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Linke Kriege

9. Dezember 2021

„Wir werden die Ukraine weiter bei der Wiederherstellung voller territorialer Integrität und Souveränität unterstützen“, prahlt die neue Regierungskoalition auf Seite 153 ihres Ankündigungskatalogs. Man kann diese Aussage mit zwei Hinweisen weglavieren. Zum einen ist der Koalitionsvertrag nichts weiter als eine reine Absichtserklärung. Welche Bundesregierung hat jemals ihren Forderungskatalog gewissenhaft von A bis Z abgearbeitet? Zum anderen überrascht der Satz nicht, spiegelt sich doch in ihm bloß die Fortsetzung der US-amerikanischen Außenpolitik wider, zu deren strebsamem Erfüllungsgehilfen sich die Bundesrepublik selbst degradiert hat.

Selbstbewusste Verteidigungspolitik ist eigentlich nichts, was man in linken Händen sieht. Militärisches wird als eine der, wenn nicht sogar die urrechte Domäne wahrgenommen, und genau aus diesem Umstand speist sich die Abneigung, ja der offene Hass der deutschen Linken auf die Bundeswehr. Nicht mal die Heimkehr der letzten Afghanistan-Veteranen konnte in bescheidenem Ausmaß zelebriert werden, ohne dass Böhmermann seinen dummen, unqualifizierten Senf dazugeben konnte. Nur um die Rollen in dem Theaterstück zu klären: Da richtet der Staat nach einem langen und demütigenden „Hin und Her“ für eine seiner Kerninstitutionen eine vergleichsweise bescheidene Ehrenfeier ab und lässt gleichzeitig seinen ideologischen Chefeinpeitscher und Humorsimulanten die hauchdünn gewobene Tradition zerreißen und bepissen. Das ist so krank, so vollkommen bescheuert, aber damit auch so typisch für die Berliner Republik, dass man dieses weitere Beispiel für kognitive Dissonanz eigentlich für sich stehen lassen muss.

Der Staat zersetzt eine seiner eigenen Kerninstitutionen, indem er ihr die lebenswichtige Traditionsbildung, die fortlaufende Erzählung über Tapferkeit und Opferbereitschaft verwehrt. Gleichzeitig fördert er das Bekenntnis zu homosexuellen und transsexuellen Biografien und kehrt damit das Intimste des Menschen nach außen – die Bandbreite der Gefühle reicht von Verstörung über Erniedrigung bis hin zu Ekel, wenn die andauernden Nachrichten über mangelhafte Kampfbereitschaft und angeblich extremistische Gesinnung nur abgelöst werden von den Bildern einer Verabschiedung, in deren Rahmen der transsexuelle Kommandant mit einem zum Einhorn umgebauten Wagen an der angetretenen Formation vorbeizieht. Keine feindlich gesinnte Agitation, keine russische Propaganda könnte eine Armee wirkungsvoller zersetzen als solche Szenen.

61 Likes bei 57.640 Views – ich wette, die Zahl der Dislikes geht gegen Null. Nachprüfen kann ich das aber nicht, denn YouTube hat sich ganz der kulturmarxistischen Parole “Hass ist keine Meinung“ verschrieben und verbirgt seit Kurzem die Zahl der Dislikes.

Jetzt will die neue Bundesregierung also die „territoriale Integrität und Souveränität“ der Ukraine unterstützen. Dort herrscht seit 2014 ein Bürgerkrieg, der bereits mehr als 10.000 Menschen das Leben gekostet hat. Tausende gefallene Soldaten – ob auf ukrainischer, separatistischer oder russischer Seite – geben ein Zeugnis davon, was eine Konfrontation zwischen einigermaßen ebenbürtig gerüsteten Kombattanten inmitten eines dichtbesiedelten Gebiets bedeutet.

Dieser Konflikt konnte in sieben Jahren nicht beigelegt werden, weil die amerikanische Regierung kein Interesse daran hat und die EU, allen voran die Bundesrepublik, der Ukraine trotz allen besseren Wissens die Möhre einer transnationalen Einbindung vor die Nase hält. Russland hat sich mit der schleichenden Okkupation der Ostgebiete selbst unter Zugzwang gebracht – es wird die Separatistengebiete irgendwann annektieren müssen. Die Ausdehnung bis zum Dnjepr, wenn man schon dabei ist, liegt dann auf der Hand.

Wenn das passieren sollte, und das werden uns die amerikanischen Geheimdienste nach dem erneuten russischen Truppenaufmarsch ja wieder einmal nicht müde zu erzählen, wird kein amerikanischer Soldat für die Ukraine sterben. Das hat Biden in einem seiner wachen oder wirren Momente – so ganz genau weiß man das bei ihm ja nie – klargestellt.

Was aber macht dann die Bundesrepublik? Rollen unsere Jungs wieder an die Ostfront? Darf Böhmermann dann eine Neuauflage der „Wochenschau“ moderieren? Bekommt die Einsatzgruppe sogar den Rufnamen „Einhorn“?

Die Mandate der Auslandseinsätze, an denen die Bundeswehr seit 1999 teilnimmt, wurden von linken Regierungen beschlossen. Keiner dieser Einsätze diente genuin deutschen Interessen, geschweige denn der Verteidigung unserer Nation – immerhin der Kernauftrag der Bundeswehr. All diese Einsätze waren von Beginn an zum Scheitern verurteilt, weil sowohl Zielsetzung als auch Durchführung so haarsträubend war, wie man das eben von einer linken Staatsführung nicht anders erwartet. Es waren ganz und gar “Linke Kriege”.

Doch all diese Einsätze waren weit, weit weg. Die Zahl der Gefallenen war vergleichsweise gering, eine Heimatfront im eigentlichen Sinne gab es nicht. Das wird im Falle einer Eskalation in der Ukraine anders sein. Die Bundesregierung hat dann zwei Optionen: Sie kann ihre transatlantische Selbstverpflichtung verleugnen und einmal mehr zeigen, dass auf ihr Wort kein Verlass ist. Oder sie setzt ihre moralisch und materiell abgewirtschaftete Bundeswehr ein – mit allen Konsequenzen.

Meine Vermutung: Weder für das EU-, noch das Regenbogenbanner werden sich Helden finden lassen.

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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