Jugendwahlen – Dreht sich der Wind?

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Die Klimajugend rund um die „Fridays for Future“-Demonstrationen, die Aktionen von „Extinction Rebellion“ und der „Letzten Generation“ sowie ihre Protagonisten Greta Thunberg oder Luisa Neubauer waren in den vergangenen Jahren tonangebend in Sachen Jugendrekrutierung und politischer Zukunftsgestaltung. Sämtliche Talkshows waren kaum denkbar ohne Vertreter aus den Reihen der Klimabewegung. Das 1,5-Grad-Ziel, der Braunkohleausstieg, die Stickstoffbelastung oder aber Veganismus und „nachhaltiges Leben“ waren Dauerbrenner in etlichen Bereichen des öffentlichen Diskurses.

Daraus entstand die These, dass die Jugend grundlegend linksgrün sei. Eine Argumentation, die insbesondere liberal-konservative Dieselboomer sich gerne zu eigen machten, wenn sie mal wieder über den Spritpreis, den politischen Zeitgeist oder aber die Ideen der Grünen und der grünen CDU schimpften. Doch was ist wirklich noch dran am Klischee der angeblich „linksgrün versifften“ Jugend? Wirkt die Klimabewegung unter jungen Menschen inzwischen nicht eher abgehalftert?

Die kürzlich durchgeführten „Juniorwahlen“ an der Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal zeigen eher das gegenteilige Bild auf. Im Zuge der Landtagswahlen in Hessen und Bayern führte die Schule vorab in den Jahrgangsstufen von Klasse 7 bis Klasse 10 eine sogenannte „Jugendwahl“ durch. Das Ergebnis schockierte auf ganzer Ebene, zumindest die etablierte Mainstreampresse und das Lehrerkollegium. Vorne lagen nämlich nicht die Grünen, wie angenommen und in den letzten Jahren von einigen Lehrern forciert und gefördert, sondern die CDU und die AfD.

Bei den Erststimmen gewann die CDU. Bei den Zweitstimmen hängte die AfD mit 31,0 Prozent alle anderen Parteien ab und hatte fast fünf Prozentpunkte Vorsprung vor den Christdemokraten. Ja, ein Wahlergebnis, das gerade in Westdeutschland wahrlich erschreckend wirken mag. Jedenfalls für all jene, die stets glaubten, die Jugend perfekt zum „Weiter so“ erzogen zu haben.



Natürlich handelt es sich bei dieser Jugendwahl eher um ein Extrembeispiel in Sachen Wahlverhalten bei jungen Menschen. Nichtsdestotrotz zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, dass junge Menschen grundsätzlich mehr politisches Interesse haben als noch vor ein paar Jahren. Dies lässt sich anhand der 18. Shell-Studie aus dem Jahr 2019 ermitteln. Damals hatten acht Prozent der Jugendlichen angegeben, sich sehr stark für Politik zu interessieren. Weitere 33 Prozent gaben an, allgemein zumindest politisch interessiert zu sein.

Ebenfalls deutlich wurde, dass politisches Interesse meist an den Bildungsabschluss gekoppelt ist. Demnach informiert sich jeder zweite Jugendliche, der das Abitur anstrebt oder erreicht hat, regelmäßig über Politik. Bei Personen mit angestrebtem Hauptschulabschluss trifft dies hingegen nur auf jeden Vierten zu. Das Geschlecht spielt auch hier nach wie vor eine Rolle, denn trotz leichter Annäherungen interessieren sich immer noch mehr männliche Heranwachsende (44 Prozent) als junge Frauen (38 Prozent) für Politik. 

2019 betonte mehr als die Hälfte aller befragten Jugendlichen, dass sie es gut fänden, dass die Bundesrepublik so viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Erschreckende 68 Prozent stimmten jedoch gleichzeitig der Aussage „In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden“ zu. Auch junge Menschen sind (leider) auf der Hut, wenn es um das Bekunden ihrer eigenen Meinung geht. Eine traurige Erkenntnis in Bezug auf die Meinungsfreiheit. Dennoch zeigen die Wahlergebnisse, dass Erstwähler auch in Westdeutschland an der Wahlurne nicht mehr mit ihrer Meinung hinterm Berg halten. 

Die Stimmenanteile bei Erstwählern in Hessen und Bayern legen dar, dass die Resonanz für grüne Politik bei jungen Menschen rückläufig ist. In Bayern wurde die AfD unter Jungwählern die drittstärkste Kraft, mit einem Abstand von gerade mal einem Prozentpunkt hinter den Grünen. In Hessen erreichte sie sogar den zweiten Platz. Wahlsieger waren unter jungen Menschen die CSU und die Christdemokraten. Der Wind dreht sich. In Zeiten von Inflation und anhaltender Asylkrise scheint Wohlfühl-Klimapolitik eher zweitrangig.