Die Preise fรผr Benzin und Diesel liegen seit รผber einer Woche bei mehr als 2 Euro. Nach dem Preisschock vom 9. Mรคrz in Folge des Ukrainekriegs ist der Preis zwar etwas gesunken โ eine Normalisierung ist aber noch nicht in Sicht. Demnach werden zahlreiche Forderungen laut: Die Politik soll endlich eingreifen und den โMarktpreisโ wieder korrigieren.
Christian Lindner, der trotz seiner zahlreichen Falschaussagen zur Corona-Politik (โMit uns wird es keine Impflicht gebenโ) im politischen Mainstream noch immer als liberal gilt, brachte den sogenannte โTankrabattโ ins Spiel. Direkt an der Tankstelle sollen die Bรผrger einen Rabatt erhalten, wodurch der Spritpreis zumindest auf unter 2 Euro gesenkt werden soll, so Finanzminister Lindner. Im weitesten Sinne wรผrde es sich dabei um Steuersenkungen handeln, da die Bรผrger faktisch weniger Bezahlen und der Staat โรผbernimmtโ. Einen deutlichen Unterschied gibt es bereits: Der Staat spielt sich wieder als Gรถnner auf, anstatt einzugestehen, dass die horrende Energiesteuer eigentlich den Bรผrger abzockt.
Immer schรถn geschmeidig bleiben
Doch Lindners Vorstoร wird bereits beschossen und bald zu den Akten gelegt werden: SPD-Generalsekretรคr Lars Klingbeil wettert gegen Lindners Vorstoร. Die SPD wolle keine Gutverdiener entlasten โ Lindners Rabatt hรคtte schlieรlich jeden Bรผrger erreicht. Das darf es bei der โPartei des kleinen Mannesโ nicht geben. Das hindert die Sozialdemokraten freilich nicht, auch Steuern von den Geringverdienern einzusacken.
Doch es werden noch sozialistischere Tรถne laut: So wollen Greenpeace und diverse Umweltverbรคnde noch stรคrker in die Freiheiten der Bรผrger eingreifen und fordern auf Autobahnen das Tempolimit 100 und in Stรคdten 30 km/h. Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterstรผtzt diese Forderung: โEs ist richtig, jeden Tropfen Benzin zu sparen, den wir sparen kรถnnenโ, so Reiner Hoffmann gegenรผber der Funke-Mediengruppe. Gegenรผber den zur Kasse gebetenen Autofahrern, die jetzt noch in Schneckentempo รผber Deutschlands Straรen fahren dรผrfen, ist das blanker Hohn.
In der jetzigen Situation ein Tempolimit zu fordern ist beispiellos fรผr die grรผne Bevormundungspolitik. Aufgrund zahlreicher politischer Fehlentscheidungen und enormen Mineralรถlsteuern setzt sich ein Preis zusammen, der nicht nur Geringverdiener, sondern vor allem auch der Wirtschaft schadet. Steigende Preise im Transportsektor fรผhren wiederum zu steigenden Preisen in nahezu allen Sektoren โ die hauptsรคchlich die Bรผrger mit niedrigem und mittlerem Einkommen trifft. Sozial wรคre in diesem Sinne vor allem eine Entlastung der Wirtschaft. Dass das die linken Parteien aber nicht verstehen ist nichts Neues.
Neu ist allerdings, dass die ehemals liberale FDP nicht mal das Thema Steuersenkungen konkret ins Gesprรคch bringt, sondern von ihrem Rabatt spricht. Der wird aber im Angesicht einer rรผckgratlosen FDP niemals kommen. Nachdem man sich mit freiheitlichen Worthรผlsen die Stimmen der Bรผrger bei der letzten Bundestagswahl ergaunert hat, folgt jetzt also โ nach Corona โ zum zweiten Mal das Einknicken vor den rot-grรผnen Koalitionspartnern.
รkonomische Analphabeten
Bezahlt man fรผr den Liter Super etwa 2,10 Euro, flieรen 65,4 Cent รผber die Energiesteuer direkt an den Staat. 19 Prozent Mehrwertsteuer sind ebenfalls enthalten. Demnach kostet der Liter Super eigentlich 1,10 Euro. In der Realitรคt liegt der Preis noch niedriger: Denn der Gewinn beim Verkauf darf vom Tankstellenpรคchter nochmal versteuert werden.
Dass es dem Staatshaushalt momentan nicht gut geht, ist kein Geheimnis: Zwei Jahre exorbitanter Ausgabenpolitik samt schrumpfendem Bruttoinlandsprodukt haben fรผr eine enorme Neuverschuldung gesorgt. Zwischen 2019 und 2021 schnellte die Verschuldungsrate, gemessen am BIP, auf 73,6 Prozent. Nach Jahren konsolidierender Haushaltspolitik steht der Staat damit erstmals mit 2,7 Billionen Euro in der Kreide. 2005 lag die Verschuldung noch bei 1,5 Billionen Euro โ ein Wachstum von fast 100 Prozent.
Der Staat braucht Geld โ und das wird der Grund dafรผr sein, dass weder Rot-Grรผn, noch FDP, sich trauen, Steuersenkungen durchzubringen. Offensichtlich hat die Regierung โ was eigentlich kein groรes Geheimnis war โ wenig Ahnung von รkonomie. Denn allein aus Sicht des Staates, bedeuten Steuersenkungen nicht automatisch Einnahmeverlust. Der Irrglaube โ je mehr Steuern ich erhebe, desto mehr Geld bekomme ich โ ist eine sozialistische Narretei, die sich noch nie bewahrheitet hat.
Die Steuereinnahmen des Fiskus verlaufen nรคmlich nicht linear zu den Steuersรคtzen, sondern in einer Parabel. Sind die Steuern zu hoch, wird die Wirtschaft so stark geschรคdigt, dass die Steuereinnahmen wieder sinken. Den praktischen Beweis der sogenannten โLaffer-Kurveโ stellte die US-Administration unter Ronald Reagen erstmals fest: Sie senkte die Steuern und erhรถhte damit die Einnahmen. Aus Sicht der Konsumenten und Unternehmen mรถgen Steuern per se einen Wohlfahrtsverlust bedeuten – aus Sicht des Staates muss man den โSweet Spotโ finden.
Selbst wenn die โAmpelโ die Steuereinnahmen maximieren will, sollte sie schleunigst mit Steuersenkungen beginnen. Sonst gibt es bald nicht mehr genรผgend Unternehmen und Autofahrer, die ihnen ihre Mรคtzchen finanzieren kรถnnten.
