FC 24 – Das C steht für „Clownswelt“

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Als ich 2016 das erste Mal im Computerspiel „FIFA“ mit Frauenfußball konfrontiert wurde, fand ich das eigentlich noch ganz lustig und habe es sogar ein wenig gezockt. Er hatte seinen eigenen Modus, man konnte die Frauen-WM vom Vorjahr nachspielen. Ein nettes kleines Gimmick, wie ich fand, auch wenn die absolut utopischen Bewertungen der Spielerinnen mich damals schon zum Schmunzeln brachten. Die Nationalspielerinnen waren ungefähr auf demselben Niveau wie männliche Champions-League-Stars, nur mit schwächer ausgeprägter physischer Durchsetzungsfähigkeit, dafür aber alle miteinander pfeilschnell und wendig – es war, als würde man mit einem Team aus zehn kleinen Messis spielen, während die 1,70 Meter großen Torwärtinnen ihre mangelnde Körpergröße mit irrwitzigen Flugeinlagen ausglichen, als hätten sie Sprungfedern in den Schuhen.

Die Realität sieht natürlich anders aus, so verlieren A-Nationalmannschaften der Frauen regelmäßig in Testspielen haushoch gegen 14-jährige Jungs. Sicherlich kam es zu dieser Neuerung auch nicht, weil die tatsächlichen Spieler den Entwicklern des Spiels mit der Forderung nach Frauenfußball die Tür eingerannt hätten, sondern um von einem positiven Echo in den feministischen Leitmedien zu profitieren, und das hätte man sich mit einer realistischen Darstellung der Fähigkeiten der weiblichen Elite, also ungefähr auf Dritt- bis Viertliga-Niveau, mehr als verbaut.

In den darauffolgenden Jahren blieb der Frauenfußball ein Randmodus, während man die politischen Signale an allen möglichen anderen Ecken und Enden hochschraubte: Die Zuschauer, die man beim Torjubel sah, wurden zu einem ethnisch wie geschlechtlich bunten Gemisch, in das sich Jahr um Jahr zahlreicher junge, schwarze Frauen hineinmengten. Diese Demografie habe ich, glaube ich, in meinem gesamten Leben noch nie in einem deutschen Fußballstadion gesehen, und mein Vater hat mich als Kind zu vielleicht 20 Spielen von Köln geschleppt.

Die Werbebanden knallten einen mit antirassistischen und feministischen Botschaften zu, sogar der Ball, auf den am Anfang der Spielwiederholung groß draufgezoomt wurde, trug die Aufschrift „end racism“. Eigentlich erwartete ich nach der EM 2021, die allen voran von der englischen Elf größtenteils auf den Knien absolviert wurde, dass auch dieser rituelle Kniefall gegen Weiße bald Einzug halten würde – noch blieben wir davon verschont. Dafür aber hat man sich in „FC 24“, dem letzte Woche erschienenen aktuellen Teil der „FIFA“-Reihe, etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Männlein und Weiblein spielen zusammen. Nee, echt jetzt, kein Witz. In „Ultimate Team“ (UT), der beliebtesten Rubrik von „FIFA“, in der man sich nach Belieben eine eigene Mannschaft aufbauen kann, werden Männer und Frauen nicht mehr getrennt. Wobei „mehr“ irreführend ist, bis dato gab es im UT einfach keine Frauen. Nun ist man dort auf Gedeih und Verderb mit Gegnern konfrontiert, die sich aus der Crème de la Crème sowohl männlicher als auch weiblicher Profis zusammensetzen, wobei die weiblichen natürlich mithalten können – eine Stürmerin wie Alexandra Popp etwa kann mit einer stolzen Gesamtbewertung von 88 aufwarten, ein Timo Werner, vermutlich der momentan renommierteste Stürmer Deutschlands, bloß mit einer von 82. Entziehen kann man sich dieser Absurdität auch nicht mehr, in jedem Spielmodus des UT, ob Mehr- oder Einzelspieler, ist man mit Mannschaften konfrontiert, in denen Frauen mit Fantasiefähigkeiten auflaufen. Schmächtige Frauen drängen souverän die breitesten Männer beiseite, anderthalb Meter große Spielerinnen gewinnen Kopfballduelle gegen Hünen und lassen ganze Mannschaften hinter sich im Staub zurück.



Ein Lichtblick: Die Spielerschaft hinterm Controller boykottiert diese Absurdität ein Stück weit, sogar zu ihrem eigenen Schaden. Spielerinnen sind auf dem Transfermarkt merkbar billiger verglichen mit männlichen Spielern ähnlicher Qualität, was an mangelnder Nachfrage liegt. Dabei könnte man mit ihnen durch den Preisunterschied sogar deutlich schneller ein schlagkräftiges Team aufbauen, aber genug Spieler spielen dabei nicht mit, dass die Spielerinnen weiter mehr oder minder verscherbelt werden. Eigentlich ein schönes Sinnbild für den Feminismus: Es geht nicht darum, Frauen und weibliche Errungenschaften realistisch zu zelebrieren. Es geht darum, die Realität so zu verzerren, dass Frauen als Männer mit Titten wahrgenommen werden, die alles, was Männer so machen, genauso gut können. Es geht darum, Differenzen zwischen den Geschlechtern komplett zu negieren. Alle genuin weiblichen Domänen, alles, worin Frauen Männer weit übertreffen, hat man ja im öffentlichen Auge auch schon völlig entwertet, insofern wäre es ja Frauenhass, würde man annehmen, sie könnten den Männern im Spiel des „Höher, schneller, weiter“ nicht das Wasser reichen. Also tun wir einfach so, als ob, ob ihr wollt oder nicht – und es stellt sich heraus: Die Leute wollen nicht. Ich bin schon gespannt, wann die ersten Artikel über Frauenhass auf dem FIFA-Transfermarkt eintrudeln werden.

Und ein bisschen schade finde ich es tatsächlich: Frauenfußball war mal etwas, das ich mit wohlwollender Belustigung am Rande mitverfolgte, in Zeiten, bevor den Spielerinnen vorgeschrieben wurde, in Interviews zu gendern, und die Medien begannen, uns pausenlos damit vollzunölen, wie unfair es sei, dass sie nicht dasselbe verdienen wie die Männer, die den halben Erdball vor der Glotze fesseln.

Ein wenig fühle ich tatsächlich mit den Frauen mit, die diese Leidenschaft mit mir teilen und die man so zu einem einzigen Symbol für linke Realitätsverachtung gemacht hat. Die Geschlechterabschaffung kennt am Ende nur einen Sieger, und der sitzt in den Redaktionsstuben und hätte niemals in seinem gesamten Leben einen einzigen Gedanken an Fußball verschwendet, ließe sich dieser nicht so schön vor den Karren der woken Agenda spannen.