Heraklit von Ephesos erhielt bereits zu Lebzeiten den Beinamen „der Dunkle“. Dieser bezog sich direkt auf seine komplexe und doppeldeutige Sprache, passte wohl aber auch zu seinem griesgrämigen Verhalten. Heraklits Leben war von Beleidigungen, Angriffen und mangelnder Diplomatie gekennzeichnet. Ihm ging es schlicht und einfach am Allerwertesten vorbei, was die Menschen von ihm dachten. „Die Leute“ waren aus seiner Sicht ohnehin eine ungebildete Masse. Er schrieb: „Die Vielen liegen nur da, vollgefressen wie das Vieh. Ihre entseelten Leiber sollte man wegwerfen wie Mist.“
Die Gegnerschaft zur „Masse“ und zur Müßigkeit liefert den ersten Hinweis darauf, warum der antike Denker als „Rechter“ eingeordnet werden kann – obwohl dieser Begriff erst mehr als 2000 Jahre später Einzug in die politische Debatte fand und man einige Stufen an moderner Radikalität abziehen muss. Über den in Griechenland vergötterten Homer sagte Heraklit: „Homer verdient es, aus den Dichterwettbewerben geworfen und verprügelt zu werden.“ Aus damaliger Sicht war dies ein unvorstellbarer Frevel.
Aber alles der Reihe nach: Heraklit wurde um 520 v. Chr. in Ephesos geboren, einer griechischen Siedlung am Mittelmeer in Ionien, der heutigen Westtürkei. Wie es bei allen griechischen Philosophen vor dem Auftreten von Sokrates – den sogenannten Vorsokratikern – der Fall ist, existieren kaum verlässliche Quellen über ihr Leben und Denken.
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