Ein Meister seines Körpers

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Wenn jemand den Meistertitel in einem Handwerk erreicht, dann hat er in seinem Handwerk nicht alles gelernt, was es zu lernen gibt. Er hat jedoch genug gelernt, um alle in seinem Gewerk auftretenden Herausforderungen einschätzen zu können. Er kennt (und erkennt) sich selbst im Kontext seines Handwerks; er weiss, was er kann, und was nicht. Er hat einen mehrjährigen Lern- und Selbsterkenntnisprozess in einem spezifischen Kontext durchlebt und einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut. Ein Meister ist also nicht jemand, der alles weiss und alles kann, sondern jemand, der in seinem Fach sowohl hinreichend breites als auch hinreichend tiefes Wissen & Können erlangt hat. So verhält es sich auch im Kontext von körperlichem Training.

Ein Meister seines Faches

Ein Meister seines Körpers ist nicht gleichzeitig erfolgreicher Triathlet und erfolgreicher Kraftdreikämpfer. Er hat auch nicht jeden Sport und jede Trainingsmethode ausprobiert, die es auf der Welt gibt. Er ist jedoch in seiner körperlichen Selbsterkenntnis hinreichend weit fortgeschritten, um alle körperlichen Herausforderungen einschätzen zu können.

Er weiss, was er kann, und was nicht. Er hat einen mehrjährigen Lern- und Selbsterkenntnisprozess im Kontext körperlichen Trainings durchlebt und einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut. Und gerade deshalb ist ihm bewusst, dass sein Körper Grenzen hat und er nicht in allen Disziplinen gleichzeitig erfolgreich sein kann.

Er weiss aus empirischer Erfahrung, dass seine Energie begrenzt ist und er nur durch Fokussierung auf wenige spezifische Fertigkeiten zu bemerkenswerten Leistungen fähig ist. Welche Fertigkeiten er dann langfristig fokussiert, das ist vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks und der individuellen Umstände.

Mein eigener Bereich

Ein Handwerksmeister kann sich auf die eine oder andere Facette seines Gewerks spezialisieren – oder auch darauf, ein Allrounder in seinem Fach zu sein. Spezialisiert er sich auf eine bestimmte Facette, wird er zum Spezialisten und kann sich in Märkten durchsetzen, in denen es bereits genug Allrounder gibt. Als Allrounder hingegen wird er in Märkten erfolgreich sein, in denen es wenig Mitbewerber gibt und die Kunst darin besteht, ziemlich unterschiedliche Aufträge zur vollen Zufriedenheit der Kunden zu erfüllen.

Das gleiche Prinzip gilt auch für einen Meister der körperlichen Leistungsfähigkeit. Er kann sich auf einige wenige Fertigkeiten spezialisieren oder er kann versuchen, ein guter Allrounder zu sein. Beispielsweise Triathlon oder Kraftdreikampf auf der einen Seite, Crossfit oder Fünfkampf auf der anderen Seite. Je enger der Fokus, desto größere Leistungen sind in der spezifischen Disziplin möglich; je weiter der Fokus, desto größer der Nutzen für das echte Leben außerhalb der gewählten Sportart.

Ein Handwerksmeister steht im Wettbewerb zu anderen Meistern seines Gewerks in seiner Region. Ein Meister der körperlichen Leistungsfähigkeit steht einerseits im Wettbewerb zu anderen Athleten seiner Disziplin, andererseits jedoch immer auch zu seiner Umwelt insgesamt. Ein Maurermeister wird nicht von einem Dachdeckermeister vom Markt verdrängt, aber ein erstklassiger Boxer kann von einem unterdurchschnittlichen Schützen erschossen werden.

Anders als bei beruflicher Spezialisierung können also bei körperlicher Spezialisierung also auch Überlegungen eine Rolle spielen, die auch sehr unwahrscheinliche Szenarien berühren. Unsere körperliche Entwicklung berührt unweigerlich wesentlich mehr Lebensbereiche als unsere berufliche Entwicklung.

Sportliche Meisterschaft geht viel weiter

Während unsere berufliche Entwicklung insbesondere über unsere finanziellen Möglichkeiten und unseren gesellschaftlichen Status entscheidet, entscheidet unsere körperliche Entwicklung insbesondere über unsere Gesundheit. Und da Gesundheit wichtiger als Geld ist, ist körperliche Entwicklung wichtiger als berufliche Entwicklung.

Natürlich wollen wir uns immer möglichst ganzheitlich entwickeln, also in allen Lebensbereichen vorankommen, doch im Zweifelsfall sind Körper und Gesundheit wichtiger als Beruf und Finanzen. Sich selbst zu meistern ist wichtiger als einen Beruf zu meistern.

Sich selbst zu meistern, das erfordert vor allem, sich zu erkennen. Was im Nebel liegt und nur erahnt wird, kann nicht gemeistert werden. Zu meistern bedeutet vor allem zu verstehen und zu verstehen bedeutet vor allem zu erkennen. Das gilt auch für dein Selbst.

Unser aller Selbst besteht aus drei essentiellen Elementen: Bewusstsein, Körper und Geist. Wir leben mittels unseres Körpers, erfahren die Welt durch seine Sinnesorgane, begreifen diese Erfahrung mittels unseres Geistes und nehmen unseren Geist in unserem Bewusstsein wahr. Dieses Bewusstsein, das unseren Körper und unseren Geist wahrnimmt, ist unser essentielles Selbst, das weder entwickelt noch gemeistert werden kann. Es ist. Ich bin. Du bist.

Das Eine mit dem Anderen

Pures Sein, ohne Attribute. Unser Selbst im umgangssprachlichen Sinne hingegen, also die Einheit aus Körper & Geist, kann entwickelt und gemeistert werden. Hier kommen wir also zu geistiger und körperlicher Entwicklung, oft Selbstentwicklung genannt.

Ein Meister seines Selbst hat sein essentielles Selbst erkannt und sein körperliches und sein geistiges Selbst weit entwickelt. Er ist ein Meister des Lebens – und der Meister seines Lebens. Diese Meisterschaft beinhaltet hohe Entwicklung des Körpers, und diese hohe Entwicklung kann viele Formen annehmen. Ob er einen bestimmten Sport ausübt oder nur für sich trainiert, ob er sich auf Ausdauer oder Kraft oder die Balance von beidem fokussiert, ob er Balletttänzer oder Kraftdreikämpfer ist, ganz gleich welche Form seine körperliche Meisterschaft nimmt, er hat eine.

Er hat sich für einen bestimmten Weg körperlicher Entwicklung entschieden und ist diesen Weg weit gegangen. Welcher Weg das ist, das ist eine Frage des persönliches Geschmacks. Denn schmecken muss dieser Weg, er ist endlos; ein Meister lernt nie aus.

Zu trainieren, Sport zu machen, ist ein fortlaufender Selbsterkenntnisprozess. Mit jeder Trainingseinheit lernen wir wieder etwas über uns dazu, auch wenn dieser Erkenntnisgewinn manchmal so klein ist, dass wir ihn übersehen. Allerdings können wir unseren Erkenntnisprozess verbessern, indem wir unsere Erfahrungen miteinander teilen. Das ist es, was wir im Sonnenwolf Podcast machen. Wir teilen unsere Erfahrungen miteinander und unterstützen uns und unsere Zuhörer so im fortlaufenden Selbsterkenntnisprozess, auf dass wir Körper & Geist meistern und immer mehr werden wer wir sind.

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