Feministische Vollverschleierung

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Vor Kurzem veröffentlichte das zwangsfinanzierte Funk-Format „Datteltäter“ ein Video mit dem Titel „Mein Kopftuch, meine Wahl“. Mehrere junge Muslimas präsentieren stolz ihr Kopftuch und grinsen in die Kamera. „Mein Hidschab ist Feminismus, der für Freiheit und Würde steht“, äußert die Stimme aus dem Off gleich zu Beginn des Videos.

In dem etwa zweiminütigen Clip werden mehrere Frauen aus verschiedensten muslimischen Ländern gezeigt. Manche stammen aus dem Nahen Osten, andere aus Afrika, doch sie alle vereint trotz unterschiedlichster Hautfarbe eins: der Hidschab. Der muslimische Schleier wird im Laufe des Videos mehrmals als Symbol der Freiheit oder als Modeaccessoire glorifiziert.

Passend zum World Hijab Day am 1. Februar liefert der öffentlich-rechtliche Rundfunk also eine Lobeshymne auf die Verschleierung der Frau. „Denn mein Hidschab ist Glaube, Disziplin, Schutz, Gottesdienst“, erläutert die Stimme aus dem Hintergrund. Schnell wird klargestellt: Wer den Hidschab ablehnt oder kritisiert, bedient sich rassistischer Klischees und Vorurteile. Während Frauen in muslimischen Ländern tagtäglich mit Unterdrückung zu kämpfen haben und teils gar nicht ohne Kopftuch oder gar Vollverschleierung aus dem Haus gehen dürfen, sollen wir im Westen also so tun, als sei der Schleier eine feministische Errungenschaft des 21. Jahrhunderts.

Als sei es ein Zeichen von Freiheit, dass Kopftücher und Vollverschleierung mehr und mehr das westliche Städtebild dominieren. Und das Ganze wird auch noch passend für den jungen Zuschauer auf Kosten des Zwangsgebührenzahlers produziert. Danke für nichts, ARD und ZDF.

Wie perfide ist es eigentlich, dass muslimische Frauen, so wie auch die Initiatorin des World Hijab Day, Nazma Khan, nach Europa oder Nordamerika kommen, von allen möglichen Vorteilen der emanzipatorischen Frauenbewegung profitieren und schließlich Frauen dazu motivieren wollen, sich „freiwillig“ zu verschleiern, wie es zum 1. Februar der Fall ist? Frauen in arabischen Ländern trenden zu dieser Zeit jährlich unter dem #nohijabday in den sozialen Netzwerken und ermutigen sich gegenseitig, den Schleier trotz möglicher Konsequenzen abzulegen.

Im Westen hingegen zelebriert man Vielfalt und Toleranz und verharmlost die Unterdrückung der Frau. Denn anders, als es gerne suggeriert wird, handelt es sich beim Kopftuch nicht um ein einfaches Modeaccessoire. Es ist ein politisches und religiöses Statement und außerdem eine Art Kerker, den viele Frauen, ohne die Wahl zu haben, hinnehmen müssen.

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