Nach dem Tod des „Eisernen Kanzlers“ Otto von Bismarck wurden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert deutschlandweit 240 Bismarcktürme errichtet. Einer der Nachzügler, der Turm in Altenkirchen, wurde erst 1914 fertiggestellt. Wie anders die politische und vor allem wirtschaftliche Situation damals gewesen sein muss, wird durch einen Sachverhalt deutlich: Fast alle Bismarckdenkmäler wurden durch lokale Vereine und die ortsansässigen Bürger errichtet – und nicht durch den Staat. Der Personenkult um den 1898 verstorbenen Reichskanzler, der im heutigen Geschichtsunterricht oftmals auch als staatliche Propaganda dargestellt wird, war schlicht und ergreifend privat – so auch im Westerwald. Mehrere Vereine schlossen sich im Jahr 1910 zusammen und machten sich zum Ziel, auch in ihrer Heimatstadt ein fürstliches Denkmal zu errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte im April 1914 – fertiggestellt wurde der Turm nach exakt fünf Monaten, also noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Nicht nur die kurze Bauzeit beeindruckt: Finanziert wurde der Turm hauptsächlich aus Spenden der Altenkirchener Bevölkerung: Insgesamt wurden 14.000 Goldmark aufgebracht. Jetzt stellt sich die erste Frage: Was waren 14.000 Goldmark wert?
Anhand des sogenannten Baupreisindexes kann man den Wert einer Immobilie über die Jahre vergleichen. Als Basisjahr wird dabei 1914 (in Goldmark) gewählt. Der Faktor für das Jahr 2022 beträgt 1.668, anschließend wird durch 100 dividiert. Demnach würde es heute 233.548 Euro kosten, der Altenkirchener Bismarckturm exakt wie damals neu zu bauen.
Daraus lassen sich nicht nur Rückschlüsse auf den exorbitanten Währungsverfall schließen, sondern auch auf den Wohlstand eines kleinen Dorfes. 1919 lebten in Altenkirchen gerade einmal 2.829 Einwohner. Zudem befinden wir uns weder am industrialisierten Niederrhein noch in blühenden urbanen Regionen, sondern im tiefsten, von Ackerbau geprägten Westerwald, der, wie Kollege Fechter in Heft 15 einmal genauer thematisiert hat, nicht gerade für seinen Wohlstand bekannt ist. Nichtsdestotrotz spendete rein rechnerisch jeder Altenkirchener 82,50 Euro – oder in der damaligen Währung knapp 5 Goldmark.
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Ne sorry die 250k würden heute niemals ausreichen für so ein Bauwerk! Eher noch eine 0 dran… Die zahlen stimmen nicht.