Lamya Kaddor hat Rassismus erlebt

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Okay, ich glaube, das ist der lustigste Skandal, den ich bisher miterlebt habe, und ich bin sogar, ganz am Rande, darin verwickelt. Lamya Kaddor, eine links-migrantische Berufsheulerin, von deren Deradikalisierungsschülern vor zehn Jahren, kein Witz, fünf zum Islamischen Staat auswanderten, wurde nach eigener Aussage kürzlich im Innenausschuss des Bundestages Opfer von furchtbarem Rassismus seitens der AfD. Sie veröffentlichte dazu zunächst nur ein betroffenes Selfie samt einem allgemein gehaltenen Text über einen Rassismusvorfall und der Bemerkung, dass der Ältestenrat in der Sache eingeschaltet wurde.

Auf t-online wurde sie dann später um einiges spezifischer (Q3): Sie habe „wohl noch ein bisschen Müsli im Mund gehabt, als sie einen AfD-Abgeordneten anblökte, entrüstet über irgendetwas mit Assad. Wenn sie selbst von „noch ein bisschen Müsli im Mund spricht, dann würde ich vorsichtig davon ausgehen, dass es sich dabei nicht um eine halbe Haferflocke handelte, sondern um ein randvolles Maul. In ersterem Fall könnte man ja fünf gerade sein lassen und davon sprechen, „doch schon runtergeschluckt zu haben“ oder so. Angeekelt von Kaddors Sittenlosigkeit und dem Anblick ihres Speiseröhreninhalts wies sie Matthias Helferich von der AfD dann darauf hin, dass es zur abendländischen Kultur gehöre, sich in solchen Fällen die Hand vor den Mund zu halten. Ein grauenhafter Fall von Alltagsrassismus in einem Land, in dem wir eine selbst ernannte „Kartoffelexpertin“ als Antidiskriminierungsbeauftragte haben.

Was daraufhin unter dem Hashtag „#joghurtgate“ losbrach, war zum Schießen. Roger Beckamp etwa lud ein Video von sich hoch, in welchem er ununterbrochen Joghurt in sich reinstopfend über die Fremdenfeindlichkeit seines Kollegen lamentierte.

Helferich selbst bot ihr auf Twitter an, ihr ein Buch über Manieren zu schenken.

Sein Clown-Meme über die Affäre hat inzwischen knapp 3.000 Likes und über 70.000 Aufrufe.

Schließlich teilte er auch noch einen kleinen Scherz-Song, den meine Wenigkeit darüber gemacht hatte.

Und damit kommen wir zu meiner, wenn man so will, Verwicklung in die Kiste.


Die Herrschaft des Volkes

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Bei dem Song handelte es sich um „Don‘t You Want Me“, ein klassisches Duett aus den 80ern, in welchem ein Mann und eine Frau abwechselnd ihre Sicht auf eine Trennung besingen. Das übertrug ich auf Helferich und Kaddor und die Joghurtsituation und sang Lamyas Part dann mit ordentlich Joghurt im Mund. Nicht so witzig fand BuzzFeed das Ganze: In seinem Artikel „Bei dieser AfD-Attacke würde ich auch mit vollem Mund sprechen“ bemängelt es nicht nur den Schwall der Lächerlichmachung unter dem Hashtag „#joghurtgate“ und erkennt an, dass die AfD in diesem Fall die Deutungshoheit an sich reißen konnte, sondern beschwert sich auch über den Retweet meines Songs:

„In der Nacht zum Samstag hat Helferich auch ein Spottlied über Kaddor geteilt. Dessen Urheber ist ein rechtsextremer Hetzer, der in der Szene seit Jahren als ‚Die Vulgäre Analyse‘ bekannt ist. Noch vor einigen Jahren wäre es ein handfester Skandal gewesen, dass ein gewählter Bundestagsabgeordneter einem unter Beobachter:innen berüchtigten rechten Hetzer Öffentlichkeit verschafft. Heute reicht dieser Umstand kaum noch für ein Schulterzucken.“

Es ist unglaublich, wie dreist diese Sorte Mensch ist. Die Zersplitterung in unzählige Unterlager, die alle miteinander nicht können (dürfen), soll also auch zwischen der AfD und so jemandem wie mir hergestellt werden. Auf der Grundlage von? Weil ich ein rechter Hetzer bin? Der gesamte Artikel bis zu dieser Stelle war eine Tirade darüber, welch ein übler rechter Hetzer Matthias Helferich ist. Und jetzt soll Druck aufgebaut werden, damit er sich von mir distanziert? Wie soll das denn funktionieren? Ihr könnt nicht alle mit denselben Diffamierungen überziehen und auf der Grundlage dieser dann fordern, dass „Rechtsextremist“ A sich von „Rechtsextremist“ B fernhalten soll, weil er sonst ein super doll böser „Rechtextremist“ ist. Diesen Forderungen schloss sich inzwischen übrigens auch Robert Wagner von der staatlich finanzierten Amadeu Antonio-Stiftung a.

https://twitter.com/TheDarqness666/status/1658542497197350926

Die mediale Reaktion auf „Joghurtgate“ wirkte vor allem hilflos und hat eindrucksvoll gezeigt, welch mächtige Waffen Spott und Hohn sind.

6 Comments

  1. Dass linke Medien anerkennen, dass Rechte es in diesem Fall geschafft haben die Deutungshoheit zu erlangen und diese Kampagne lächerlich zu machen, ist glaube ich ein metapolitischer Erfolg, der vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

  2. Was hat Kritik an schlechten Manieren mit Rassismus zu tun? Abwegiger geht es kaum. Die schadet sich nur selbst, und andere sowieso. Kindergartenniveau!

  3. Wie wäre es gewesen wenn ein afd Abgeordneter während des Ramadan eine Bratwurst gegessen und mit offenem Mund gesprochen hätte ?

    DAS wäre dann Filter gewesen !

    an diesem Bsp sieht man wie weit sich das overtonfenster verschoben hat.

  4. Das ist glatte Arbeitsverweigerung von der AfD..
    Anstatt wichtinge Dinge zu thematisieren fängt man an irgendwas mit abendländischem Verhalten zu erzählen.
    Im Morgenland spricht man auch mit leerem Mund.

    Vielleicht noch ein paar Sprüche wie bei PI ?

    Also Hetze gegen Schwule und ” Neger in Ketten” ?

    Es wird Zeit für die Deutschlandunion

  5. Schön daß die Infantilisierung der Gesellschaft nun das gesamte gesellschaftliche Spektrum erreicht hat.
    Dann kann man getrost zukünftig auch mit Weißwurst und Zigeunerschnitzel vollmundig brabbeln.

    Muß allerdings gestehen daß ich dabei doch ein wenig schmunzeln mußte…

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