nicht durch Massenmigration korrigieren. Im Gegenteil: In Summe belasten Migranten, vor allem welche aus dem muslimisch geprรคgten und bevรถlkerungsexplosiven Raum, die Sozialsysteme zusรคtzlich. Empirisch betrachtet kann von einer Entlastung durch diese Art der Migration keine Rede sein.

Seit Jahrzehnten nicht. Das Umlageverfahren der Rente fรผhrt in Kombination mit dem Rรผckgang deutscher Geburten zu einer Umverteilung zulasten von autochthonen und zugunsten von allochthonen Bevรถlkerungsteilen. Kurzum: Deutsche zahlen fรผr Zuwanderer. Besser wรคre: Germans first!

Daher: Steuerfinanzierung statt Umlage

Daher bietet sich als Alternative zum Umlageverfahren eine steuerfinanzierte Grundrente an: Deutschland gehรถrt zu den Lรคndern mit der hรถchsten Belastung von Arbeitslรถhnen durch Sozialabgaben. Das ist einer der wesentlichen Grรผnde dafรผr, dass sich arbeitsintensive Unternehmungen nicht in Deutschland ansiedeln. Der Faktor Arbeit ist in Deutschland รผberproportional belastet.

Der Wegfall der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrรคge fรผr die gesetzliche Rentenversicherung wรผrde dies korrigieren und hรคtte positive Effekte auf die Schaffung von Arbeitsplรคtzen am Wirtschaftsstandort Deutschland, da die Lohnkosten sinken und die in Deutschland produzierten und von Deutschland exportierten Gรผter gรผnstiger wรผrden. Dies hรคtte zur Konsequenz, dass Investitionen zunehmen und Arbeitsplรคtze nicht weiter ins Ausland verlagert werden, sondern im Land gehalten oder gar ausgebaut werden. Das Wirtschaftswachstum wรผrde steigen.

Die Steuerfinanzierung scheint unter mehreren Gesichtspunkten die richtige Lรถsung zu sein. Im Steuersystem ist das Prinzip der Besteuerung nach Leistungsfรคhigkeit sowohl in der Literatur wie auch in der Steuerrechtspraxis verankert und durch vielfรคltige Urteile rechtlich abgesichert. Besteuerung nach Leistungsfรคhigkeit ermรถglicht sozialen Ausgleich ebenso wie auch ein HรถchstmaรŸ an Flexibilitรคt bei der Entscheidung, wie das benรถtigte Steueraufkommen generiert werden kann.

Als subsidiรคrer Helfer in der Not kann die staatlich finanzierte Altersvorsorge kein den Lebensstandard sicherndes Niveau erreichen. Das wรคre erstens nicht finanzierbar und zweitens nicht gerecht. Es muss daher um eine Mindestabsicherung gehen, deren Niveau sich an dem jetzigen Existenzminimum orientiert – mit Zuschlรคgen fรผr produktiveres Arbeitsleben. Diese Regelungen sollten auch fรผr Politiker gelten, deren besondere Pensionssysteme gestrichen gehรถren.

Mehr Freiheiten bei individueller Altersvorsorge

Neben diese Mindestsicherung wรผrde die individuelle Vorsorge treten. Diese wรผrde ermรถglicht und drastisch vereinfacht durch den Wegfall der Belastungen aus der Beitragsfinanzierung. Beispiel: Bei einem monatlichen Bruttolohn des Arbeitnehmers von 3.200 Euro hat der Arbeitnehmer derzeit einen Beitrag zur Rentenversicherung von rund 300 Euro zu zahlen. Dazu kommt der gleiche Beitrag des Arbeitgebers.

Im Zuge der Umstellung von einer Beitragsfinanzierung auf eine Steuerfinanzierung lieรŸe sich gesetzlich festschreiben, dass der Nettolohn des Arbeitnehmers um die Beitrรคge von sowohl Arbeitgeber wie auch des Arbeitnehmers zu erhรถhen ist. Im geschilderten Beispiel stiege der Nettolohn von knap
p 2300 auf rund 2900 Euro. Das verfรผgbare Einkommen erhรถhte sich also um 600 Euro monatlich, also um mehr als 25 Prozent.

Auf diese Weise wรผrden Freirรคume geschaffen, die es ermรถglichen wรผrden, aus dem Lohn eine Altersvorsorge aufzubauen. Im gegenwรคrtigen Rentensystem wird dies vor allem jenen erschwert, die wenig verdienen, gezwungen sind verhรคltnismรครŸig viel in die Rente einzuzahlen und daher kein klassisches Vermรถgen aufbauen kรถnnen. Anders als bei klassischen Vermรถgensformen kann man bei Rentenansprรผchen nรคmlich nicht stets auf sein Vermรถgen zugreifen โ€“ das Vermรถgen ist in Form zukรผnftiger Zahlungsansprรผche in der gesetzlichen Rentenversicherung gebunden. Es ist nicht fungibel.

Rentenansprรผche kรถnnen weder als Sicherheit fรผr einen Kredit dienen, noch vererbt oder verschenkt werden. Sie kรถnnen zudem nicht als finanzieller Puffer in schlechten Zeiten dienen. Sie kรถnnen nicht zur Hilfe fรผr Freunde und Verwandte eingesetzt werden. Sie kรถnnen nicht den altersgerechten Umbau der Wohnung erleichtern oder die Grรผndung einer Unternehmung finanzieren. Sie sind keine klassischen Vermรถgen, weil man nicht individuell รผber sie verfรผgen kann oder darf. Genau das aber sollte man mรผndigen Bรผrgern ermรถglichen.

Nicht der Staat sollten den Bรผrgern Vorgaben machen, auf welche Weise sie fรผr ihr Alter vorsorgen sollen โ€“ entsprechend sollten auch staatliche Fรถrderungen von Rรผrup- und Riesterrenten gestrichen werden. Jeder Bรผrger ist in der Lage die Entscheidungen zu treffen, die in seiner Situation am besten sind. Fรผr den einen kann es sinnvoll sein, eine Immobilie zu erwerben, fรผr den anderen sind klassische Sparprodukte am besten.

Ein Dritter mag in die Ausbildung seiner Kinder investieren, um spรคter von diesen im Familienverbund Unterhalt zu bekommen, und ein Vierter eine Lebensversicherung abschlieรŸen. Wieder andere setzen auf betriebliche Altersvorsorge oder Mitarbeiterbeteiligung. Der Phantasie โ€“ und der bรผrgerlichen Freiheit โ€“ sollten keine Grenzen gesetzt sein.

Der Publizist Dimitrios Kisoudis merkt treffend an:

,,Der fiktive Generationenvertrag ist widerlegt, denn lebende Staatsbรผrger kรถnnen mit ungeborenen Staatsbรผrgern keine Vertrรคge schlieรŸen. Aber sie kรถnnen mit Ihren Kindern Vertrรคge schlieรŸen. Und deshalb ist eine private Rente auch eine Ethnorente, die Gleichmacherei auf niedrigem Niveau verhindert. Jeder bekommt ausgezahlt, was er fรผr sich und seine Familie auch eingezahlt hat.โ€˜โ€˜

Umstellung wรคre herausfordernd, aber machbar

Die Umstellung auf ein solches Rentensystem wรคre langfristig und herausfordernd. Bestehende Rentenanwartschaften mรผssten bestehen bleiben. Da die Beitragsfinanzierung jedoch komplett abgeschafft werden wรผrde, kรถnnten die Anwartschaften nicht weiter vergrรถรŸert werden. Jedem Inhaber einer Anwartschaft sollte angeboten werden, die Anwartschaften zu kapitalisieren und ins neue System zu wechseln.

Wer ins neue System wechselt, erhielte fungible Staatsanleihen im Wert seiner Anwartschaft zur freien Verwendung (Buchanan-Bonds). Das kรคme einer Auszahlung des erworbenen Anspruchs gleich. Die durch die Rentenanwartschaften generierten impliziten und derzeit versteckten Staatsschulden wรผrden zu transparenten expliziten Staatsschulden transformiert. Wer neu auf den Arbeitsmarkt kรคme, kรถnnte dem alten System nicht mehr beitreten. Damit wรคre gewรคhrleistet, dass das alte Rentensystem dann erlischt, wenn der letzte noch in diesem System verbleibende Beitragszahler das Renteneintrittsalter erreicht.

Die Realisierung einer solchen Rentenreform wรผrde die Anreize zum Sparen und zur privaten Vorsorge ausbauen, die Mรผndigkeit und Wahlfreiheit der Bรผrger stรคrken, jedem soziale Mindeststandards im Alter gewรคhrleisten, den Faktor Arbeit entlasten und so den Wirtschaftsstandort Deutschland stรคrken, die Rentendebatte entpolitisieren, den Faktor der Demographie ausmerzen und so einer Politik der Massenzuwanderung, die hรคufig als Notwendigkeit zur Sicherung der Renten ins Spiel gefรผhrt wird, die Argumente nehmen und gegenwรคrtige und in der Zukunft in hรถherer Intensitรคt bevorstehende Verteilungskonflikte zwischen รคlteren und jรผngeren Generationen beenden.

Eine solche Rentenreform stรผnde fรผr eine Wiederbelebung ordnungspolitischer Prinzipien, denen sich auch die AfD verschrieben hat. Das mag in Zeiten eines linkssozialistischen Zeitgeistes unbequem sein, ist aber richtig. Falsch ist es hingegen, einem Staat, der das Migrationschaos, das Eurodesaster und die Energiewende verursacht hat, auch noch die nahezu komplette Altersvorsorge seiner Bรผrger anzuvertrauen. Eine Partei, die sich den Mut zur Wahrheit auf die Fahnen geschrieben hat, sollte das beherzigen.

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