Donald Trump ist der Lieblingsfeind des deutschen Haltungsjournalismus. Er sitzt weit weg, redet grob, polarisiert ohne Scham — und liefert jeden Tag den Stoff, aus dem deutsche Redaktionen ihre Amerika-Kompetenz schnitzen. Fällt eine Umfrage schlecht aus, ist der Mann sofort „erledigt“, die Republikaner laufen ihm „blind“ hinterher, die Midterms in sieben Wochen werden zur „Abrechnung“, Amerika taumelt am „Rand der Demokratie“.
Schön. Nur: Wer so über Trump spricht, müsste über Friedrich Merz mit derselben Tonlage reden — und käme dann zu einem vernichtenden Befund.
Trump steht in den USA schlecht da, keine Frage. RealClearPolling führt ihn im Mittel bei 39,7 Prozent Zustimmung und 58,2 Prozent Ablehnung, netto minus 18,5. Aber das Bemerkenswerte ist: Er erholt sich. Nate Silvers Tracker sieht ihn zum 16. September bei netto minus 19,5 — eine leichte Verbesserung gegenüber dem Rekordtief von minus 20,6. Trump hat ein Lager, eine Erzählung, eine Basis, die genau weiß, warum sie ihn wählt: Grenze, Industrie, Amerika zuerst, Kampf gegen die linksliberalen Eliten. Das ist schwach. Aber es ist kein Kollaps.
Und Merz? Merz spielt in einer ganz anderen Liga des Absturzes. Zum Amtsantritt im Sommer 2025 waren noch rund 39 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. Ein Jahr später ist davon fast nichts übrig. Im RTL/ntv-Trendbarometer vom 15. September waren nur noch 10 Prozent der Bundesbürger mit Merz zufrieden, 88 Prozent unzufrieden — die niedrigsten Werte, die Forsa je für ihn gemessen hat. Der ARD-DeutschlandTrend meldete Anfang September 13 Prozent — den niedrigsten je gemessenen Wert für einen amtierenden Kanzler. Selbst die gnädigeren Institute retten nichts: bei Ipsos 17 Prozent Zufriedenheit gegen 83 Prozent Ablehnung. Das ist kein Regierungstief. Das ist ein demoskopischer Totalschaden.
Man muss es also so klar sagen: Der deutsche Kanzler steht schlechter da als Donald Trump. Nicht ein bisschen — dramatisch. Wo Trump netto bei rund minus zwanzig Punkten liegt, steht Merz bei minus achtundsiebzig.
Ja, man wird einwenden, hier werde Unvergleichbares verrechnet — US-Präsidenten-Approval gegen deutsche Kanzler-Zufriedenheit, die hierzulande traditionell härter ausfällt. Geschenkt. Doch selbst wenn man die strengere deutsche Messlatte großzügig glättet und Merz jeden Methodenbonus gewährt, bleibt er unter Trump. Die Lücke ist zu groß, um sie wegzurechnen.
Und der Ton? Vollkommen umgedreht. Bei Trump: demokratischer Alarm, autoritäre Versuchung, blinde Gefolgschaft. Bei Merz: Kommunikationsproblem, schwierige Lage, Reformdruck. Aus Trumps schwachen Zahlen destilliert man ein Charakterurteil über ein ganzes Land. Aus Merz‘ noch schwächeren Zahlen wird eine Managementfrage. Das ist keine Analyse. Das ist Lagerpflege.
Der SPIEGEL darf Trump mit sichtbarer Lust „so unbeliebt wie nie“ nennen. Gut — was ist dann Merz? Wenn Trump bei knapp 40 Prozent ein demokratisches Warnsignal ist, was ist ein Kanzler bei zehn? Die ehrliche Schlagzeile müsste lauten: „So unbeliebt wie kein Kanzler vor ihm.“ Sie bleibt aus. Denn Merz ist nicht der Dämon von außen. Merz ist der Kanzler genau jenes Systems, das sich „demokratische Mitte“ nennt. Also wird weichgezeichnet, wo bei Trump dämonisiert wird.
Der tiefere Unterschied liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Substanz. Trump polarisiert, aber er steht für einen Konflikt. Man kann ihn verachten — man weiß, wofür er steht. Merz hat den Konflikt angekündigt und dann vermieden. Er versprach „Links ist vorbei“ und regiert schwarz-rot. Er versprach den Politikwechsel und verwaltet die Kontinuität der Abwärtsspirale. Trump wird gehasst, weil er etwas will. Merz wird abgelehnt, weil keiner mehr weiß, was er überhaupt will.
Die Brandmauer sollte die AfD schwächen. In Wahrheit schwächt sie die CDU. Sie zwingt die Union nach links, obwohl ihr Reservoir rechts der Mitte liegt. Und die Bürger haben es längst durchschaut: Erstmals sagt mit 51 Prozent eine Mehrheit, andere Parteien sollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen — im August waren es noch 44 Prozent. Die Mauer bröckelt, und sie bröckelt zulasten dessen, der hinter ihr Deckung sucht. Die AfD steht bundesweit bei mittlerweile schon 30 Prozent, die Union auf einem historischen Tief von 18 — elf Punkte dahinter, nach dem AfD-Rekordhoch bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die AfD wächst nicht trotz der Brandmauer, sondern wegen ihr.
Der Blick nach Washington ist deshalb so beliebt, weil er von Berlin ablenkt. Solange Trump der gefährliche Populist bleibt, darf Merz als Staatsmann durchgehen. Nur glaubt das niemand mehr. Fast die Hälfte der Bürger — 48 Prozent — rechnet damit, dass Merz noch vor Jahresende nicht mehr Kanzler ist. Die Bürger sehen die Preise, die Migration, die Wirtschaftsschwäche, die Schulden. Sie sehen eine Union, die anders redet, als sie regiert — und einen Kanzler, der nur noch folgenlose Sprüche klopft.
Die Pointe ist bitter, aber präzise: Trump ist unpopulär. Merz ist delegitimiert. Trump hat miserable Werte, aber ein Lager. Merz hat ein Amt, aber kaum mehr Resonanz. Wer Trump wegen seiner Umfragewerte für politisch erledigt erklärt, der müsste Merz längst für politisch tot erklären. Dass man es hierzulande nicht tut, sagt mehr aus über den deutschen Journalismus als über beide Regierungschefs zusammen.
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Also ich denke Trump ist bei den BRD-Mainstreammedien unbeliebter als Merz.
Nur ist Merz beim deutschen Volk unbeliebter als Trump bei dem amerikanischen Volk.
Beide haben freilich Wahlversprechen gebrochen; Trump wurde ja gewählt, weil die Bürger glaubten er fange keine neuen Kriege an und beende den Ukrainekrieg.
Nur haben Trumps gebrochene Wahlversprechen nicht so heftige Folgen für die Brieftaschen der amerikanischen Wähler, während Merz Politik immer mehr Deutsche arm macht!
Gleichzeitig hat Trump auch ein paar Erfolge vorzuweisen; etwa den Sturz des Kommunistendiktators in Venezuela. Oder die WM in den USA.
Womit wir bei einem Punkt wären, für den mein bester Freund Trump so richtig feiert: Trump hat aus der WM eine riesige Trump-Show gemacht und damit allen Fußballfans die WM versaut. Etwas wofür mein Kumpel, der ein richtiger Fußballhasser ist, Trump nun richtig feiert.
Und sogar ich muss zugeben; ich habe herzlich darüber gelacht, wie Trump die WM zur Trumpmeisterschaft gemacht hat; er war einfach überall 🙂 Auf jedes Foto hat er sich mit gedrängelt, hat sogar die rote-Karte-Regel geändert. Es war einfach saulustig.
Außer natürlich für Fußballfans.
Nun bin ich kein Fußballhasser wie mein Kumpel, aber ich musste trotzdem lachen.
Also: Trump ist eindeutig beliebter als Merz; zumindest was die Bürger angeht. Die Medien hassen jedoch beide.
Treffende analyse, wir dürfen nur nicht vergessen, dass die Bransmauer in unserem essenziellen Interesse ist. Die AfD ist weltanschaulich nicht gefestigt und hat kein starkes Vorfeld. Für die notwendigen Veränderungen sollte die Brandmauer noch mindestens 2 Jahre stehen, wenn nicht länger. Sonst droht die Melonisierung.